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Der wohlwollende Diktator: Python-Erfinder Guido van Rossum tritt zurück

Nach dem Streit um ein neues Feature für die Programmiersprache Python tritt Guido van Rossum von seinem Amt als "wohlwollender Diktator" der Sprache zurück.

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Der wohlwollende Diktator: Python-Erfinder Guido van Rossum tritt zurück

(Bild: Pixabay)

Guido van Rossum, Erfinder der Programmiersprache Python, hat sein Amt als Benevolent Dictator for Life (BDFL) der Sprache abgelegt. Das hat er selbst in einem Beitrag der Python-Mailingliste bekanntgegeben. Als Grund dafür gibt er die schwierige Entscheidungsphase bezüglich des Python Enhancement Proposal (PEP) 572 an: "ich möchte nie so hart für eine PEP kämpfen müssen, nur um dann feststellen zu müssen, dass so viele Menschen meine Entscheidung verachten", so van Rossum.

Beim PEP 572 handelt es sich um einen Vorschlag seitens van Rossum, Assignment Expressions in die Sprache einzuführen. Damit können Entwickler in einem Ausdruck mit der Anmerkung NAME := expr. eine Variable zuordnen. Der Vorschlag erschien erstmals am 28. Februar 2018 und führte seitdem zu hitzigen Diskussionen in der Python-Community. Van Rossum selbst sah sich am 6. Juli von der schieren Anzahl der Kommentare überrumpelt, und versprach eine Überarbeitung des PEP, um für Klarheit zu sorgen. Am 11. Juli nahm van Rossum den Vorschlag dann endgültig an. "Ich bin müde und brauche jetzt eine lange Pause", schreibt van Rossum in seiner Rücktritts-E-Mail.

Die Bezeichnung BDFL, zu Deutsch "Wohlwollender Diktator auf Lebenszeit", bezeichnet in der Open-Source-Community eine Person, ohne die eigentlich keine Entscheidung in einem Projekt getroffen werden kann. Meist handelt es sich dabei um den Gründer eines Projekts. Tatsächlich geht die Phrase selbst wohl ebenfalls auf van Rossum zurück. In einer Mail aus dem Jahr 1995 bezeichnet Ken Manheimer (Entwickler von Zope und GNU Mailman) van Rossum erstmals als ebensolchen Diktator.

Van Rossum selbst bestimmt keinen Nachfolger für diese Position. Stattdessen möchte er die Entscheidung, wie es mit Python weitergeht, ganz in die Hände der Community legen. Van Rossum stellt die Fragen: "Was werdet ihr alle machen? Erschafft ihr eine Demokratie? Anarchie? Eine Diktatur? Eine Föderation?"

Laut eigenen Aussagen wird sein Weggang keine Auswirkungen auf das Tagesgeschäft haben. Man habe ihn eh selten um seine Meinung bezüglich des Issue Tracker auf GitHub gefragt, und in der Regel wäre es sowieso nicht wichtig gewesen. Die zwei größten Entscheidungen wären hingegen, wie künftig die Entscheidung zu PEPs gefällt wird und wie neue Kern-Entwickler für Python bestimmt werden. Lösungsvorschläge bietet van Rossum selbst keine an. (bbo)