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10 Jahre Eclipse: Konsolidierung des Java-IDE-Markts

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Vor zehn Jahren hat IBM die Entwicklungsumgebung Eclipse als Open-Source-Software erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. Wie auch immer solche Zahlen zustande kommen: Aus den damals 40 Millionen US-Dollar, die die Codespende samt betriebenem Marketing Wert gewesen sein soll, sind mittlerweile 800 Millionen US-Dollar geworden, schätzt Mike Milinkovich, der der 2004 gegründeten Eclipse Foundation vorsteht.

Konkreter ist hingegen, dass Eclipse den Markt der Java-Entwicklungsumgebungen gewaltig durcheinander gewirbelt hat, sodass ehemalige Platzhirsche wie JBuilder, OptimalJ, Rational Application Developer, WebGain und JDeveloper heute von der Bildfläche verschwunden sind oder ein Nischendasein fristen. In Deutschland kam Eclipse in den letzten Jahren konstant auf über 70 Prozent Marktanteile. Die Eclipse Foundation geht von weltweit etwa 6 Millionen Eclipse-Entwicklern aus. Einzig IntelliJ IDEA und NetBeans haben noch eine vergleichsweise ernstzunehmende Verbreitung.

Loslösung

Doch nicht nur die Entwicklungsteams bei IBM in Zürich und Ottawa zeichnen für den Erfolg von Eclipse verantwortlich – die Kernentwickler kamen bereits 1996 über die Übernahme der Firma Object Technology International (OTI) ins Boot. Die Entwicklungsumgebung und ihr Ökosystem haben erst durch die Gründung der eigenen Foundation so richtig Fahrt aufgenommen. Durch die Loslösung von Big Blue Anfang 2004 versprachen sich die Gründungsmitglieder der Foundation (inklusive IBM) eine Verbreitung des Einflusses der Eclipse-Techniken, da es durch eine unabhängige Organisation für andere Softwareanbieter leichter werden sollte, an dem Erfolg des Eclipse-Ökosystems teilzuhaben.

Der Plan ist auch dank der Neuausrichtung von Eclipse 3.0 durch die Implementierung der modularen OSGi-Architektur im Sommer 2004 aufgegangen. Die Open-Source-Organisation zählt Stand letzter Woche, als sie in Ludwigsburg mit über 500 Teilnehmern die EclipseCon Europe und eine Dekade Eclipse feierte, über 170 Unternehmen als Mitglieder und über 1000 Committer, die in etwa 270 Eclipse-Projekte involviert sind. Das sind jedoch nicht nur Java-Entwicklungen, so sind beispielsweise die Eclipse C/C++ Development Tools (CDT) äußerst erfolgreich im Bereich der Entwicklung von Embedded- und Echtzeitbetriebssystemen. Und insbesondere im Bereich modellgetriebener Softwareentwicklung setzen Tool-Hersteller bevorzugt die hier kaum noch zu übersehende Auswahl an Eclipse-Techniken ein. Ähnliches scheint sich im Bereich des Application Lifecycle Management (ALM) anzubahnen, wo sich Eclipse Mylyn mit über 80 Konnnektoren zur zentralen Anlaufstelle für Integrationen entwickelt hat.

Zyklus

Als erfolgreich hat sich auch die Maßnahme erwiesen, ab 2006 sogenannte jährliche Eclipse Release Trains zu veröffentlichen. Im Rahmen dieser jährlich Ende Juni wiederkehrenden Veröffentlichungen einer neuen Eclipse-Version verpflichten sich beteiligte Eclipse-Projekte, die dafür erforderlichen Qualitätsauflagen einzuhalten. Waren es bei "Callisto" 2006 10 Eclipse-Projekte, gingen diesen Juni im Rahmen von "Indigo" mehr als 60 Projekte über die Ziellinie, die laut der Eclipse Foundation zusammen etwa 46 Millionen Codezeilen ausmachten.

Ein noch neues Gebiet stellen die Industry Working Groups der Eclipse Foundation dar. Mit ihnen versucht die Organisation Eclipse-Techniken in vertikale Märkte zu bringen. So gibt es neben den wenig erfolgreichen Arbeiten in Richtung Mobilentwicklung neue Arbeitsgruppen für Automobilbranche, M2M-Kommunikation sowie Embedded- und sicherheitskritische Systeme. Inwiefern die Bemühungen, dass Eclipse in diesen Branchen große Verbreitung erfährt, von Erfolg beschieden sind, ist aber noch ein in der nächsten Dekade zu schreibendes Kapitel.

Siehe dazu auch:

  • Eclipse im heise Software-Verzeichnis

(ane)