enterJS 2016 – Enterprise in Zeiten der Cyborgs

Mitte Juni 2016 zeigten JavaScript-Experten aus aller Welt in Darmstadt, wie sich die Softwareentwicklung im Umfeld der Sprache weiterentwickelt hat, und gaben den rund 400 Teilnehmer zahlreiche Impulse.

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Die dritte Auflage der von dpunkt.verlag, heise Developer und iX veranstalteten Konferenz für JavaScript-Entwickler aus dem Unternehmensumfeld startete mit einem Workshop-Tag, der Weiterbildungsmöglichkeiten zu Themen wie Event-getriebener Entwicklung, AngularJS, React und dem Klassiker Node.js bot. An den darauf folgenden Konferenztagen präsentierten die Referenten Vertiefung, weitere Grundlagen und Spezialwissen.

Da sich im letzten Jahr vor allem in Sachen Frontend-Entwicklung einiges getan hat, zählten unter anderem AngularJS und React zu den Themenschwerpunkten der Konferenz. In vielen Talks konnten sich die Teilnehmer über Angular 2 informieren, das sich aktuell noch im RC-Status befindet. Robin Böhm zeigte in einem Praxisbericht, welche Migrationsstrategien zu erwägen sind und wie sich AngularJS-Projekte schrittweise auf Angular 2 migrieren lassen.

Derweil berichtete Roberto Bez in einer sogenannten Reactospektive über die innerhalb eines Jahres gesammelten React-Erfahrungen bei seinem Arbeitgeber HolidayCheck. Er präsentierte Hilfestellungen für die tägliche Entwicklung von Webanwendungen mit React und betonte, wie wichtig Unit-Tests für React Components sind. Einigkeit herrschte zudem über das Thema Wissensaustausch der Communities der erwähnten Projekte. Die React-Entwickler betrachten das Component-Konzept seit dem Entstehen der Bibliothek als ihren wichtigsten Baustein, nun zieht es auch in die neue Angular-Version ein. Anhänger beider Projekte können viel voneinander lernen und sollten sich regelmäßig austauschen, um den gesamten Bereich der Webentwicklung weiter zu verbessern.

Seit der letzten enterJS im Juni 2015 hat der Node Package Manager (npm) eine wichtige Rolle bei der Verwaltung von Dependencies in Frontend-Projekten eingenommen. Viele große Frameworks und Libraries wie React und Angular 2 stellen neue Versionen neuerdings über npm zur Verfügung, obwohl die Paketverwaltung ursprünglich für Node.js-Projekte entwickelt worden ist. Um dem Rechnung zu tragen, konnten die Veranstalter Laurie Voss, CTO der mit Hosting und Weiterentwicklung der Registry betrauten npm Inc., als Keynote-Specher gewinnen.

In seiner Keynote gab npm-Mitgründer Laurie Voss nützliche Tipps zum Umgang mit der Paketverwaltung.

Er stellte den Teilnehmern nützliche Tipps und Tricks für den täglichen Umgang mit dem Paketmanager vor. Eine spontane Umfrage unter den Konferenzteilnehmern innerhalb der Keynote zeigte deutlich, wie beliebt npm mittlerweile im Frontend-Umfeld ist. Eindrucksvoll waren auch die Download-Statistiken, die Voss präsentierte: Die Registry verzeichnet mittlerweile mehr als eine Milliarde Downloads pro Woche. Wie genau das Verhältnis zwischen Node.js und Frontend-Paketen ist, lässt sich laut Voss jedoch nur schwer analysieren. Zum Abschluss versicherte er, dass es mit den in Version 3 eingeflossenen Änderungen für Frontend-Entwickler noch nicht getan sei und das npm-Team auch in Zukunft Verbesserungen für diesen Anwendungsfall ergänzen wird.

Auch außergewöhnliche Themen im JavaScript-Umfeld fanden auf der Konferenz ihren Platz. Katy Moe aus London bezeichnet sich als Biohacker und versucht, ihren Körper durch Technik zu verbessern. So hat sie sich etwa einen RFID-Chip in ihre Hand implantiert und zeigte in ihrem Talk "JavaScripts for Cyborgs" in einer Live-Demo, wie sie die dort gespeicherten Daten mit Node.js auslesen kann. Die auf dem Chip gespeicherten Daten lassen sich jederzeit ändern, was Besucher der Session auch gleich ausprobieren konnten.

In weiteren Vorträgen beschäftigten sich die Referenten beispielsweise mit progressiven Webanwendungen, Web Components, reaktiver Programmierung, Polymer, dem Application-State-Container Redux, ReactNative, DevOps und Microservices, sodass für alle Interessengruppen etwas zu finden war.

Sebastian Müller
ist Frontend-Architekt bei der adesso AG und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung von Single Page Applications und neuen Webtechnologien.