Unterwegs auf den DevOpsDays Berlin 2014

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Chatbots, Kulturwandel und der Weg zu DevOps in Unternehmen waren die großen Themen der 2. Berliner DevOps Days im Oktober.

Rund 250 Besucher konnte die zweite Auflage der Berliner DevOpsDays am 23. und 24. Oktober in die Landeshauptstadt locken und bescherte den Veranstaltern so eine ausverkaufte Konferenz. Das Konzept der Veranstaltung, am Vormittag Vorträge in einem Track und am Nachmittag Open-Space-Diskussionen, gab genügend Raum für individuellen Austausch.

Wozu DevOps gut ist, fragte sich vermutlich keiner der Besucher – trotzdem waren Vorträge über den Weg zum "Ziel DevOps" und die vielen Facetten der Strömung Schwerpunkt des Programms. Die Einführung übernahm Dawn Foster, Director of Community bei Puppet Labs. Am Beispiel von Science-Fiction-Büchern und -Filmen stellte sie die Grundlagen mit CAMS – Culture, Automation, Measurement und Sharing – insofern zielgruppengerecht vor, als dass sich viele der Teilnehmer in diesen Genres zu Hause fühlten. Dass das DevOps-Konzept mittlerweile auch im Enterprise-Umfeld fest verankert ist, machten die darauf folgenden Vorträge von SAP und Microsoft deutlich.

Rafael Kolless, SAP-HANA-Entwickler für Build und Test Infrastructure, stellte den Entwicklungsprozess und die dazugehörige Automatisierung für die HANA-Datenbank vor. Ziele bei der Umsetzung waren ein Deployment ohne Downtime und die Möglichkeit, für Entwickler schnell und einfach Entwicklungsumgebungen bereitzustellen. Dabei setze SAP das Blue-Green Deployment von Martin Fowler um, bei dem man mit zwei möglichst ähnlichen Produktionsumgebungen arbeitet, zwischen denen sich bei Neuerungen oder Änderungen schnell umschalten lässt.

Damien Caro, Technical Evangelist Manager von Microsoft, verglich zwischen zwei seiner Beratungsprojekte: Ein Autohersteller mit externer Entwicklung und externem Betrieb sowie ein Medienhaus mit interner Entwicklung und internem Betrieb. Als Werkzeug kam Chef zur Automatisierung von Linux und Windows zum Einsatz. Die größte Herausforderung bestand jedoch darin, Systemadministratoren dazu zu motivieren, Entwicklungs-Know-how aufzubauen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass DevOps-Ansätze in großen Unternehmen eher auf der Managementebene geschätzt würden, so Caro, und sich dann nach unten durchsetzen müssten. Größter Hebel in derartigen Fällen wären gemeinsame Geschäftsziele für Entwicklung und Betrieb. Microsoft half in den Projekten mit Chef-Workshops und Hands-on-Training.

Der zweite Tag fing mit einem echten Highlight an: Alex Schwartz, Agile Coach bei Nokia (HERE), klärte in "DevOps Means Effectiveness First" über den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz auf. Effektivität wäre "das richtige Ding machen", während Effizienz "das Ding richtig machen" sei. Der kleine, aber entscheidende Unterschied offenbart sich im Kontext von DevOps umso stärker. An konkreten Beispielen wie der Beschaffung von Developer Notebooks, dem Betrieb von Servern und der Struktur einer schwedischen Bank vermittelte Alex, warum es sich lohne, zuerst auf Effektivität zu optimieren.

Felix Hupfeld von Quobyte ging in "Decouple if you can't automate" auf einen anderen wichtigen Aspekt ein: Seine Zeit in Googles Storage-Team lehrte ihn vor allem, wie wichtig es sei, Systeme voneinander abzukoppeln. Durch die Trennung von Ursache und Wirkung ließen sich viele Probleme in komplexen Systemen vermeiden. Gerade beim Monitoring sei es wichtig, den Effekt zu überwachen und nicht die Ursache, da unterschiedliche Ursachen zum gleichen Effekt führen könnten. Eine Vertiefung findet sich n "Philosophy on Alerting" von Rob Ewaschuk, einem anderen Google Engineer.

