Sam Guckenheimer über die Entwicklung von Team Foundation Server und Visual Studio

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Sam Guckenheimer, Project Owner von Visual Studio und Team Foundation Server bei Microsoft

Anlässlich der ALM Days 2012 sprachen Holger Schwichtenberg und Thomas Schissler mit Sam Guckenheimer über wichtige Änderungen in der Entwicklung von und mit Team Foundation Server und Visual Studio, deren "Product Owner" er bei Microsoft ist.

heise Developer: Herr Guckenheimer, was sind denn aus Ihrer Sicht die Highlights in Team Foundation Server 2012?

Sam Guckenheimer: An erster Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass wir jetzt zwei Versionen des TFS haben: eine für die Cloud – Team Foundation Service – und den lokalen Server [im Folgenden TFS; Red.]. Durch den Team Foundation Service können Teams gleich loslegen. Und wir sehen, dass auch schon größere Teams Versuchsprojekte mit dem Service beginnen. Wo beim TFS die Installation Minuten gedauert hat, benötigt man bei der gehosteten Variante jetzt nur noch Sekunden. Für unsere Kunden mit MSDN-Zugang und Premium-Lizenz für Visual Studio bleibt der Team Foundation Service inklusive. Kleine Teams mit fünf und weniger Leuten können ihn ebenfalls kostenlos nutzen.

Zweitens: Wir haben agile Softwareentwicklung zwar immer unterstützt, jetzt aber haben wir in der neuen Version diese mit Visual Studio und TFS zu einer stimmigen Sache gemacht. Das ist am Task Board und Product Backlog im TFS Web Access zu erkennen oder etwa daran, dass die persönliche Homepage des Entwicklers mit allen wichtigen Sachen und Aktionen in nur einem Klick erreichbar ist. Das ist etwas ganz Neues und, glaube ich, Einmaliges und außerdem einer der größten Vorteile der neuen Benutzeroberfläche.

Als dritten Punkt haben wir auch in Visual Studio jetzt mit "My Work" eine Ansicht, die alles anzeigt, was für den Entwickler wichtig ist. Außerdem unterstützt sie den Wechsel zwischen Aktivitäten, der normalerweise ziemlich kompliziert ist. Eigentlich sollte es laut der Scrum-Philosophie keine Unterbrechungen geben, aber wir leben in einer Welt mit Live-Systemen. Sie genießen immer den Vorrang, das heißt, wir müssen unsere Arbeit plötzlich unterbrechen, um anderweitig aktiv zu werden. Hierbei wird durch "suspend" augenblicklich alles, was gerade in Visual Studio da ist, "zusammengerollt" und für den Nutzer gespeichert. Danach kann man etwas anderes tun, um schließlich durch "resume" wieder mit der ursprünglichen Arbeit fortzufahren.

heise Developer: Da möchten wir kritisch nachhaken: Warum gibt es dieses Feature nur in Verbindung mit TFS? Es wäre doch wünschenswert, wenn man die IDE in einem bestimmten Zustand speichern und diesen dann wieder aufnehmen könnte, ohne das mit einem TFS Work Item zu verbinden.

Guckenheimer: Ich verstehe das Argument. Das Wichtigste ist für uns, einen Arbeitsstil zu unterstützen, bei dem TFS zum Einsatz kommt und Work Items alle Aktivitäten beschreiben. Diese lassen sich benutzen, um Verbindungen zu Quellcodeänderungen, Status, Builds et cetera herzustellen. Viele zukünftige Szenarien erfordern, dass wir Work Items als zentrale Verbindung nutzen.

Und weil TFS mittlerweile kostenlos für kleine Teams sowie "fast" kostenlos für große Teams ist und es den Team Foundation Service gibt, ist die Hürde nicht mehr so groß. Zu Anfang brauchte man ja zwei Jahre Studium, um TFS aufzusetzen. Das ändert sich jetzt. Microsofts Vision ist, dass jeder Visual-Studio-Benutzer auch den TFS benutzt.