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Analyse: Die Zukunft von Zend

Nachdem einige Entwickler ihren Weggang von der Firma Rogue Wave bekanntgaben, steht die Zukunft des PHP-Projekts in den Sternen.

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Kommentar: Die Zukunft von Zend

(Bild: Wokandapix, Pixabay )

In der letzten Woche kündigten mit Zeev Suraski, Matthew Weier O'Phinney, Enrico Zimuel und Dmitry Stogov gleich vier prominente Mitglieder der internationalen PHP-Community an, die Firma Zend, seit 2015 Teil von Rogue Wave, in nächster Zeit zu verlassen.

Als Grund für den geplanten Weggang führen die vier die strategische Entscheidung von Rogue Wave an, sich zukünftig auf die Entwicklung von Zend Server zu konzentrieren. Zwischen den Zeilen ist damit zu lesen, dass Rogue Wave zukünftig weder die Entwicklungsarbeit an der Zend Engine, der Laufzeitumgebung von PHP, noch der IDE Zend Studio und nicht zuletzt dem Zend Framework weiterführen beziehungsweise unterstützen möchte.

Es ist selbstverständlich zulässig, rund um ein quelloffenes Softwareprojekt Geld verdienen zu wollen. Daraus ergibt sich aber zumindest die moralische Verpflichtung, etwas an das Projekt zurückzugeben. Rogue Wave hat, wie es scheint, die symbiotische Beziehung zwischen PHP und Zend nun aufgekündigt.

Wer für ein kommerzielles Produkt, das auf Open Source basiert, das Geld von zahlenden Kunden gerne annimmt, sich aber im Gegenzug nicht mehr an der Entwicklung der freien Variante beteiligen möchte, hat ganz grundlegende Zusammenhänge des Wirtschaftsmodells "Freie Software" nicht verstanden. Auch ein Lippenbekenntnis zum Produktportfolio von Zend und zur PHP-Community, wie es Arturo Suarez, der Director of Product Management eilig nach der Bekanntgabe veröffentlichte, räumt kaum einen der begründeten Zweifel an Rogue Waves Motiven aus.

Vor zwei Jahren hat die Firma die Weiterentwicklung des Werkzeugs zur Quellcodeverschlüsselung, den Zend Guard, still und heimlich eingestellt, da es keine Aktualisierung für PHP 7 erhalten hat. Auf den offiziellen Marketingkanälen von Rogue Wave findet sich dazu allerdings keinerlei Information. Warum sollte man auch den zahlenden Kunden mitteilen, dass sie sich längst in einer technischen Sackgasse befinden?

Zend Studio, der in Entwicklerkreisen zunehmend unbeliebteren IDE (Integrated Development Environment), dürfte kaum jemand eine Träne nachweinen, zumal sich das Produkt in letzter Zeit schwer damit tat, überhaupt aktuelle PHP-Versionen zu unterstützen. JetBrains dominiert heute mit PHPStorm ganz klar den IDE-Markt für PHP und hat in den letzten Jahren alle anderen IDE-Hersteller zu Marktbegleitern degradiert.

Bisher mochte man die zunehmende Verschlankung des Zend-Produktportfolios als einen konsequenten strategischen Fokus sehen. Spätestens jetzt entlarvt sich die Verschlankung als Ausverkauf. Der CEO und Mitgründer Andi Gutmans hatte Zend einige Monate nach dem Erwerb durch Rogue Wave in Richtung Amazon verlassen. Mit dem CTO Zeev Surasksi geht nun der letzte Mann von Bord, der vor rund 20 Jahren damit begonnen hatte, die ursprünglich von Rasmus Lerdorf entwickelte Skriptsprache PHP konsequent von einem Hobbyprojekt zu einer der tragenden Säulen des World Wide Web zu etablieren.

Was bedeutet das nun für die Programmiersprache PHP und ihr Ökosystem, insbesondere das Zend Framework, das immer als einer der zentralen Einstiegspunkte in die Welt der Produkte und Dienstleistungen von Zend galt? Wird gar der Niedergang von PHP eingeläutet? Wohl kaum.

Ob Zend in den letzten Jahren überhaupt eine treibende Kraft hinter der Entwicklung von PHP war, ist in Insiderkreisen durchaus eine Streitfrage. Zweifelsohne kommen einige – teilweise wichtige – Kontributionen zu PHP von Zend beziehungsweise von Dmitry Stogov, den Zend bisher für die Arbeit an PHP bezahlt hat. Aber schließlich erbringen unabhängige Kontributoren schon lange einen Großteil der Entwicklungsleistungen.

Quelloffene Software zeigt sich immer wieder als überlebensfähig. Da PHP unter einer BSD-ähnlichen Lizenz steht, ist die Weiterentwicklung durch eine unabhängige Gruppe von Entwicklern, im Zweifel als Fork, jederzeit möglich. Rogue Wave könnte im schlimmsten Fall Namensrechte am Begriff Zend geltend machen, woraufhin die Community dann vermutlich mit einer Umbenennung reagiert.

Das Schwerkraftzentrum der PHP-Entwicklung befindet sich längst außerhalb des Einflussbereichs von Zend oder Rogue Wave. Selbst das mächtige Facebook hat es mit der technisch innovativen PHP-Ausführungsumgebung HHVM (Hip Hop Virtual Machine) und später mit der darauf aufsetzenden Programmiersprache Hack – de facto eine Weiterentwicklung und damit ein Fork von PHP – nicht geschafft, eine Spaltung der PHP-Community hervorzurufen. Nachdem wichtige PHP-Projekte eine Weile zweigleisig fuhren, haben sie nach und nach die Unterstützung von HHVM wieder eingestellt. In der Folge hat Facebook die PHP-Kompatibilität von HHVM und Hack gestoppt und geht damit in Zukunft eigene Wege.

Da das Zend Framework unter einer BSD-Lizenz steht, scheint dessen Weiterentwicklung unabhängig von Rogue Wave gesichert, zumal der Projektleiter Matthew Weier O'Phinney in der Community einen guten Ruf hat. Im Symfony-lastigen Europa ist das Zend Framework traditionell allerdings weit weniger verbreitet. Auch wenn in letzter Zeit neue Projekte in den USA eher Laravel einsetzten, gibt es durchaus einige Firmen und Projekte, die auf dem Zend Framework basieren. Magento ist ein prominentes Beispiel dafür.

Es sollten sich daher Geldgeber finden lassen, die eine eventuelle Weiterentwicklung des Frameworks finanziell unterstützen. Dem Projekt, das sich in den letzten Jahren schwer damit tat, die angepeilten Releasezyklen von rund zwei Jahren einzuhalten, dürfte eine freie und unabhängige Entwickler-Community frischen Wind bringen. Das ist allemal besser als ein Lippenbekenntnis zu einer spärlich finanzierten Weiterentwicklung auf einer unliebsamen Kostenstelle durch Rogue Wave.

Es ist aber auch damit zu rechnen, dass angesichts der jüngsten Ereignisse immer mehr Firmen und Entwickler das Projekt Zend Framework als nicht zukunftssicher bewerten und daher in neuen Projekten lieber auf Alternativen setzen. Das erzeugt nicht gerade viel Nachfrage nach einer Weiterentwicklung. Allerdings wäre ein Zend Framework nicht das erste quelloffene Softwareprojekt, dessen Abgesang bereits stattgefunden hat und das sich dennoch wie ein Phönix aus der Asche zu neuer Größe erhoben hat. (Stefan Priebsch) / (bbo)