Die Infrastruktur spielt beim Entkoppeln von Systemen eine entscheidende Rolle: Daten müssen repliziert werden, Rechenknoten müssen ohne lokale Daten funktionieren und sich im Fehlerfall schnell an anderer Stelle neu starten lassen. Netzwerk und Storage muss man zudem per Software konfigurieren können. Cloud-Anbieter böten beispielsweise die idealen Voraussetzungen, um Anwendungen voneinander zu entkoppeln. Schließlich gelte das Prinzip Entkopplung auch bei der Kommunikation – im Regelfall böte es sich an, auf synchrone Kommunikation zu verzichten und lieber auf asynchrone Medien wie Chat und E-Mail zu setzen.

In den Vorträgen und Open-Space-Sessions zu Tools waren passenderweise ChatOps das zentrale Thema. Dabei geht es darum, wie mit Chatsystemen wie IRC die Anforderer von Aufgaben in die Lage versetzt werden, diese selber zu lösen. Die Grundidee von ChatOps ist ein Chat-Roboter, der im Chatraum mithört, auf Befehle achtet und sie als Aktionen ausführt. Eric Sigler von PagerDuty und James Fryman von GitHub zeigten live, wie man DevOps-Denke mit Chat-Robotern wie Hubot oder Lita einführt.

DevOps ist eine Frage der Kultur und hat wenig mit Zertifikaten zu tun.

Das Thema kam auch am zweiten Tag auf, als James Fryman in seinem Vortrag über "People and Processes" sprach und den Zuhörern ans Herz legte, dass DevOps ein "Business-Problem" sei und kein technisches. Die Aufgabe von Dev und von Ops bestünde darin, den Anwendern, die die Arbeit machen müssen, die richtigen Werkzeuge zu geben, damit sie ihre Arbeit effektiv erledigen könnten. Er brachte ChatOps als konkretes Beispiel dafür, wie man die UNIX-Denkweise abseits der Technik nutzen könnte, um über Chat-Roboter nichttechnischen Benutzern Hilfestellungen zu geben. Letztlich empfahl er, die bewährten Ops-Werkzeuge wie Monitoring und Dashboards allen im Unternehmen verfügbar zu machen, um darüber außerhalb der IT eine agilere Denkweise zu unterstützen.

Auch das derzeitige Modethema Docker durfte auf den DevOpsDays nicht fehlen. Simon Eskildsen, Teamleiter Infrastructure bei Shopify, berichtete von der Migration der Shopify-Plattform zu Docker-Containern und den Hürden auf dem Weg zu einer produktiven Plattform. Dabei wurde das gesamte Betriebskonzept einmal auf den Kopf gestellt. Mit Docker wird jede Änderung in einem neuen Image ausgeliefert, der Operations-Bereich fokussiert sich auf den Betrieb der Container. Für alle beteiligten Entwickler und Admins ist es jedoch sehr wichtig, sich auf die Details der Docker-Container einzulassen und viel über die neuen Techniken wie die unter Linux genutzten Namespaces und cgroups zu lernen. Service Discovery und Registry erhalten eine viel wichtigere Bedeutung, da sich darüber die unterschiedlichen Instanzen verbinden lassen.

Wie die vielen Vorträge auch zeigten, ist und bleibt DevOps ganz klar eine Kulturfrage. Dem grassierenden Unsinn zu DevOps-Zertifizierungen widersetzte sich die Konferenz mit einem "Certified DevOps"-Stempel, mit dem sich jeder Teilnehmer selbst ein "Zertifikat" ausstellen konnte. Wer also für seine DevOps-Zertifizierung Geld sparen möchte, sollte einfach eine der überall stattfindenden DevOpsDays-Konferenzen besuchen – oder bis zur Veranstaltung im nächstes Jahr in Berlin warten. (jul)

Schlomo Schapiro
ist Systemarchitekt und Open-Source-Evangelist bei ImmobilienScout24 in Berlin und Autor diverser Open-Source-Projekte. Schwerpunkte seiner Arbeit sind derzeit Automatisierung sowie paketbasiertes Deployment und Configuration Management.