iOS 11.3 und Payment Request API: Zahlen, bitte!

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Progressive Web Apps wollen die App-Stores vom Gerät vertreiben. Entwickler möchten mit ihren Apps jedoch weiterhin Geld verdienen und auch der Plattformbetreiber möchte auf seine Transaktionsgebühren nach Möglichkeit nicht verzichten. Da verwundert es kaum, dass mit der Unterstützung für Service Worker in den Betaversionen von Safari (11.1) und iOS (11.3) auch die Payment Request API Einzug erhält, um Zahlungen vom Anwender anzufordern. Doch die Schnittstelle hat einen Haken.

Bisher war alles einfach: Entwickler implementieren eine App, reichen sie in einen App-Store ein, wählen einen Verkaufspreis und können auf Wunsch auch In-App-Käufe zur Verfügung stellen. Der Plattformbetreiber – sei es Apple, Google oder Microsoft – wickelt die Zahlung des Endkunden ab, nimmt sich eine mehr oder weniger hohe Transaktionsgebühr und leitet die Erlöse an die Entwickler weiter.

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Im Fall der Progressive Web Apps (PWA, in dieser Serie ausführlich vorgestellt) entfällt diese zentrale Vertriebsplattform jedoch. Das bedeutet, dass sich Entwickler künftig selbst um die Abrechnung mit dem Anwender kümmern müssen. Doch auch hierfür gibt es im modernen Web eine passende Schnittstelle: Die Payment Request API erlaubt das Anzeigen eines Bezahlfensters, um dem Anwender die Kaufübersicht anzuzeigen und seine Bezahlinformationen entgegenzunehmen. In Zukunft könnten Webseiten, Web-Apps und Onlineshops auf diesem einen Weg mit dem Anwender abrechnen – ohne, dass dieser sich durch von Website zu Website verschiedene, schwer bedienbare Check-out-Formulare quälen oder die immer gleichen Daten von Neuem eingeben muss.

Und auch die Plattformbetreiber möchten auf ihre Transaktionsgebühren nur ungern verzichten: So implementiert Apple mit Safari 11.1 auf iOS 11.3 und macOS 10.13.4 zeitgleich zur Unterstützung der PWA-Basistechnologien Service Worker und Web App Manifest auch die Unterstützung der Payment Request API. Apple erlaubt auf seinen Plattformen dabei jedoch ausschließlich die Zahlungsabwicklung über Apple Pay. Auch das verwundert wenig, stellt Cupertino doch schon die NFC-Schnittstelle des iPhones nur stark eingeschränkt zur Verfügung, um Konkurrenz in Sachen kontaktloser Bezahlung von sich fernzuhalten.

Die Unterstützung über Apples Bezahldienst bedeutet für Entwickler jedoch zusätzlichen Implementierungsaufwand, Entwickler oder Zahlungsdienstleister benötigen zur Abwicklung über Apple Pay eine Mitgliedschaft beim Apple Developer Program und der Endkunde muss die Bezahlmethode auf seinem Gerät aktiviert und in seiner Apple ID hinterlegt haben. Dies steht zumindest derzeit der Verwendung der Schnittstelle in Deutschland entgegen, da Apple Pay hierzulande noch nicht gestartet wurde.

Zahlen mit der Payment Request API unter iOS 11.3

Das Zahlen über dieses Verfahren war dank der proprietären Schnittstelle Apple Pay JS auch schon zuvor in Safari möglich, die neue Version 11.1 stellt diese Funktionalität nun lediglich unter einer zusätzlichen Schnittstelle zur Verfügung. Google bot zu diesem Zweck zuvor auch schon einen Polyfill an. Dass Plattformbetreiber über die Payment Request API eigene Bezahlmethoden anbieten, ist jedoch nichts Ungewöhnliches und auch im Standard explizit erlaubt: So kann auf Android-Geräten etwa mit Android Pay bezahlt werden. Die meisten Browser unterstützen im Gegensatz zu Safari aber wenigstens die Angabe von Kreditkarteninformationen (Payment Method Basic Card).

Ohne Zuhilfenahme von Drittanbietern kann es für Entwickler schnell komplex werden, da jede plattformspezifische Bezahlart zusätzlichen Implementierungsaufwand bedeutet. Auf der anderen Seite ist die Bezahlung über die Payment Request API sehr benutzerfreundlich, wie unser Screenshot aus einer Progressive Web App auf iOS 11.3 zeigt: Adress- und Kontaktdaten des Käufers sind dem Plattformanbieter ohnehin schon bekannt, ebenso die Bezahlmethoden. Die App muss lediglich den Betrag, Positionen und die anzufordernden Benutzerinformationen melden, der Browser zeigt das Bezahlfenster an. Dank der Payment Request API wird der Online-Einkauf für den Anwender so einfach wie das Auflegen des Fingers auf den Fingerabdruckleser. Auf diese Art kann der Rubel für Entwickler und Plattformbetreiber auch im Web und in Progressive Web Apps weiter rollen.

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