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Einigung durch Abspaltung: PHP-Community erwägt PHP-Dialekt P++

Um die Streitigkeiten rund um die Zukunft der Skriptsprache PHP beiseite zu legen, spielt die Community mit dem Gedanken eines neuen Sprachdialekts: P++.

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Zeev Suraski, seines Zeichen PHP-Core-Contributor und Gründer der Firma Zend Technologies, hat in der PHP-Community einen Vorschlag unterbreitet, der die Zukunft der Programmiersprache PHP ordentlich umkrempeln könnte. Suraski möchte einen neuen PHP-Dialekt unter dem Arbeitstitel P++ starten, der friedlich neben PHP existieren soll – völlig frei von den Altlasten und der Historie der eigentlichen Skriptsprache.

P++ solle in puncto Breaking Changes deutlich radikaler sein und existierenden "Ballast" wie Short Tags über Bord werfen. Der Dialekt soll aber auch komplexere Features einführen, die gut zu einer Skriptsprache passen, aber zu viel Komplexität für klassisches PHP bedeuten würden.

Wie zu erwarten, hat der Vorschlag in der PHP-Gemeinde für viel Diskussionsstoff gesorgt. Unter dem Originalbeitrag mit den ersten Gedanken finden sich unzählige Kommentare, die den neuen Dialekt im Detail diskutieren. Derick Rethans, ein bekannter PHP-Entwickler, hat eine Umfrage gestartet, in der der innere Kreis der PHP-Community dazu abstimmen kann, ob das Projekt überhaupt umsetzbar ist. Mit einer klaren Antwort: Zum aktuellen Zeitpunkt hat von 14 Abstimmenden jeder mit einem klaren "Nein" gestimmt.

Eine vergleichbare Frage bringt für Rethans auf Twitter ein ähnliches Ergebnis: Ob P++ aufregend oder eher eine Ablenkung vom Wesentlichen sei, stimmten von über 100 Teilnehmern rund 73 Prozent mit "Ablenkung" ab. Ob P++ also tatsächlich Form annimmt oder doch gleich wieder verworfen wird, wird sich erst noch zeigen.

Eine interne Umfrage zur Umsetzbarkeit von P++ fällt deutlich aus

(Bild: PHP.net)

In einem Beitrag im PHP-Wiki betont Suraski mehrmals, dass es sich bei P++ nicht um einen Fork für PHP handeln soll. Die Codebasis bliebe seiner Auffassung nach gleich und auch die an der Sprache arbeitenden Entwickler wären dieselben. Es gäbe nur in spezifischen Fällen Unterschiede in den beiden Implementierungen. Wer PHP installiert, verfügt genauso über P++ und umgekehrt, so Suraskis Gedankengang.

Suraski sieht in diesem Vorgehen eine Reihe an Vorzügen: Es würde zunächst die schier unendliche Diskussion in der PHP-Community beenden, da jedes Lager seine Wünsche erfüllen könnte. Wer die dynamisch typisierte Natur von PHP mag, dürfte sie beibehalten, während jene Entwickler, die eine stärker typisierte Version der Sprache wünschen, diese selbst weiterentwickeln könnten. Darüber hinaus könne ein Neustart unter dem P++-Banner positive Marketingeffekte für die Sprache mit sich ziehen, da Unternehmen eher Interesse an einem Start von P++ haben könnten als an einer neuen Version von PHP.

Mögliche Bedenken versucht Suraski gleich zu entkräften: Da die Codebasis größtenteils identisch wäre, würde sich der Entwicklungsaufwand nicht automatisch verdoppeln. Entwickler könnten frei wählen, ob sie ihre Applikationen in PHP oder P++ schreiben, und hätten im Zweifel beides installiert. Eine mögliche Spaltung der Nutzer sieht er durchaus – aber die herrsche seiner Meinung nach sowieso vor.

Um eine erste Version für P++ auszuliefern, stehen jedoch eine Reihe an notwendigen Arbeiten im Raum. Ein richtiger Name müsse gefunden werden. Außerdem sollte eine erste Version im besten Fall gleich alle Änderungen vollziehen, die für den Sprachdialekt entscheidend sind, damit Umsteiger nicht ständig mit aufwendigen Refactoring-Prozessen zu kämpfen haben.

Ein Beitrag der PHP-Mailingliste liefert weitere Details. Der neue Dialekt soll demnach nicht nur in puncto Typen strikt sein, sondern auch mit Ops und Deklarationen von Variablen. Denkbar wäre auch deine Änderung des Array-Verhaltens im Umgang mit Integern oder Zahlen, die wie Integer aussehen. Da P++ ein freiwilliger Umstieg wäre, müsse man sich keine großen Sorgen um etwaige Breaking Changes machen und könne sich gleich von allen Spracheigenschaften trennen, die man gerne loswerden würde.

Eine Alternative zu PHP: Das gab es schon mal, und zwar aus dem Hause Facebook. Das Unternehmen hatte 2014 mit Hack eine eigene PHP-Variante vorgestellt, die im Zusammenspiel mit der hauseigenen HHVM (Hip Hop Virtual Machine) funktioniert. Mittlerweile hat sich das Projekt komplett von einem Support für PHP verabschiedet.

Suraski zufolge soll die P++-Idee aber nicht wie Hack ablaufen. Zum einen stünde kein einzelnes Unternehmen dahinter, sondern ein Prozess, der die komplette Community und viele Freiwillige einbindet. Zum anderen verfüge Hack – selbst mit Facebook im Rücken – nicht über denselben Verbreitungsmechanismus, wie P++ es hätte, da es in der PHP-Community verankert wäre. Zusätzlich würde sich für Neugierige der Installationsprozess kaum unterscheiden.

[Update, 15.08.2019, 8:23]: Im Zuge der eindeutigen Umfrageergebnisse – weiterhin 100 Prozent der mittlerweile 30 Stimmen antworteten mit "Nein" – hat sich Suraski auf Twitter erneut zum Thema zu Wort gemeldet. Nach seiner Aussage würde P++ scharfe Kritik dafür bekommen, eine Spaltung zu propagieren, mit der es seiner Meinung nach nur versucht umzugehen. Er würde deshalb vorerst keine weitere Zeit in die Idee stecken wollen, da es wohl noch zu früh sei. Er wolle sie erneut diskutieren, wenn die Community verstanden habe, dass eine Aufspaltung von PHP wohl unumgänglich ist. (bbo)