Was ist eine disruptive Innovation?

Bernds Management-Welt  –  5 Kommentare

Der Begriff der disruptiven Innovation scheint auf Prof. Clayton M. Christensen (Harvard Business School) und seinem 1995 erschienenen Buch "The Innovators Dilemma" beziehungsweise dem Fachartikel "Disruptive Technologies: Catching the Wave" zurückzugehen. Der Begriff steht im Abgrenzung zur inkrementellen Innovation. Manchmal wird auch zwischen revolutionäre und evolutionäre Innovation unterscheiden.

Bei der inkrementellen/evolutionären Innovation wird eine bestehende Technologie oder ein existierendes Produkt verbessert, effizienter oder günstiger. Meistens werden ein paar weitere Anforderungen erfüllt, ein paar neue Eigenschaften hinzugefügt.

Mit disruptiver Innovation ist eine gemeint, die die Spielregeln auf dem Markt oder im Nutzungsverhalten verändert. Interessanterweise wird die Disruption manchmal gar nicht durch wirklich neue, sondern bekannte Techniken ausgelöst. Die Erfindung des MP3-Format selbst hat beispielsweise noch keine Disruption ausgelöst, sondern erst deren Einsatz im Kontext der Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit des iPod verhalf dem Format zum Praxisstandard. Und Henry Ford ("Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde") hat nicht etwa das Auto erfunden, sondern deren preisgünstige Massenfertigung eingeführt (unbelegtes Zitat: "Wir liefern Autos in jeder Farbe. solange sie schwarz ist"). Erst damit hat sich unsere Welt radikal verändert.

Apple ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit disuptiven Innovationen neue Märkte geschaffen und Spielregeln verändert werden, obwohl die initialen Produkte hierzu teilweise weniger können als ähnliche existierende Produkte (keine austauschbare Akkus, keine Speichererweiterungsmöglichkeiten, keine Flash-Unterstützung etc.). Stattdessen kommen andere Eigenschaften hinzu, oft eine hervorragende Benutzbarkeit oder geniale Rekombination von Vorhandenem, mit denen neue Zielgruppen und neue Anwendungsfälle erschlossen werden.

Seit einigen Jahren wird Design Thinking als eine Methode gehandelt, mit der disruptive Innovationen systematisch hergestellt beziehungsweise zumindest wahrscheinlicher werden können. Mittlerweile gibt es einige Studiengänge zum Design Thinking, beispielsweise an der Uni Stanford, am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam und an der Uni St. Gallen. Investoren wie Lars Hinrichs (HackFwd, Xing-Gründer) schwören auf Design Thinking, und in den Betahäusern und anderen Startup-Kontexten gehört Design Thinking zum Standard-Repertoire.

Eine kleine Einführung ins Design Thinking hab ich als kurzes Video bei Vimeo bereitgestellt.