Von Oslo nach Dublin

Der Dotnet-Doktor  –  0 Kommentare

Europäische Hauptstädte sind derzeit beliebte Codenamen bei Microsoft. Dabei wirft gerade die Abgrenzung zwischen der norwegischen und der irischen Hauptstadt Fragen auf.

Dass hier eine Erklärung erforderlich ist, merkt man spätestens dann, wenn man sich die erste Vorabversion von Dublin genauer ansieht, die Microsoft als VirtualPC-Image auf der PDC 2008 verteilt hat. Dann findet man nämlich unter c:\program files\microsoft process server eine Datei setup.exe, die sich meldet mit "Welcome to the Microsoft Process Server Installation – Code Name: Oslo".

Sind also Oslo und Dublin das gleiche? Nein, Dublin war aber einstmals ein Teil von Oslo (nicht geografisch, sondern technisch bei Microsoft!).

Oslo war laut den ersten Ankündigungen auf der Microsoft SOA Conference Oktober 2008 und der TechEd Europe November 2007 eine umfassendes "SOA (Service Oriented Architecture)"-Produkt, das Modellierung von Diensten, Entwicklung von Diensten, Bereitstellung von Diensten und Überwachung von Diensten umfasst. Auf der PDC 2008 präsentierte Microsoft sein Oslo dann aber als reine Modellierungsplattform, im Zentrum die Modellierungssprache "M".

Dublin wurde schon kurz vor der PDC 2008 als Codename für den "Windows Application Server" veröffentlicht. Dublin dient der Bereitstellung (dem "Hosting") von Diensten auf Basis der Windows Communication Foundation (WCF) und Workflows auf Basis der Windows Workflow Foundation (WF). Dublin schließt damit eine wesentliche Lücke im Gesamtkonzept von .NET, in dem es bisher keinen eigenen Anwendungsserver gab.

Dublin ist also der Teil von Oslo, der zuvor als "Bereitstellung von Diensten" bezeichnet wurde. Zumindest ein Teil davon, denn neben der Möglichkeit zum Selbstbetreiben von Diensten auf Basis von Windows Server will Microsoft mit Windows Azure die Möglichkeit eröffnen, Dienste auf Server von Microsoft zu betreiben. Dass in der Installationsroutine von Dublin noch "Oslo" steht, ist ein Überbleibsel aus dem Ursprungskonzept. Ebenso die dortige Bezeichnung "Microsoft Process Server", die man auch noch in dem .NET-Namensraum (Microsoft.ProcessServer) findet, in dem die Klassen von Dublin implementiert sind.

Dublin habe ich bereits ausführlich getestet und auch wenn dort immer noch einige Wünsche offen bleiben, kann man in Dublin zum jetzigen Zeitpunkt viel mehr die Grundzüge eines brauchbaren Produkts erkennen als in Oslo und "M". Ich denke daher, es war eine gute Entscheidung, Dublin als eigenes Projekt aus Oslo zu extrahieren.

Dublin soll übrigens nicht Teil des .NET Frameworks werden, sondern ein Teil von Windows Server. In der auf der PDC verteilten Version ist "Windows Application Server" zu lesen. Aber es gibt schon Gerüchte, dass auch dies nicht der endgültige Name sein soll, zumal die Abkürzung "WAS" von Microsoft ja schon für den "Windows Process Activation Service" (ursprünglich "Windows Activation Service") ab Windows Vista verwendet.

Mal sehen, ob Microsoft noch eine bisher unverbrauchte Kombination der Worte Windows, Process, Application, Activation, Server und Service findet oder die Redmonder Marketingmaschinerie es mal mit anderen Wörter versucht...

Als Hintergrundlektüre möchte ich noch verweisen auf meinen Beitrag: "Die bewegte Geschichte des Application Servers bei Microsoft".