Wenn große Projekte fehlschlagen

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Als das Projekt 2006 endgültig gestartet wurde, war die Sache einigermaßen klar (so etwas hatten wir doch schon oft erfolgreich realisiert). Inbetriebnahme sollte im November 2011 sein.

Auf der anderen Seite weiß man ja, in welche Schwierigkeiten große Projekte geraten können; vor allem wenn sich Anforderungen ständig ändern. Insofern war die angekündigte Verspätung auf Juni 2012 noch als Normalfall zu werten und mit dem entsprechenden Vorlauf (verkündet im Juni 2010) auch zu verkraften. Zielorientiert, wenn auch mit heißer Nadel, wurde der Zieltermin immer wieder bestätigt. Lediglich letzte Integrations- und Abnahmearbeiten standen noch aus.

Doch dann der Schock: Das System konnte nicht abgenommen werden, und vier Wochen (!) vor Inbetriebnahme wurde die Reißleine gezogen. Selbst das Angebot manueller Workarounds für Prozesse, die eigentlich automatisiert sein sollten, half nichts. Eine Woche später wurde dann März 2013 als neuer Termin festgelegt.

Die Projektleiter wurden getauscht und nach Einarbeitung wurde im September 2012 dann Oktober 2013 als neuer Termin festgelegt. Im Dezember gab es aber erste Gerüchte, dass auch dieser dritte Termin nicht zu halten sei. Und nun steht eine Inbetriebnahme erst 2015 zur Diskussion. Vier Jahre nach dem ursprünglichen Termin. Und natürlich mit entsprechenden Kostensteigerungen.

In der Schlacht um Schuldzuweisungen geben die Architekten nun den 286 Planänderungen die Schuld und schreiben laut Spiegel in ihrer Klageerwiderung: Spätestens im November 2008 habe sich die Flughafengesellschaft entschlossen, "anstelle einer klaren, erfolgversprechenden Projektstrategie mit Halbwahrheiten und unrealistischen Vorgaben zu arbeiten".

Nur gut, dass so etwas in großen Softwareprojekten nicht passieren kann. Und wenn, habe ich jetzt gute Argumentationshilfen – Berlin (und Hamburg mit seiner Elbphilharmonie) sei Dank.

Nebenbei: Hat eigentlich schon jemand all die IT-Systeme integriert, die auf dem Flughafen verbaut werden?