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Apples Programmiersprache Swift: Eine Bilanz ein Jahr nach der Vorstellung

Mit die größte Überraschung der letztjährigen WWDC war die Vorstellung der Programmiersprache Swift, die das 30 Jahre alte Objective-C beerben soll. Zeit für ein Zwischenfazit.

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Apple stellt Swift vor - ein Jahr später

Ein Jahr ist es schon her, dass Apple auf der eigenen Worldwide Developers Conference zur Überraschung vieler die Programmiersprache Swift vorstellte. Kurze Zeit später kam heraus, dass ihre Entwickler damals bereits rund vier Jahre hinter verschlossenen Türen an der Sprache gewerkelt hatten.

In ihr sind unter anderem Anleihen aus Go, JavaScript und Groovy zu finden, da die Entwickler getreu einem Multiparadigmenansatz versuchten, das Beste aus anderen Sprachen zu vereinen. Neben der Geschwindigkeit war ihnen wohl wichtig, Swift so zu gestalten, dass man damit besonders sichere Programme schreiben kann. Die Sprache nutzt LLVM als Compiler-Infrastruktur und verhält sich nativ zu den Frameworks Cocoa und Cocoa Touch. Selbst in puncto Performance scheint man mittlerweile nah an der von C++ zu sein, wie der iPhone-App-Experte Paul Solt kürzlich bestätigte.

Auf der WWDC war Swift als Beta-Release vorgestellt worden, im September folgte dann die Version 1.0. Das derzeit aktuelle Release ist seit Februar 2015 Swift 1.2; es will mit Compiler-Verbesserungen und in Sachen Performance punkten.

Auf dem Weg, sich zu etablieren

Mittlerweile ist die Sprache in unterschiedliche Programmiersprachenranglisten wie TIOBE (18. Position), PYPL (11.) und der von RedMonk (22.) eingezogen. In Umfragen genießt sie einen hohen Hype-Faktor mit der Folge, dass viele Entwickler gerne mit ihr arbeiten möchten. Und auch auf dem weltweit größten Entwickler-Repository-Dienst GitHub finden sich bereits einige Hundert Swift-Projekte.

Viel wichtiger ist aber, dass Swift von Beginn an als Objective-C-Alternative wahrgenommen wurde. Denn genau dafür hat Apple die Sprache ins Spiel gebracht: Swift soll über kurz oder lang den in die Jahre gekommenen und gerade von Quereinsteigern ungeliebten C-Abkömmling ablösen.

Die Experten von ThoughtWorks' Technology Radar geben deswegen die Empfehlung aus, strategische iOS-Anwendungen mit der neuen Sprache zu entwickeln, selbst wenn sie im Vergleich zum ausgereiften Objective-C noch Schwächen aufweise. Andere wie Mac-Entwickler Wil Shipley formulieren es drastischer: Aufgrund von Swift müsse kein Programmierer mehr mit Objective-C – der "crapshack of a language" ("Mistbude von einer Sprache") – arbeiten. Hinzu kommt, dass Apple von Beginn an etliche Hilfsmittel bereitgestellt hat, um mit Objective-C geschriebene Programme nach Swift zu migrieren. Deswegen wurde Swift mit der Maßgabe entwickelt, möglichst kompatibel mit Objective-C zu sein.

Noch nicht das Ende der Fahnenstange

Außerdem wächst das Ökosystem rund um die Sprache kontinuierlich. Die meisten wichtigen Tool-Hersteller der OS-X- und iOS-Szene warten mittlerweile mit Support für die neue Programmiersprache auf, ganz zu schweigen davon, dass Apple von Beginn Unterstützung in der eigenen Entwicklungsumgebung Xcode bot.

Zweifelsohne ist Swift noch jung – fünf Jahre Entwicklung sind bei Programmiersprachen nicht viel –, doch die Neuerungen bei Swift 1.2 haben gezeigt, dass die Sprachentwickler weiterhin bemüht sind, Fortschritte in verschiedenen Richtungen zu erzielen, denn die Arbeiten an der Sprache sind keineswegs abgeschlossen. Apple hat also anscheinend bei Swift bislang ziemlich viel richtig gemacht, und es ist durchaus damit zu rechnen, dass der Konzern auf der WWDC 2016 nächste Woche Neuigkeiten zu Swift bereithält.

Siehe dazu auf heise Developer:

(ane)