Telcos als Staatsschuldenfresser, oder: Warum Telekom Austria an Slim geht

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Das Debakel in Bezug auf die Übernahme der Telekom Austria durch den mexikanischen Investor Carlos Slim wirkt auf Außenstehende wie ein klassisches Austriacum – die Schluchtensch###er können es eben nicht besser.

In der Aufregung geht ein wichtiges Faktum unter: Das Unternehmen hat vor wenigen Monaten Unsummen in eine Frequenzauktion investiert. Das dadurch ausgehobene Geld ging direkt in die Staatskasse und half so bei der Sanierung des Budgets.

Telekommunikationsanbieter gelten seit jeher als preiswerte Möglichkeit zur raschen Schönung der Staatsfinanzen. Aufgrund des Konkurrenzdrucks widersetzen sich nur die wenigsten Telcos einer Frequenzauktion, was den Regierenden eine schnelle Möglichkeit zur Generierung zusätzlicher Einnahmen erschließt. Die dadurch erreichbaren Effekte sind erklecklich. Manche Ökonomen führen die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland unter anderem auf die "angenehm positionierte" Frequenzauktion zurück, die das Budget Maastricht-reif machte.

Kosten und Nutzen

Aus Sicht der Regierenden ist die Erhebung einer "Frequenzsteuer" ein willkommenes Mittel, da es den Wählern – anders als neue Steuern – nicht sofort auffällt. Die langfristigen Effekte sind jedoch alles andere als vernachlässigbar.

Jeder einzelne Bürger zahlt die Zeche in Form von immer höheren Grund- und Nutzungsentgelten. Das dicke Ende kommt dann, wenn der staatliche Telekommunikationsanbieter so verschuldet ist, dass keine weiteren Kapitalentnahmen mehr möglich sind: in diesem Fall wird Volksvermögen billigst an Dritte verschleudert.

PS: Die Telekom Austria ist bzw. war – trotz aller Verballhornung – ein grundsolider ISP, der seine zugegebenermaßen hohen Preise fast immer durch enorme Zuverlässigkeit rechtfertigen konnte ...