Android 11: Erste Developer-Preview mit neuen Sicherheitsfunktionen, Geräten und 5G-Support

Das kommende Android kennt neue Bildschirmvarianten und erweitert die Connectivity-API für 5G-Geräte.

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(Bild: Benny Marty/Shutterstock.com)

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Google hat eine Developer Preview von Android 11 veröffentlicht. Das erste Android mit einer schlichten Versionsnummer statt eines Buchstaben beziehungsweise einer Süßigkeit erscheint turnusmäßig zum Jahresbeginn und verhältnismäßig früh: Für die vorherigen Varianten bis Android Q hat Google die ersten Versionen im März veröffentlicht. Allerdings handelt es sich diesmal nicht um eine Beta-, sondern eine Preview-Variante, die explizit nur für Entwickler gedacht ist.

Wie üblich ist damit zu rechnen, dass die neuen Funktionen von Android 11 über die ersten drei bis vier Betaversionen verteilt sein werden. Die ersten Neuerungen zielen vor allem auf neue Gerätetypen und die 5G-Infrastruktur. Außerdem hat Google die Sicherheits- und Privacy-Funktionen erweitert. Darüber hinaus gibt es ein Update für Machine Learning auf dem mobilen Endgerät.

Android 10 hatte bereits einige Änderungen bei den Privacy-Funktionen an Bord, darunter der Scoped Storage, der jeder App eine isolierte Sandbox auf externem Storage wie SD-Karten zuteilt. Android 11 führt neue Methoden in der MediaStore-API ein, mit der Apps erweiterten Zugriff auf Dateien wie Fotos, Videos oder Musik beantragen können.

Um die Umstellung für die stärkere Beschränkung der Zugriffsrechte zu vereinfachen, können Apps wie früher weiterhin Zugriff auf Dateien jenseits des eigenen Ordners anfordern, indem sie das requestLegacyExternalStorage-Attribut setzen, das aber nur bis zu API-Level 29, also Android 10 gilt, nicht für vollwertige Android-11-Apps.

Anwender können die Freigabe des Standorts auf die aktuelle Nutzung eingrenzen.

(Bild: Google)

Anwender können Apps zudem für einige kritische Daten wie den Standort, das Mikrophon oder die Kamera eine einmalige Genehmigung erteilen, die nur solange gilt, wie sie die Anwendung nutzen. Beim nächsten Zugriff muss die App somit erneut die Erlaubnis des Nutzers einholen.

Unabhängig von der Android-Version hat Google angekündigt, die Freigabe des Standorts für alle Apps einzugrenzen. So müssen Entwickler, deren Anwendung auf die Standortdaten zugreift, wenn die App nicht im Vordergrund aktiv ist, eine spezielle Genehmigung für Google Play anfordern. Sie müssen erklären, welchen Nutzen der Zugriff im Hintergrund hat, was Nutzer davon erwarten und ob er für die primäre Funktion der App notwendig ist.

Eine App, die Notfall- oder Sicherheitswarnungen basierend auf dem Standort verschickt und die Funktion explizit aufführt, solle demnach eine Genehmigung erhalten, eine App zum Auffinden passender Geschäfte dagegen nicht, weil die Standortabfrage im Vordergrund dafür ausreicht. Die neue Richtlinie gilt offiziell ab April, bringt aber Übergangsfristen mit: Ab Mai können Entwickler die Berechtigung anfordern, ab August ist die Genehmigung für neue Apps erforderlich und ab November müssen Entwickler für bestehende Apps die Genehmigung haben, damit ihre App weiterhin im Google Play verfügbar bleibt.

Android 11 erweitert den ConnectivityManager für Netzwerkverbindungen um zwei Funktionen, die vor allem 5G-Geräten zugute kommen sollen. So ist der in API 21 eingeführte Tag für unbegrenzten Zugang NET_CAPABILITY_NOT_METERED für Mobilfunktnetze mit 5G verfügbar. Auch die Methoden zum Bestimmen der Bandbreite können sie künftig ohne Testzugriff aufs Netzwerk zum Messen abfragen.

Hinsichtlich neuer Bildschirmformate ist Android 11 auf Waterfall Screens (Wasserfall-Displays), bei denen das Bild über den Rand geht, und Pinhole Screens mit einer ausgesparten Kamera im Display vorbereitet, das für das Samsung Galaxy S20 erwartet wird. Für Letzteres hat Google die DisplayCutout-API erweitert, und für Waterfall Screens lässt sich nun die Interaktion in der Nähe des Rands besser steuern.

Google hat die Neural Networks API (NNAPI) für Machine-Learning-Anwendungen (ML) auf Android auf Version 1.3 aktualisiert und dabei erweitert. Neu sind unter anderem erweiterte QoS-Funktionen (Quality of Service), um die Priorisierung und Timeouts beim Ausführen von ML-Modellen zu steuern. Die Memory-Domain-APIs sollen die Kopier- und Transformationsvorgänge beim wiederholten Verwenden von Modellen reduzieren.

Die Authentifizierung am Gerät lässt sich nun in drei Stufen als BIOMETRIC_WEAK und BIOMETRIC_STRONG für biometrische beziehungsweise DEVICE_CREDENTIAL für nicht-biometrische Methoden wie PIN oder Passwort anfordern.

Google hat zudem Methoden eingeführt, die Speicherzugriffsfehler reduzieren sollen, die unter anderem zu Use-After-Free- oder Double-Free-Schwachstellen führen. Das dazu verwendete Tool HWASan ist seit Kurzem für App-Entwickler verfügbar. Einige Maßnahmen zum Schutz vor Fehlern wie die Tagged Pointers können bei Apps mit Speicherfehlern zu vermehrten Abstürzen führen.

Entwickler können ihre Anwendungen auf das kommende Android vorbereiten, indem sie für das targetSdkVersion den Wert "R" setzen. Neu ist die Möglichkeit, einzelne Neuerungen über die Developer-Optionen, logcat oder einen ADB-Befehle zu aktivieren oder zu deaktivieren. Auf die Weise können Entwickler spezifische Funktionen ausprobieren, ohne die SDK-Version (Software Development Kit) zu ändern und die App neu zu kompilieren.

Entwickler können Neuerungen von Android 11 separat ein- oder ausschalten.

(Bild: Google)

Um Entwicklern genügend Zeit zum Testen ihrer Anwendungen hinsichtlich der Stabilität im Zusammenspiel mit Android 11 zu geben, hat Google zudem einen sogenannten Platform Stability Milestone angekündigt, der nicht nur die endgültigen APIs für das SDK und NDK (Native Development Kit) mitbringt, sondern sich auch hinsichtlich der internen APIs und weiterer Rahmenbedingungen so verhalten soll wie das endgültige Release. Der Meilenstein ist für Juni angekündigt.

Android 11 bringt darüber hinaus zahlreiche kleinere Ergänzungen, die sich dem Android-Entwickler-Blog entnehmen lassen. Die Preview ist derzeit nur als manueller Download für Die Google-Geräte der Pixel-Serien 2 bis 4 verfügbar. Wer den Entwicklungen um das kommende Android folgen möchte, findet auf der Android-Preview-Seite eine Zusammenfassung der Neuerungen und Links zu den Images sowie dem SDK für Android Studio. (rme)