W-JAX 2011: Java, Cloud und Agilität in München

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Vom 7. bis 11. November fand im Münchner Westin Grand Hotel die diesjährige W-JAX-Konferenz statt. Als Trendthemen kristallisierten sich bei der gar nicht mehr so kleinen Tochter der JAX-Konferenz Cloud Computing, DevOps und Continuous Delivery heraus.

In der Eröffnungskeynote "Big Data and the Evolving Corporation" beschäftigte sich Jim Stogdill von Accenture mit der wachsenden Herausforderung an Unternehmen, sich mit der massiven Zunahme an Daten auseinanderzusetzen. Als Notwendigkeit, sich dieses Phänomens anzunehmen, können Unternehmen nicht mehr nur auf die eigenen, "internen" Daten bauen, die mit seit Jahren fallenden Speicherpreisen und -kapazitäten massiv zunehmen, sondern sie müssen vermehrt "externe" Daten in Analysen und Vorhersagen einbeziehen, um ihre Produkte und Geschäftsmodelle zu verbessern. Um dieser Datenmenge Herr zu werden, hält Stogdill den Einsatz von BigData-Techniken für unvermeidbar und bescheinigte den Unternehmen Erfolg für die Zukunft, die diese Herausforderung annehmen und meistern. Die Keynote blieb zwar etwas nebulös, zeigte aber, dass Firmen wie Accenture dem Thema BigData zunehmende Bedeutung zumessen.

Den Stichworten Wachstum und Skalierung näherte sich Mirko Novakovic in seinem Vortrag "Elastische Java-Anwendungen" von einer deutlich technischeren Seite. Mit Amazons Elastic Compute Cloud (EC2) und Elastic Beanstalk, Googles App Engine (GAE) und VMwares Cloud Foundry stellte er eine Reihe von "Infrastructure as a Service"- und "Platform as a Service"-Angeboten (IaaS/PaaS) mit ihren jeweiligen Eckdaten und Vor- und Nachteilen vor. Beanstalk und GAE demonstrierte Novakovic direkt im Vortrag anhand kleiner Beispiele und Erfahrungen aus einem Projekt, in dem eine Architektur, inklusive Scale-out, mit EC2 umgesetzt wurde. Der Vortrag bot unerfahrenen Zuhörern einen guten Überblick über die in diesem Bereich zur Verfügung stehenden Plattformen. Die anschließende Diskussion, die auch rechtliche Aspekte und Fallstricke anriss, bot sicher auch für die erfahrenen Gäste interessante Einblicke.

Enterprise Java trifft auf "Agile"

In "The New Generation of Enterprise Java: Designing for the Next Big Thing" beschäftigte sich Steve Burton mit den anhaltenden Veränderungen von Enterprise-Java-Architekturen, die sich in immer mehr Bereichen in Richtung serviceorientierter, verteilter und möglichst hochskalierbarer Systeme bewegen. Anhand einer Analogie zu einem Formel-1-Team gab er die Devise Learn from Failure aus. Mit Scheitern und Systemfehlern ist in solchen Systemen nicht nur zu rechnen, sie wären mit zunehmender Komplexität schlichtweg als Teil des Systems hinzunehmen. Und daher seien sie durch Methoden wie Continuous Delivery oder DevOps in Prozesse einzubeziehen – so könne man aus der aus Fehlern gewonnenen Erfahrung schnell die notwendigen Schritte ableiten, um diese zu beheben. Die angesprochenen Techniken – die auch Thema weiterer Talks waren – zählen sicherlich zu den "heißen" Themen der kommenden Jahre.

Dem Applaus und den Twitter-Kommentaren nach zu urteilen, war die zweite Keynote am Mittwoch – Kevlin Henneys "Cool Code" – wohl für viele Besucher eines der Highlights der W-JAX. Der Herausgeber des Buches "97 Things Every Programmer Should Know" erläuterte anhand kleiner und kleinster Beispiele (und mit einem lockeren und unterhaltsamen Vortragsstil) seine Vorstellungen von "coolem" Programmcode. Die Zuschauer lernten beispielsweise ein in Assembler geschriebenes Schachprogramm aus den frühen Zeiten der IT kennen, vollständig mit elementarer KI, Spiel- und Darstellungslogik. Henney erklärte, dass das Programm kompiliert nur knapp über 600 Byte groß sei oder, wie er süffisant bemerkte, nur 4,8 Tweets – eine Zeichenmenge, der er unterstellte, dass man es mit ihr nicht einmal schaffe, jemandem Schach zu erklären. Daneben gab es noch weitere unterhaltsame Beispiele kuriosen und außergewöhnlichen Codes, und das Publikum hatte sichtlich Spaß daran. Die Reaktionen auf den Vortrag zeigten, dass der Großteil der Besucher der W-JAX aus einem technischen Umfeld kommt, weshalb auch im Konferenzprogramm die fachlichen Vorträge gegenüber den reinen Business-Themen deutlich überwiegen.

Kevlin Henney über "Cool Code" auf der W-JAX 2011.

Die weiteren Vorträge und Panels behandelten nahezu alle erdenklichen Themen, die Java-Entwickler, Architekten, Projektmanager und Entscheider im Moment umtreiben. Das ging von Fragen zu Verfahrensweisen wie Scrum und Kanban über Themen wie Compliance-Anforderungen im Cloud Computing bis hin zum Requirements Engineering und Integrationsthemen. Auch die reinen Techies unter den Teilnehmern kamen thematisch mit neuen Programmiersprachen wie Clojure, Node.js, Dart und Ceylon oder den kommenden Closures in Java voll auf ihre Kosten. Ebenso deckten zahlreiche Talks "klassische" Java-Themen wie Android, JSF, CDI und Spring ab, wobei sich Cloud Computing deutlich als Trend herauskristallisierte. In dessen Schatten diskutierte man auch die Themen DevOps und Continuous Delivery bei Betrieb und Wartung von Cloud-Anwendungen – von ihnen werden Entwickler sicherlich nicht zum letzten Mal gehört haben.

Fazit

Insgesamt bot sich den rund 1200 Besuchern in über 130 Vorträgen ein breites Spektrum rund um die Oberbegriffe Java, Architektur, Agilität und Cloud. Bei bis zu neun parallele Tracks hatten die Besucher zumeist die Qual der Wahl. Um den Besuchern einen angenehmen Ausklang zu den langen Konferenztagen und Möglichkeit zum Networking zu bieten, gab es am Dienstag und Mittwoch im "Ballroom" noch ein lockeres Beisammensein bei Bier und Snacks. Das Angebot rundeten montags und freitags diverse Workshops zu Themen wie Scala, Webservices, Webarchitekturen, Cloud, Android oder JavaScript ab. Mit diesem breiten Angebot und den größtenteils guten Talks geht auch der nicht günstige Preis der Konferenz in Ordnung, und viele der Besucher werden wohl auch im nächsten Jahr gerne wieder kommen. (rl)

Bastian Spanneberg
ist Java-Entwickler bei der codecentric AG in München. Neben seiner normalen Entwicklungstätigkeit interessieren ihn Themen aus den Bereichen BigData und Continuous Delivery.