Wissensvermittlung in agilen Projekten

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Agile Vorgehensweisen ersetzen das ausführliche, schriftliche Dokumentieren von Anforderungen meist durch das Übermitteln benötigten Wissens in anderer, meist mündlicher Form. Bei Scrum ist der organisatorische Rahmen für die Wissensvermittlung durch das Planning Meeting klar definiert, die methodische Frage, wie Informationen über das zu bauende System vermittelt werden, ist allerdings weitgehend ungeklärt. Dieser Umstand kann in der Praxis zu Problemen führen, da didaktisch ungeeignete Herangehensweisen Ressourcenverschwendung und Frustration bei allen Beteiligten bedeuten können.

Die Faktoren, die den Erfolg der Weitergabe des Wissens beeinflussen, sind vielfältig und reichen von den zu vermittelnden Inhalten bis hin zu Rahmenbedingungen wie Anzahl der Empfänger oder die zur Verfügung stehende Zeit. Im Folgenden wird auf diese Umstände eingegangen und es werden Empfehlungen zur Wahl geeigneter Vermittlungsmethoden gegeben.

Wo liegt das Problem?

In der Softwareentwicklung gibt es sowohl "leichtgewichtige" (zum Beispiel Scrum) als auch "schwergewichtige" (zum Beispiel das V-Modell) Vorgehensmodelle, für die es jeweils gute Argumente gibt. In beiden Fällen ist jedoch Wissen zu vermitteln. So muss beispielsweise das Entwicklungsteam – auf welche Weise auch immer – Informationen über die im System zu realisierende Fachlichkeit erhalten. Da diese Zusammenhänge oft komplex sind, ist häufig ein Fachbereichsexperte von Nöten. Bei Scrum ist der organisatorische Rahmen für die Wissensvermittlung das Planning Meeting. Hier erarbeiten Entwicklungsteam und Product Owner gemeinsam einen Plan für den nächsten Sprint. Zum Klären der Anforderungen nutzt der Owner User Stories, die allerdings wenig Dokumentation umfassen und die Frage aufwerfen, ob es sich hierbei um das ideale Medium handelt. Sollten die zu vermittelnden Inhalte während des Planning Meeting nicht klar kommuniziert werden können, ist das Erreichen des Sprint-Ziels gefährdet.

Gerade im Software Engineering folgen Neuerungen zunehmend schneller aufeinander und ein Release jagt das nächste. Eine Konsequenz davon ist, dass die Mitarbeiter in der Lage sein müssen, sich Wissen in immer kürzerer Zeit anzueignen. Dafür ist es wichtig zu erkennen, welche Parameter den Lernerfolg beeinflussen. Zunächst einmal muss man sich ansehen, wie genau Informationen aufgenommen wird. Die Zugänge zu unserem Gehirn sind dabei unsere Sinne.

Die Sinne wollen bedient werden

Da Menschen ausschließlich über ihre Sinne lernen, ist es günstig, bei der Wissensaufnahme möglichst viele dieser Kanäle zu beteiligen, da das Gehirn so besser Informationen speichern kann. Werden beispielsweise Bilder und Ton kombiniert, können vermittelte Inhalte besser aufgenommen werden, als wenn die optische Verstärkung fehlen würde (s. Abb. 1). Die meisten Sinne werden in der Regel angesprochen, wenn der Lernende selbst tätig wird.

Bei der Auswahl der Lernmethode sollte zudem der Umstand Berücksichtigung finden, dass jeder Mensch einen bevorzugten Sinn zur Wissensaufnahme hat.

Durch Beteiligung mehrerer Sinne kann der Lernerfolg gesteigert werden (Abb. 1)

Von deklarativem und prozeduralem Wissen

Abgesehen davon wie man lernt, ist es wichtig zu wissen, was eigentlich gelernt werden soll. In der Psychologie unterscheidet man zwischen deklarativem und prozeduralem Wissen. Unter ersterem versteht man Sachwissen wie eine auswendig gelernte Telefonnummer. Das Wissen um einen Handlungsablauf (also eine Prozedur), zum Beispiel Autofahren, wird prozedural genannt. Wenn man die beiden Arten genau betrachtet, wird deutlich, dass man sie auf unterschiedlichem Wege erhält. So geht zwar jeder davon aus, dass man sich eine Telefonnummer, die einem gesagt wird, merkt, niemand würde aber ernsthaft annehmen, dass man durch einen Vortrag lernen könnte, wie man Auto fährt.

Was bei solch alltäglichen Dingen klar scheint, bleibt bei der Wissensvermittlung allzu oft unberücksichtigt. Aus diesem Grund ist die Wahl der richtigen Vermittlungsmethode von entscheidender Bedeutung. Nur wenn die passend gewählt wurde, kann man davon ausgehen, dass der Inhalt beim Lernenden in gewünschter Art und Weise ankommt.