Apache NetBeans 11.1 ist das erste Release als Top-Level-Projekt

Nach dem Verlassen der Inkubatorphase bei Apache bringt die Entwicklungsumgebung unter anderem Java-EE-8-Support.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 3 Beiträge
Von
  • Rainald Menge-Sonnentag

Die NetBeans-Community hat Version 11.1 der vor allem auf Java ausgerichteten Entwicklungsumgebung herausgegeben. Neben den technischen Neuerungen ist das Release trotz des kleinen Versionsschritts bemerkenswert, da es das erste als vollwertiges Top-Level-Projekt unter dem Dach der Apache Foundation ist. Bei den Neuerungen ist vor allem die Anbindung an Java EE 8 zu nennen. Daneben gibt es auch für andere Java-Entwickler einige Neuheiten im Editor.

Auf der Enterprise-Java-Seite lassen sich aus der Entwicklungsumgebungen nun Maven- oder Graven-basierte Web-Anwendungen mit Java EE 8 erstellen. Zum Bauen solcher Anwendungen und dem Bereitstellen in einem Java-EE-8-Container dient der neue, auf NetBeans ausgelegte Maven-Archetyp "webapp-javaee8". Auf Seite der Java-Applikationsserver lässt sich NetBeans neuerdings direkt mit Payara verwenden und bietet eine Integration in Glass Fish 5.0.1.

Jenseits der Enterprise-Variante berücksichtigt der Editor einige Neuerungen von Java 11 und 12. So funktioniert die Autovervollständigung für Switch Expressions nun auch für mehrere case-Werte und erweitert damit die in Version 11.0 eingeführte Hilfe zum Erstellen der im JEP-325 (JDK Enhancement Proposal) vorgeschlagenen und mit Java 12 eingeführten Switch Expressions.

NetBeans kann auch für mehrere CASE-Label Autovervollständigung anzeigen.

(Bild: Apache Software Foundation)

Außerdem kann der Editor für Inline-Parameter deren Namen als Hilfe anzeigen. Da die Funktion wohl noch nicht ausreichend getestet ist, müssen Entwickler sie in NetBeans 11.1 manuell aktivieren. Ab Version 12 sollen die Hinweise laut der Diskussion im zugehörigen Pull Request standardmäßig aktiviert sein. Ebenfalls neu ist die Integration für JEP-330, das den Start von Programmen, die aus einer Java-Sourcecode-Datei bestehen, vorsieht.

NetBeans 11.1 bringt zudem einige Ergänzungen für die Anbindung an die Build-Management-Tools Maven und Gradle. Für letzteres ist neben der Java-EE-Anbidnung eine erste Unterstützung modularer Java-Projekte erwähnenswert. Außerdem kann der Editor neuerdings Compiler-Argumente an Maven übergeben, die im <build>-Block unter <compilerArgs> definiert sind. Jenseits von Java bietet NetBeans zudem für PHP-Entwickler eine Anbindung an PHP 7.4 und erweiterte Beispiele für die Skriptsprache. Beispielprojekte existieren neuerdings auch für OpenJFX.

Gradle lässt sich nun auch für modulare Java-Projekte verwenden.

(Bild: Apache Software Foundation)

Die Entwicklungsumgebung NetBeans blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und hat ihre Wurzeln ebenso wie einer der größten Wettbewerber IntelliJ IDEA in der tschechischen Republik. Dort entwickelten Studenten 1996 mit dem Projekt Xelfi die Grundlage für die Gründung der Firma NetBeans. 1999 übernahm Java-Mutter Sun Microsystems das Unternehmen.

Schließlich landete die Entwicklungsumgebung mit der Übernahme Suns durch Oracle beim Datenbankhersteller, der es 2016 an die Apache Software Foundation übergeben hat. Dort durchlief es dann zunächst die als Inkubator bezeichnete Bewährungsphase, die es im April diesen Jahres, kurz nach dem Release von NetBeans 11.0 erfolgreich verlassen hat.

Trotz namhafter Wettbewerber wie IntelliJ IDEA und der Eclipse IDE hat NetBeans eine treue Nutzerschaft. Einer der prominentesten Vertreter dürfte Java-Vater James Gosling sein, der bereits den Endspurt der Betaphase von NetBeans 11.1 auf Twitter begrüßt hat.

Weitere Details zu den Neuerungen in NetBeans 11.1 lassen sich der offiziellen Ankündigung entnehmen. Die Download-Seite bietet Links zu ZIP-Archiven mit den Binaries und eine Anleitung zum Build aus dem Sourcecode. NetBeans 11.1 ist nicht nur das erste Release als Top-Level-Projekt bei der Apache Software Foundation, sondern läutet gleichzeitig den vierteljährlichen Releasezyklus ein, der jeweils eine Hauptversion im April und anschließend im Dreimonatstakt drei Nebenversionen vorsieht. (rme)