TechEd 2007 Keynote: Microsoft steigt etwas auf die Beta-Bremse

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Das war die am wenigsten aufregende TechEd-Keynote der letzten Jahre – zumindest aus inhaltlichen Gesichtspunkten. Für etwas Farbe (und Gestank) sorgen nur zwei Sprayer auf der Bühne. Es gab weder das Erscheinen eines Produkts zu verkünden (wie im letzten Jahr Vista, .NET 3.0 und Windows PowerShell) noch die Neuankündigung eines wesentlichen Produkts oder der nächsten Vorab-Version eines wesentlichen Produkts.

Hat einigen Teilnehmern mächtig gestunken: Der Sprayer kreiert ein "Microsoft"-Bild

Die Ankündigungen von Keynote-Sprecher S. Somasegar (genannt "Soma", Corporate Vice President der Developer Devision bei Microsoft) waren:

  • .NET Framework 3.5 und Visual Studio 2008 erscheinen Ende November 2007 mit dem bereits seit Frühjahr bekannten Funktionsumfang. Einen öffentlichen Release Candidate scheint es nicht mehr zu geben.
  • Microsofts Partnerunternehmen (Visual Studio Industry Partner - VSIP) können zukünftig den Quellcode von Visual Studio lizensieren, um Erweiterungen für Visual Studio einfacher erstellen zu können.
  • Microsoft ändern die Lizenzbedingungen für VSIP so, dass man mit Visual Studio-Erweiterungen auch für andere Plattformen (man denke an ein Add-In, das wahlweise .NET- oder Java-Bytecode erzeugt) schreiben darf.
  • Popfly Explorer, ein Visual Studio-Add-In für das Microsoft Popfly (eine webbasierte Anwendung zur Erstellung von Meshups).
  • Microsoft Sync Framework (erste CTP-Version): eine Bibliothek zur Synchronisierung von Daten – sowohl zwischen einem Server und einem Client, der zeitweise offline ist, als auch zwischen zwei gleichberechtigten Systemen (Peer-To-Peer). Das Sync Framework kann als eine Weiterentwicklung der in .NET 3.5 enthaltenen ADO.NET Synchronisation Services verstanden werden.
  • Das Webportal von MSDN soll interaktiver werden (durch Wikis und eine Code-Bibliothek, zu denen jedermann beitragen kann).
  • Microsoft will zukünftig ergänzende Empfehlungen und zugehörige Werkzeuge in Form sogenannter Blueprints veröffentlichen. Unklar blieb dabei, wie sich dies von den bisherigen derartigen Aktivitäten ("Pattern&Practices", "Application Blocks" sowie "Software Factories") unterscheiden soll.
  • Microsoft wird den Quellcode einer Visual-Studio-Variante zur Anpassung des Computerspiels "World of Warcraft" (in der Sprache LUA) veröffentlichen (um damit die Öffnung von Visual Studio für andere Anwendungsfälle in Form der sogenannten [Visual%20Studio%20Shell Visual Studio Shell ]zu demonstrieren).

Die Beispiele in den Vorführungen ("Demos") waren auch alle schon mal auf anderen Konferenzen zu sehen: Multitargeting in Visual Studio 2008, ASP.NET AJAX, LINQ, Silverlight, JavaScript IntelliSence und Debugging in Visual Studio 2008, Workflow in SharePoint, Office Custom Panes, die Integration von WPF und Windows Forms, Expression Blend, Popfly sowie die Visual Studio Shell.

Darüber hinaus hat S. Somasegar noch einige Erfolgszahlen verkündet, die sich natürlich nicht überprüfen lassen:

  • Die Profi-Versionen von Visual Studio werden von weltweit einer Millionen Entwicklern verwendet.
  • Die kostenlosen Express-Versionen wurde 17 Millionen mal heruntergeladen
  • 25% der Visual Studio-Entwickler nutzen eine der Team-Edition
  • 80% aller Fragen auf MSDN Forums werden beantwortet.
  • Microsoft hat intern Visual Studio Team System verwendet, um Visual Studio 2008 zu programmieren.

".NET 4.0" stand nur unerklärt als Name auf einer Folie, die zukünftige Produkte zeigte. Zur kommenden Visual Studio Team System-Version "Rosario" hat er nur ein paar unkonkrete Worte verloren. Das einzige Feature von .NET 4.0, das hier angekündigt wurde, war also wohl das Microsoft Sync Framework.

"Soma" vor der "Technology Roadmap"

Fazit: Es gab keine großen neuen Produktankündigungen und das ist auch gut so, denn dies bedeutet, dass eine erste Vorab-Version von .NET 4.0 also erst später im Jahr 2008 (vielleicht zu einer PDC im September?) kommt. Microsoft bremst also die in letzter Zeit zur bedrohlichen Flut angewachsene Menge von Beta-Versionen zumindest ein wenig. .NET-Entwickler erhalten damit zumindest einige Monate, sich intensiv mit dem .NET Framework 3.5 zu beschäftigen und werden nicht schon wieder von der nächsten Framework-Beta-Version getrieben.