TeamConf 2010 im Zeichen des Launchs von Visual Studio 2010

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Auf der diesjährigen TeamConf präsentierte Microsoft die neue Version der Entwicklungsumgebung Visual Studio. Insbesondere zwei Themen spielten eine besondere Rolle: die neuen Testmöglichkeiten der IDE und die sich nun darstellenden Möglichkeiten agiler Softwareentwicklung.

Spätestens die dritte Auflage einer Konferenz dürfte Signalwirkung für die Branche haben, inwiefern sie eine Berechtigung unter der Vielzahl an Konferenzen hat, die es im Kontext von Softwareentwicklung gibt. Das gilt auch für die TeamConf, die Anfang Mai stattfand. Von Microsoft als Launchveranstaltung für das kürzlich erschienene Visual Studio 2010 auserkoren, zog es rund 350 Teilnehmer nach München-Dornach, wo die Konferenz gemeinsam mit einem Scrum Day und zwei Testing Days ausgerichtet wurde. Das waren anscheinend doppelt so viele Besucher wie im Vorjahr.

Scrum und Testing – das passt gut in das Konzept von Visual Studio 2010, da der als Kern-Repository integrierte Team Foundation Server (TFS) erstmals den Softwareentwicklungsprozess nach Scrum weitgehend unterstützt und die neuen Testmöglichkeiten der Entwicklungsumgebung nach Ansicht vieler als Glanzpunkt der aktuellen Version gelten dürfen. Als internationale Stargäste vor Ort waren stellvertretend für den Bereich der IDE Jason Zander, der neuerdings zum Corporate Vice President der Visual-Studio-Produkte aufgestiegen ist, und für Scrum Jeff Sutherland, der als einer der "Väter" der Methode gelten darf.

Visual Studio – jetzt auch für Tester und Architekten

Durch die neuen Testprodukte kann Microsoft dem Anspruch gerecht werden, den gesamten Applikationszyklus zu unterstützen und sämtliche Rollen in der Softwareentwicklung geeignet einzubinden. Der Konzern profitiert insbesondere durch die enge Verzahnung mit den anderen Microsoft-Produkten über die .NET-Technik. Die Bedeutung, die Microsoft dem Thema Testen zuspricht, drückt sich auch darin aus, dass die gleiche Anzahl an Softwareentwicklern und Testern an der Programmierung von Visual Studio 2010 beteiligt war.

Weiterhin dürfte erstmals die IDE den Ansprüchen von Softwarearchitekten gerecht werden, und das unabhängig davon, ob man mit einer Neuentwicklung startet oder in die Architektur einer Legacy-Anwendung Eingriff nehmen möchte. Gerade Letzteres ist nicht unwichtig, denn Code habe Zander zufolge über die Zeit hinweg das Potenzial, auseinander zu gehen. Frühere Versionen waren hier laut einem Vortrag zweier Experten der complement AG wenig nutzbar. Die High-Level-Variante Visual Studio Ultimate unterstützt jetzt beispielsweise fünf Diagrammtypen der UML (Activity, Use Case, Logical Class, Component und Sequence) plus das von Microsoft an die UML angelehnte Layer-Diagramm. Neu ist auch, dass sich die Diagramme in der Quellcodeverwaltung speichern und die Team-Builds auf die Einhaltung der Architekturvorgaben prüfen lassen. Ein Manko ist aber, dass die Architekturhighlights auf die Ultimate-Edition beschränkt sind, obgleich viele der Neuerungen auch für klassische Softwareentwickler von Interesse sein dürften. So gibt es beispielsweise von der Premium-Ausgabe aus nur lesenden Zugriff auf die Modelle.

Als Höhepunkte wertete Jason Zander die Unterstützung für die mit Windows 7 eingeführten Funktionen wie Multitouch, Ribbons und Jumplists sowie die Basis für .NET-Programmierer gelegt zu haben, mit Visual Studio übergreifend Programme für SharePoint Server 2010, Windows Azure und Windows Phone 7 entwickeln zu können. Neue Reporting-Möglichkeiten bieten des Weiteren mehr Transparenz für Geschäftsverantwortliche.

Die Komplexität der neuen IDE verdeutlichen die von Zander gebrachten Zahlen: Über 2000 Entwickler an fünf Standorten hatten von Juli 2007 an durchschnittlich 896 Builds pro Monat und insgesamt 828.978 Work Items im der Entwicklung zugrunde liegendem Team Foundation Server erstellt. Schließlich sind insgesamt 16 Terabyte Daten zusammengekommen.

Für diesen Sommer ist mit sogenannten Power Tools und Feature Packs zu rechnen, die sich Funktionen und Themen annehmen, die es nicht in die finale Version geschafft haben. Sie kümmern sich beispielsweise um die Visualisierung von nativem C++-Code und eine bessere UML-Unterstützung, oder es geht es die Codegenerierung von UML-Klassendiagrammen und XMI-2.1-Unterstützung. Ansonsten befindet sich Microsoft in einer frühen Phase der Evaluierung, wie das nächste Release aussehen könnte. Wann dieses erscheinen könnte, darüber hielt sich Zander bedeckt.