Build 2015: Hintergründe zu Visual Studio Code

Kein Geringerer als Erich Gamma steckt hinter der Entwicklung des neuen plattformunabhängigen Editors Visual Studio Code, der gestern erstmals der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde.

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Build 2015: Hintergründe zu Visual Studio Code

Am Mittwoch hat Microsoft auf der Entwicklerkonferenz Build 2015 den neuen plattformunabhängigen Editor Visual Studio Code mit IntelliSense, Debugger und Git-Integration vorgestellt. Bis auf den Namen hat der Editor wenig mit der bisherigen Entwicklungsumgebung Visual Studio gemein. Diese ist in C++ und C# geschrieben. Visual Studio Code ist hingegen eine auf plattformneutralen Webtechniken basierende Anwendung: Die Oberfläche ist HTML mit JavaScript, wobei die JavaScript-Abstraktion TypeScript zum Einsatz kam, um die Entwicklung besser handhabbar zu machen.

Gehostet werden HTML und JavaScript in Chromium, der Open-Source-Variante von Googles Webbrowser Chrome. Daher startet Visual Studio Code wie eine normale Desktop-Anwendung (.exe unter Windows). Mit dem Internet Explorer Web Browser Control hätte man Gleiches auch erreichen können, aber eben nur unter Windows. Die HTML- und JavaScript-Dateien von Visual Studio Code findet man unter C:\Users\(NAME)\AppData\Local\Code\app-0.1.0.

Microsoft verwendet Chromium nicht direkt, sondern nutzt das quelloffene Electron-Framework, das aus dem Editor Atom entstanden ist. Damit kommt auch die Node.js-Abspaltung io.js zum Einsatz. Im Installationsverzeichnis von Visual Studio Code findet man Dateien, die "Atom" im Namen tragen. Das bedeutet aber nicht, dass hier der Quellcode von Atom verwendet wurde, sondern einige Dateien aus dem Electron-Framework tragen diesen Namen noch, weil das Framework früher "Atom Shell" hieß.

Die Ursprünge von Visual Studio Code findet man in den Internet Explorer Developer Tools (F12 Tools) und dem Online-Editor Monaco in Visual Studio Online. Damit ist auch klar, wer die Federführung bei Visual Studio Code hatte: kein geringerer als Gang-of-Four-Mitglied Erich Gamma, der nach seiner Arbeit an Eclipse zu Microsoft wechselte und dort Monaco entwickelte.

Ein weiterer Baustein von Visual Studio Code ist der OmniSharp Language Service, der die IntelliSense-Eingabeunterstützung bereitstellt. OmniSharp wiederum verwendet die Roslyn-Compiler für C# und TypeScript. Visual Studio Code unterstützt IntelliSense aber noch nicht für alle Programmiersprachen.

Auch wenn Visual Studio Code sehr viele Open-Source-Projekte verwendet, ist der Editor selbst bisher nicht Open Source. Ebenso hat das Projekt bisher keine Erweiterungsmöglichkeiten. Das heißt, Nutzer können keine neuen Features oder weitere Sprachen integrieren. "An der Erweiterbarkeit arbeitet unser Entwicklungsteam in diesem Sommer", sagte Erich Gamma am Mittwoch. (Holger Schwichtenberg) / (ane)