colspan=4: M wie Mikroformate

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Mikroformate leben noch, und dennoch hat sich das Web seit ihren Anfangszeiten stark verändert. Ein paar allgemeine Fragen.

Vor etwa 10 Jahren waren Mikroformate, gemeinschaftsstandardisiertes Markup für Dinge wie Leute, Termine oder Lizenzen, in aller Munde und ganz beliebt. Die Idee war, das abzubilden und zu dokumentieren, was oft auf Websites gemacht wurde, um es zugänglicher zu machen – irgendwie ein bisschen mehr für Maschinen (Software) als für Menschen, aber durchaus beides.

Dabei wurde ein so defensiver Ansatz gewählt, dass man den Versuch schon früh kritisieren konnte. Zum einen war das Markup oft "geschwätzig", wie bei hcard, sodass man gefühlt 20-mal so viel Code benutzte wie ohne ein Mikroformat, oder mit etwas, dass sich ähnlich effektiv anfühlt ("hcard"-Klasse, aber lasst doch die Software die Telefonnummern rausfischen). Zum anderen hieß alles unterschiedlich, und selbst wenn man Klassen mit "Namensräumen" versah (".ix-beispiel"), konnte man sich vor allem außer vor Mikroformaten schützen – da war alles wie Kraut und Rüben benannt. (Das ist bewusst spitz formuliert; die Situation verbesserte sich mit neueren Formaten.)

Aber über was unterhalten wir uns hier? Hier geht es doch nicht um eine um zehn Jahre verspätete Code-Review? Nein, eigentlich geht es um eine andere Fragen, oder fünf andere Fragen:

  • Brauchen wir Mikroformate noch?
  • Können wir nicht besser mit data-*-Attributen arbeiten?
  • Was ist mit Webkomponenten?
  • Wieso sollte unsere Software eigentlich nicht schlau genug werden, Bedeutung "so" zu erkennen, ohne dass wir unseren Code verkomplizieren?
  • Und denken wir über die Möglichkeiten auf Softwareseite überhaupt genug nach?

Ich meine, dass Mikroformate bereits jetzt Geschichte sind. Als eines der ersten Mikroformate, nofollow, auftauchte, war irgendwie schon klar, dass hier die Website-Betreiber und Webentwickler vorgeschickt wurden, um ein Problem der Suchmaschinen zu lösen (keinen anderen interessieren die verlinkten Websites). Und heute fragt man sich bei allem, können wir das nicht auch maschinell? Da liegt meiner Ansicht nach die Zukunft, da sollten wir hin, und deshalb vielleicht die Frage, die hier einfach so herumlungern soll: Sind Mikroformate überhaupt noch relevant?