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Digia will Qt in eigenes Unternehmen auslagern

Um Qt besser auf dem Entwickler-Markt platzieren zu können und zurück zu einer gemeinsamen Basis für das kommerzielle und das offenen Angebot zu gelangen, soll das Framework in einer Ausgründung ein neues Zuhause finden.

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Digia plant, für die Arbeiten am Qt-Framework ein eigenes Unternehmen zu gründen. Momentan sei das Angebot zu fragmentiert, um sich gegenüber Mitbewerbern durchsetzen zu können. Der kommerzielle Erfolg sei aber notwendig, um das Open-Source-Projekt am Leben zu halten, da im Moment etwa 75 Prozent der Commits dazu von Digia-Mitarbeitern stammen. Darüber hinausgehende Bemühungen im Zusammenhang mit Release Management, Infrastruktur und Tests erhöhen Digias finanzielles Engagement auf 85 Prozent der Gesamtkosten von Qt.

Schon seit dem Beginn des Projekts seien Lizenzeinnahmen für dessen Fortschritt von Bedeutung gewesen, klärt Entwickler Lars Knoll in einem Blogeintrag zum Thema auf. In den letzten Jahren hätten sich kommerzielles und freies Angebot allerdings so stark voneinander entfernt, dass man häufig in Konkurrenz mit sich selbst trete. Eigene Pakete für beide Varianten machten darüber hinaus den Umstieg auf eine Bezahlversion schwierig und die separaten Webpräsenzen beider Zweige täten ihr Übriges, um eine akkurate Darstellung von Qt zu erschweren.

Aus diesen Gründen habe man bei Digia beschlossen, das Qt-Geschäft in ein eigenes Unternehmen auszulagern. qt.digia.com werde im Zuge dessen eingestellt und die Inhalte in qt-project.org eingepflegt. Darüber hinaus wolle man die unterschiedlichen Pakete vereinheitlichen, sodass es nur noch ein Installer-Set für die Open-Source- und die Enterprise-Version gebe. Entwickler haben so die Möglichkeit, sich erst mit dem Framework vertraut zu machen und dann ohne die vorher nötigen Umwege für den beruflichen Gebrauch auf das kommerzielle Angebot umzusteigen. Die Zusammenlegung an der Stelle sei aber auch dem Release-Prozess zuträglich, sodass am Ende ein besseres Produkt stünde.

Der Schritt sei mit den wichtigsten Projektmitarbeitern auf der Qt Contributor Summit im Juni besprochen wurden. Digia hatte die Qt-Sparte und die damit zusammenhängende Technik im Herbst 2012 von Nokia übernommen, nachdem man im Jahr zuvor bereits das Geschäft mit den kommerziellen Lizenzen gekauft hatte. Nokia wiederum hatte Qt 2008 von Trolltech akquiriert. Qt ist ein Framework zur plattformübergreifenden Programmierung von Anwendungen und Benutzeroberflächen. Für die Entwicklung kommt meistens C++ zum Einsatz, es gibt allerdings auch Erweiterungen, um andere Sprachen einzusetzen (z.B. JavaScript zum Erstellen von UIs). (jul)