Usability von Produkten und Anleitungen im digitalen Zeitalter

Die Digitalisierung wirkt sich nicht nur auf Produkte, sondern auch auf Anleitungen aus. Was Entwickler und IT-Spezialisten beachten müssen, beschreibt Gertrud Grünwied in einem neuen Handbuch.

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Usability von Produkten und Anleitungen im digitalen Zeitalter
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Gertrud Grünwied
Usability von Produkten und Anleitungen im digitalen Zeitalter
Handbuch für Entwickler, IT-Spezialisten und Technische Redakteure

Publicis Publishing, Erlangen, 2017
250 Seiten, € 39,90
ISBN 978-3-89578-464-4

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Im Rahmen der allgegenwärtigen Digitalisierung haben sich nicht nur die Produkte gewandelt, sondern auch die Erwartungshaltung ihrer Nutzer, was Anleitungen und Dokumentationen angeht. Besonders jüngere Anwender sind nicht mehr gewillt, sich durch dicke Handbücher zu arbeiten, und sowieso eignen sich alternative Vermittlungswege wie Videos oder Dokumentations-Apps zur Erklärung komplexer Sachverhalte häufig besser. Um die Nutzerfreundlichkeit von Softwareprodukten und den damit verbundenen Informationsmaterialien zu verbessern, bietet es sich daher an, die Anwender ins Zentrum der Bemühungen zu stellen und technische Redakteure in die Entwicklung digitaler Produkte zu integrieren. So steht jederzeit fachkundige Hilfe für Beschriftungen, Fehlermeldungen und ähnliches zur Verfügung, und auch die Dokumentation profitiert durch die intensivere Zusammenarbeit.

(Bild: Publicis Publishing)

In "Usability von Produkten und Anleitungen im digitalen Zeitalter" versucht Gertrud Grünwied einen solchen ganzheitlichen Ansatz zu vermitteln und die Produkt- und Informationsentwicklung zu vereinen. Im Zentrum des Buches stehen cyber-physikalische Systeme sowie Produkte des Internet der Dinge und Dienste, die nach sogenannten smarten Nutzerinformationen verlangen. Mit diesem Begriff wird ein neues Dokumentationskonzept beschrieben, das den Schwerpunkt auf Nutzer, ihre Aufgaben und ihr Vorwissen legt. Um ihm gerecht werden zu können, ist es notwendig, den Entwicklungsprozess des Produkts und der Hilfsmaterialien durchgängig mit Usability-Methoden zu begleiten. Das dafür nötige Grundwissen vermittelt Grünwied nach einer Einführung in die neue Produkt- und Anleitungsgeneration sowie einem intensiven Blick auf unterschiedliche Facetten der Usability, inklusive zugehöriger Normen und praktischer Beispiele bekannter Unternehmen wie SAP und Apple.

Um Lesern das Umsetzen der benutzerorientierten Prozessmodelle zu erleichtern, gibt sie Hinweise zur Integration der Informationsentwicklung in bestehende Entwicklungsprozesse, wobei sequentielle und agile Methoden Berücksichtigung finden. Die anschließend erläuterten Usability-Methoden ordnet Grünwied den Phasen Nutzer- und Nutzungsforschung, Gestaltung und Evaluation sowie den Testobjekten "Produkt", "Anleitung" und "Produkt & Anleitung" zu, was dem Ganzen Struktur gibt.

Nachdem die methodischen Grundlagen umfassend abgearbeitet sind, folgt ein Referenzbeispiel zur Demonstration der Durchgängigkeit des am Benutzer orientierten Designs. Sehr gut gelungen sind hier die unterschiedlichen Methodenzusammenstellungen für die drei häufigsten Anwendungsfälle interaktiver Systeme: der Einführung eines neuen Produkts in einem Wettbewerbsmarkt, der Entwicklung eines neuartigen Produkts und dem Relaunch. Hervorzuheben ist darüber hinaus die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Usability-Maßnahmen, da sie dabei helfen kann, Argumente zum Durchsetzen der doch häufig als für nicht ausreichend gewinnbringend befundenen Schritte zu sammeln.

Abschließend greift Grünwied Digitalisierungstrends wie Dokuanwendungen, Visualisierungen und das Internet der Dienste anhand von Fallstudien auf, die unter anderem in Zusammenarbeit mit der BMW Group und Zeiss Microscopy entstanden sind. Generell weist das Buch durchgehend viele praxisbezogene Beispiele auf, die helfen, dem Gelesenen schnell Kontext zu geben und es zu verinnerlichen. Weitere Gedächtnisstützen sind mit den Checklists genannten Kurzzusammenfassungen im Buch verstreut, die es vor allem leichter durchsuchbar machen.

Für Entwickler, die interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht scheuen und die Wichtigkeit ihrer Nutzer richtig einzuschätzen wissen, sowie technische Redakteure, die sich mit dem mit der Digitalisierung einhergehenden Perspektivenwechsel beschäftigen müssen, ist "Usability von Produkten und Anleitungen im digitalen Zeitalter" allemal einen Blick wert. Zwar werden Dokumentationsexperten eventuell einige der methodenorientierten Abschnitte überspringen können, aber auch sie dürften etwa aus den Beispielen zur Konzeption von Videomaterialien oder den Ansätzen zur Zusammenarbeit mit der Entwicklungsabteilung etwas für ihre Arbeit mitnehmen können. (jul)

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