Teamcoaching in der Softwareentwicklung

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Softwareentwickler feilen für gewöhnlich jahrelang an ihrer Fachkompetenz. Stillstand ist da nicht erwünscht. Die Fachkompetenz ist aber nur die eine Seite der Medaille. Der anderen, der sozialen Kompetenz, wird oft weniger Bedeutung zugemessen, und das kann fatale Folgen haben.

Wenn Konflikte auf der Beziehungsebene auftreten, erscheinen sie oft als unüberwindbare Gegensätze, die das Team lähmen. Ursachen dafür können fehlendes Vertrauen, mangelnder Mut, Konflikte anzusprechen und auszutragen, oder keine Regeln für den Umgang der Teammitglieder untereinander sein.

Teamcoaching setzt hier an: In einem begleitenden Prozess arbeitet das Team an einem Katalog gemeinsam getragener Werte, identifiziert Stärken und Schwächen im Umgang miteinander und erarbeitet gemeinsam Wege, um noch besser zusammenzuarbeiten.

Werte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Welche Werte sind nun relevant für ein Team und bilden die Wurzeln für eine gedeihliche Zusammenarbeit? Eine solide Ausgangsbasis für diese Überlegung bilden die zwölf Prinzipien agiler Softwareentwicklung aus dem Manifest für agile Softwareentwicklung. Die Autoren Röpstorff und Wiechmann haben sich darauf aufbauend in ihrem Buch "Scrum in der Praxis" mit den Werten beschäftigt, die für Wissensarbeiter essenziell sind. Dabei haben sie die in Abbildung 1 dargestellten acht Werte ermittelt.

Wichtige Werte für die Arbeit in der Softwareentwicklung (Abb. 1)

Sie werden im Folgenden kurz umrissen, um einem klassischen Konfliktpotenzial in Teams vorzubeugen – dem Missverständnis:

  1. Im Team ist es wichtig, den Fokus auf das Wesentliche zu richten und Störungen von den Entwicklern fernzuhalten. Das ermöglicht ein konzentriertes und effektives Arbeiten im Projekt. Für Inputs von außen werden fixe Zeitfenster geschaffen, die den Austausch ermöglichen.
  2. Offenheit ist ein essenzielles Element, um Vertrauen aufzubauen. Muss man keine Angst haben, an den Pranger gestellt zu werden, falls man eigene Fehler eingesteht oder Kritik äußert, ist es möglich, tief in ein Thema vorzudringen und Neues zu schaffen.
  3. Wertschätzung ist die wichtigste Form der Anerkennung. Menschen streben nach Erfolg und Bestätigung. In einem Team, dessen Mitglieder sich wertschätzen und untereinander respektieren, steigt auch der Mut.
  4. Diesen braucht man, um Unannehmlichkeiten offen anzusprechen. Auch der Mut zu einem Nein ist wichtig, wenn innerhalb oder außerhalb des Teams Dinge verlangt werden, die nicht umsetzbar erscheinen. Andererseits würden aber auch neue Wege nicht gegangen, wenn nicht die Mutigen voranschritten.
  5. Nun zur Einfachheit. Oft neigen Projektmitglieder dazu, eine Entwicklung unnötig zu verkomplizieren, beispielsweise um eine möglichst generische Verwendbarkeit sicherzustellen. Dabei vergessen sie, dass Projekte an und für sich schon komplex genug sind und es eine viel größere Kunst ist, die einfachste Lösung für ein Problem zu finden.
  6. Kommunikation ist das A und O in einer gelungenen Teamarbeit. Hierarchische Schranken sollen abgebaut werden, um die Kommunikation in alle Richtungen zu öffnen. Es bedarf Regeln und Kreativität, um die Kommunikation zu fördern beziehungsweise wieder in Fluss zu bringen.
  7. Gutes Feedback zu geben, das der oder die Gegenüber gerne annimmt und gleichzeitig Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bietet, ist eine Wohltat. Zugleich ist es aber auch eine Kunst, die hohe Anforderungen sowohl an den Geber als auch an den Nehmer stellt: Feedback soll klar geäußert werden, darf aber nicht persönlich verletzen. Beim Nehmer braucht es die Offenheit, Feedback zuzulassen und anzunehmen.
  8. Zu guter Letzt der Wert Commitment. Darunter verstehen die Autoren ein Team, das zueinander steht und sich gegenseitig den Rücken stärkt; aber auch ein Team, das seine Ziele über die individuellen Ziele der einzelnen Mitglieder stellt. Zu den Fehlern steht das gesamte Team. Es geht um die Lösung und nicht darum, wer den Fehler begangen hat.

Ein Klima für Höchstleistungen

Diese acht Werte greifen ineinander und tragen zusammen dazu bei, aus einer Gruppe von nebeneinander arbeitenden Menschen ein Team aufzubauen, das die Kompetenzen und Stärken der Einzelnen miteinander zu kombinieren und einzusetzen weiß. In einem solchen Team entsteht das Fundament von Vertrauen. In einem von Vertrauen geprägten Klima steigt die Bereitschaft, Konflikte im Team anzusprechen und auf konstruktive Weise auszutragen. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die einzelnen Teammitglieder die Ziele und getroffenen Vereinbarungen des Teams mittragen, was wiederum dazu führt, dass seine Mitglieder Verantwortung für die gemeinsamen Ziele übernehmen und diese Verantwortung bei Bedarf auch von ihren Kollegen einfordern (auch wenn das manchmal unangenehm sein kann).

Schließlich führt das so erzeugte Klima dazu, dass die Mitglieder die Ziele des Teams über die individuellen Ziele stellen: Alle ziehen an einem Strang und sorgen für Resultate. (Anmerkung: Für eine äußerst lesenswerte Darstellung dazu, wie eine Gruppe agiert, in der dieses Klima nicht entstehen kann, siehe Patrick Lencionis Fabel "The Five Dysfunctions of a Team" [2].)