Vier Grundsätze der Kapazitätsplanung

Vierter Grundsatz

Vierter Grundsatz: Eine kontinuierliche Planungskadenz aufbauen

Es ist wichtig, mit einer kontinuierlichen Planungskadenz zu arbeiten, um eine bessere Anpassung an die sich ändernde geschäftliche Nachfrage zu ermöglichen. Die Einführung einer kontinuierlichen Planungskadenz verbessert den Geschäftserfolg, da sich die Ziele eher durch lenkendes Eingreifen als durch Befolgen eines vorbestimmten Plans erreichen lassen. Pläne werden im Laufe der Zeit unsicherer; das gilt vor allem in der komplexen und schnelllebigen Welt der Softwareentwicklung. Viele Unternehmen verfolgen einen vorgegebenen Plan und verlieren viel Zeit und Mühe damit, die Abweichung vom Jahresplan zu dokumentieren. Dabei wäre ihnen besser damit gedient, der schwankenden Marktsituation Rechnung zu tragen und entsprechend einzugreifen. Auf diese Weise können sie lernen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Kontinuierliche Planung nutzt die natürlichen Rhythmen

Inkrementelle und iterative Planungs-/Entwicklungszyklen sind ein Hauptmerkmal der agilen Entwicklung. Durch die Einführung einer kontinuierlichen Planungskadenz können Unternehmen die natürlichen Rhythmen ihrer Kalender nutzen und wirksam reagieren. Die meisten Unternehmen erstellen monatliche und vierteljährliche Abschlüsse; die meisten planen ein jährliches Budget für das kommende Jahr. Viele Abteilungen und Arbeitsgruppen haben regelmäßige Statustreffen, manche sogar täglich. Eine kontinuierliche Kadenz ändert die Art der Planung und Budgetierung einer Reihe von Aktivitäten, an deren Ende ein feststehender Plan steht, zu einer wiederkehrenden und anhaltenden Tätigkeit. Dieses Prinzip verbessert die Kapazitätsplanung kurz- und langfristig: Wenn vorhandene Liefergruppen und Teams kontinuierlich planen, priorisieren sie die Kapazität für diejenigen Aktivitäten optimal, die in naher Zukunft am wichtigsten sind. Langfristig entstehen Pläne, die Fähigkeiten und Kapazitäten an die zukünftige Nachfrage anpassen und dadurch Wachstumsstrategien unterstützen.

Traditionelle Jahresplanung kann ein Haupthindernis auf dem Weg zu besseren Ergebnissen sein, wenn Ressourcen vorwiegend für bestimmte Projekte oder Programme reserviert sind. Prognosen für die nächsten zwölf Monate sind ein weiteres Ziel der jährlichen Planung. Leider leuchtet die traditionelle Planung und Budgetierung einmal im Jahr die zukünftige Situation nicht so klar aus wie eine kontinuierliche Planung. Zu Beginn des Jahres gibt die Prognose den Blick auf die nächsten zwölf Monate frei; aber wenn das Jahr fortschreitet, wird die sichtbare Zeitspanne immer kürzer. Ein kontinuierlicher Planungsansatz kann jedoch immer mindestens zwölf Monate ausleuchten.

Kontinuierliche Planungszyklen

Anstelle jährlicher oder vierteljährlicher Planungszyklen mit einem feststehenden Plan ist es effektiver, Planungszyklen mit einem beweglichen Zeithorizont für den gewünschten Zeithorizont einzusetzen. Hier nun ein paar Beispiele für Planungszyklen und typische Zeitspannen:

  • Strategische Vision: 3-5+ Jahre
  • Langfristige geschäftliche Verpflichtungen: 1-3+ Jahre
  • Prognose und Budget: 12-18 Monate
  • Priorisierung: 3-6 Monate
  • Wertschöpfung: < 3 Monate

Planungszyklen enthalten verschiedene Entscheidungsebenen. Es ist wichtig, den Zweck der Planung in jeder Zeitspanne zu klären. Einer der Hauptzwecke von Prognose und Budgetierung besteht in strategischen Investitionsentscheidungen. Der Planungszyklus zur Priorisierung ist taktischer Natur, da sein Zweck darin besteht, verfügbare Ressourcen zu nutzen, um Quartalsziele zu erreichen, die dem Gesamtziel dienen.

Bei einer kontinuierlichen Planungskadenz laufen die Planungszyklen gleichzeitig. An die Stelle eines Jahresbudgets tritt eine kontinuierliche Prognose- und Budgetierungskadenz, die quartalsweise aktualisiert wird, um immer zwölf Monate voraussehen zu können. Es ist auch möglich, eine kontinuierliche Kadenz für die vierteljährliche Priorisierung zu erarbeiten, mit detaillierteren Feature-Anforderungen für Liefergruppen und -teams, die sich dann umsetzen lassen, wenn die Teams bereit sind.

Planungszyklen mit längeren oder kürzeren Zeiträumen erfordern unterschiedliche Detailtiefen. Der "ungefähr richtige" Schwellenwert für das Festlegen von Einzelheiten ändert sich von einer Ebene der
Entscheidungsfindung zur nächsten. Es ist viel mehr über das nächste Quartal als über das nächste Jahr bekannt, also macht es Sinn, mehr taktische Details für die Priorisierung im nächsten Quartal zu integrieren, als zu versuchen, dieselbe Detailebene in einem Jahresplan zu erreichen.