Softwarekonferenz OOP weiterhin stabil

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"The free lunch is over" – so überschrieb Herb Sutter 2005 seinen Bericht zur Lage der Softwareentwicklung. Und auch acht Jahre später wird Microsofts C++-Experte noch häufig zitiert, wenn es um die Weiterentwicklung auf diesem Gebiet geht. So beispielsweise auf der Softwarekonferenz OOP, die vom 21. bis 25. Januar 2013 im Münchner International Congress Center stattfand.

Zum zweiten Mal in Folge hatte Jutta Eckstein die Position des Technical Chair inne und die Aufgabe, mit ihrem neunköpfigen Fachbeirat und der Unterstützung von 35 Reviewern die besten der 340 Einreichungen zu ermitteln. Nachdem die letzte Ausgabe der Konferenz unter dem Motto der Nachhaltigkeit stand, lag der Fokus diesmal auf Innovation als Erfolgsgrundlage. Das häufig mit Kreativität in Verbindung gebrachte Konzept wurde hier allerdings des Öfteren von einer anderen Seite betrachtet, denn auch die Entwicklung neuer Techniken, Ansätze und Produkte bedarf einer gewissen Disziplin: Sei es nun durch das Trainieren der Art und Weise der richtigen Fragestellung und der Offenheit gegenüber neuen Ideen oder durch die Bereitschaft, regelmäßig vom eigenen Standpunkt abzurücken, um sich mit anderen Sichtweisen vertraut zu machen.

Softwareentwicklung auf allen Ebenen

Eine Hilfestellung für Letzteres versucht auch die OOP mit ihrem Konzept zu geben, Entscheider, Entwickler und Softwarearchitekten an einen Tisch zu bringen und Anknüpfpunkte sowie Gesprächsgrundlagen herzustellen. Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass viele technische Präsentationen eher einen Überblick als tiefgehende Einsichten boten, von einigen Ausnahmen abgesehen. Dabei siedelte sich ein großer Teil der Vorträge thematisch beim Testen von Software an, und auch das Interesse an agilen Vorgehensweisen schien ungebrochen. Diesen Trend konnte man in anderem Rahmen am Erfolg der als agil eingeordneten Formate Pecha Kucha und Fishbowl ablesen, die die Organisatoren in diesem Jahr noch durch eine Kochshow und das mit Videoeinspielern und Theatereinlagen gespickte Dramedy-Format ergänzten. Bei der Kochshow versuchen mehrere Experten-Teams mit verschiedenen Herangehensweisen parallel einen Geschäftsprozess umzusetzen. Einzig die für erweiterte Diskussionen angedachten Open-Arena-Bereiche Camping und Garden Plaza wurden eher als zusätzliche Sitzmöglichkeit genutzt.

Schluss mit freiem Mittag

Jeff Crume während seiner Keynote, in der er feststellt, dass Produkte kein Recht auf Beanstandung haben. (Bild: http://www.sigs-datacom.de/sd/media/pictures/#OOP2013)

Daran, dass es nichts geschenkt gibt, erinnerte beispielsweise IBMs Jeff Crume in seiner Keynote, die sich mit den Gefahren sozialer Plattformen befasste. Seine Äußerung "If you're not paying for it, you're the product not the customer" (zu Deutsch etwa "Wenn du für etwas nicht bezahlst, bist du das Produkt und nicht der Kunde") sorgte für viele nachdenkliche Gesichter und Diskussionen im Publikum, wobei er im Anschluss nicht der naheliegenden Versuchung unterlag, düstere Szenarien auszumalen, sondern sich vielmehr daran machte, Wege zu zeigen, möglichst gut mit der Situation umzugehen. Unter anderem ging er auf die Rolle des Entwicklers im Sicherheitskontext ein: Crume sieht die Position des Softwareingenieurs zum Teil als die eines Aufklärers und forderte anwesende Verantwortliche darüber hinaus auf, sicherheitskritische Anfragen nicht gleich mit "Nein" zu beantworten, sondern sich häufiger zu fragen, wie das Gewünschte innerhalb der bestehenden Möglichkeiten umzusetzen sei, da die kreativen Ideen der Nutzer, um dem Nein zu entgegnen, am Ende womöglich größere Sicherheitslücken entstehen ließen.

Ein weniger kritisches Bild der sozialen Netze, wenn auch darum bemüht beide Seiten der Medaille zu betrachten, malte Masanori Fujita in einem Vortrag zur sogenannten Generation iPhone. Nachdem er verschiedene Konfliktpotenziale in Bezug auf die Nutzung neuer Medien und Techniken dargestellt hatte, ging sein Appell eher in die Richtung, ungewöhnliche Ideen zu verfolgen, da nur so Innovation zu schaffen sei und man sonst beim Gestalten der Zukunft außen vor bliebe. Außen vor blieb laut einigen Besuchern der Keynote allerdings auch die wirkliche Innovation in vielen Teilen der Zukunftsvision, die Fujita hier kurz vor Ende präsentierte.

Architekt oder Plattform-Architekt

Mary Poppendieck redet über erfolgreiche Plattform-Architekten. (Bild: http://www.sigs-datacom.de/sd/media/pictures/#OOP2013)

Um den agilen Fragestellungen ein wenig mehr gerecht werden zu können, war Mary Poppendieck als Vertreterin der Bewegung des Lean Software Development nach München geladen. In ihrer Keynote tastete sie sich über den Begriff des Software-Architekten an das mit ihr verbundene Lean-Thema heran: So erzählte sie dann anhand vieler Beispiele die Geschichte erfolgreicher Plattformen und gab eine Art Anleitung für innovative Produkte in dem Bereich. Der Schlüssel liege hier, wie so oft, im Stellen der richtigen Fragen, die im konkreten Fall wohl "Was hast du Wertvolles?", "Wer sind deine Verkäufer/Käufer und was wollen sie?", "Wie lassen sich Interessenten anlocken und vernetzen?" und "Wie schafft man Vertrauen?" lauteten. Zusammengefasst wurde also auch an dieser Stelle für einen disziplinierten Umgang beim Thema Innovation geworben, und die Vorstellung der bekannten Konzepte diente wohl eher zur Festigung, denn zum Schaffen neuen Wissens.

Ein paar Zahlen zum Abschluss

Die Besucherzahlen der OOP blieben stabil und lagen mit etwa 1800 wie im Vorjahr, die Zahl der Aussteller in der angeschlossenen Fachmesse konnte hingegen – wahrscheinlich unter anderem durch die Einführung der kleineren Business Counter – einen leichten Anstieg verzeichnen.

Der Termin für die 23. Auflage der OOP steht übrigens bereits fest: Vom 20. bis 24. Januar 2014 wird in München erneut der Brückenschlag zwischen Entscheidern und Entwicklern geübt. Wieder im ICM ... wenn bis dahin nicht alle verhungert sind. (jul)