TechEd 2007: Ein Fazit der ersten Woche für Entwickler

Der Dotnet-Doktor  –  0 Kommentare

Insgesamt hat sich für mich der Besuch der TechEd wieder sehr gelohnt. Gerade in meinen aktuellen Arbeitsschwerpunkten ASP.NET, verteilte Systeme/WCF und Datenzugriff/ORM konnte ich eine Menge Informationen mitnehmen.

Negativ überrascht war ich genau so wie einige Kollegen davon, dass viele Vortragsbeschreibungen nicht zu dem tatsächlichen Inhalt passten. Wenn ein Vortrag angekündigt ist zum Thema "WCF in Visual Studio 2008" mit einem  Beschreibungstext, in dem es um "Neuerungen" geht, dann erwartet man nicht, dass der Redner den Großteil des Vortrags damit verbringt, die Grundlagen von WCF zu erklären. Enttäuschung zeigte sich auch darüber, wie fern einige technische Programm Manager (nicht zu verwechseln mit den Marketing-lastigen Product Managern) von den Details ihrer Produkte sind. "Ich weiß nicht mehr, ob wir das implementiert haben oder nicht", war oft zu hören. Natürlich gab es auch sehr kompetente Programm Manager, die aus dem Nähkästchen plauderten und mehr erzählten als üblicherweise in der Dokumentation steht.

Von der inhaltlichen Seite möchte ich noch mal einige Punkte zusammenfassen und dabei auf vorherige Blogeinträge bzw. Einträge in meinem .NET-Lexikon verweisen:

  • Es gab in der TechEd-Keynote nur sehr wenige Neuankündigung. Einziges größeres Produkt war das Microsoft Sync Framework. Ich denke, für viele .NET-Entwickler war es gut, dass es nicht schon wieder eine Flut von neuen Produkten gab.
  • In den Sessions gab es dann noch die erstmalige Vorstellung des MVC-Pattern für ASP.NET sowie der PowerShell 2.0. Die geplante Implementierung des MVC-Pattern war dabei für mich (und wie ich gestern noch mal in einer Diskussion feststellte, auch viele andere Entwickler) eine große Enttäuschung.
  • Die von Microsoft im Jahr 2006 als zukünftiger Teil von ASP.NET AJAX vorgestellten Konzepte zur clientseitigen Datenbindung und XML-Script verschwinden erstmal wieder in der Schublade.
  • Von "Microsoft Oslo", dem neuen SOA-basierten Application Server für .NET wurde wenig gesprochen. Steve Swartz und Clemens Vasters, die im letzten Jahr ihre Visionen über mehrere Vorträge ausführlich präsentiert hatten, haben nun hinsichtlich der tatsächlich geplanten Funktionen erstmal einen Maulkorb bekommen. Hier ist aber zu erwarten, das es im Herbst 2008 eine PDC in den USA geben wird, in deren Zentrum neben Windows 7 und Office 14 auch Oslo stehen wird.
  • .NET 3.5 soll Ende November fertig sein.
  • Mitte 2008 soll ein Service Pack 1 für das .NET Framework 3.5 erscheinen, das eigentlich ein "Feature Pack" ist und zumindest den Namen .NET Framework 3.6 verdient hätte.
  • Microsoft wird tatsächlich das ADO.NET Entity Framework (EF) als hauseigene ORM-Konkurrenz zu LINQ-to-SQL veröffentlichen. Die Abgrenzung, dass LINQ-to-SQL nur für "einfachere Szenarien" und das EF für komplexere Szenarien gedacht sei, befriedigt mich nicht, denn was passiert, wenn ein Entwickler feststellt, dass sein Szenario nicht einfach genug war für LINQ-to-SQL? Ein "Upgrade" bedeutet, nicht unwesentliche Teile neu zu modellieren und zu kodieren.
  • Stark beworben auf der TechEd hat Microsoft die Software Licensing and Protection Services (SLPS) für Code-Schutz und Produktaktivierung auf Basis einer hersteller- bzw. produktspezifischen Secure Virtual Machine (SVM).

Nächste Woche findet in Barcelona die zweite TechEd-Woche ("IT Forum") für Infrastrukturexperten und Administration (die sogenannten "IT Professionals" – ich mag diesen Begriff nicht, denn auch Softwareentwickler sind doch "Professionelle"!) statt. Im Gegensatz zum letzten Jahr werde ich dann schon wieder im Büro sitzen, denn es stehen einige Implementierungsarbeiten an einem laufenden Windows-Forms-Projekt und ein Beratungstermin zur Optimierung einer ASP.NET-Webanwendung an. Sofern ich etwas Zeit findet, werde ich hier jedoch nächste Woche eine Zusammenfassung der Keynote des IT Forums hinterlegen.