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Embarcadero: "Delphi ist für uns ein Kernprodukt"

Nach der Schließung des spanischen Entwicklungsbüros sprach heise Developer mit dem General Manager von Embarcaderos Entwicklungswerkzeugsparte darüber, wie es weitergeht mit Delphi, C++ Builder und RAD Studio.

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Embarcadero

Letzte Woche wurde bekannt, dass Embarcadero das spanische Entwicklungsbüro schließt und die dort beschäftigten 80 Mitarbeiter entlässt. Nach dem Ausscheiden des Delphi-Chefentwicklers Allen Bauer im Februar verunsicherte die Meldung erneut vor allem die Delphi-Community. Schon bei der Übernahme Embarcaderos durch den Datenbankenspezialisten Idera fragten sich die Entwickler, wie die neue Mutter Borlands Erbe aus Delphi, C++ Builder und dem daraus entstandenen RAD Studio weiterführt. heise Developer bat Atanas Popov, der bei Embarcadero als General Manager of Application Development Tools Business tätig ist, um ein Gespräch. Er erläuterte uns die Pläne des Unternehmens.

Effizienter mit externen Firmen

Atanas Popov

Idera setzt von jeher auf externe Teams statt interne Entwickler. Der Großteil der Datenbankwerkzeuge im Unternehmensportfolio entsteht in Indien, Russland und der Ukraine. Inhouse gebe es vor allem Projektmanager und Architekten, die die einzelnen Projekte lenken. Diese Strategie habe sich als einerseits ökonomisch sinnvoll und andererseits äußerst effizient erwiesen. Embarcadero habe vor der Übernahme bereits mit verteilten, wenn auch internen Teams gearbeitet. Die Abstimmung habe dabei nicht immer gut funktioniert. So habe Idera für jedes Team kleine Aufgaben mit klaren Requirements, was bei Embarcadero nicht der Fall gewesen sei.

Die betroffenen Mitarbeiter werden nicht in die weitere Planung der Entwicklung bei Embarcadero einbezogen. Popov betont jedoch, dass die Schließung nichts mit der Arbeit der spanischen Entwickler zu tun habe. Dennoch werde man die entsprechenden Bereiche nun an die bereits unter Vertrag stehenden Firmen weitergeben, sie also nach Indien, Russland und die Ukraine verlagern.

Popov ist zuversichtlich, dass die neuen Teams die Arbeit problemlos aufnehmen können. In Spanien wurde vor allem die IDE, die Installer, GetIT, Datenbank-Tools und Anbindungen für das Internet der Dinge erstellt. All dies seien Standardaufgaben, und die IDE wolle man ohnehin moderner gestalten, sodass dabei ein Wechsel hilfreich sein könne.

Delphi-Compiler und Linux

Der Delphi-Compiler als Herzstück der Sprache entsteht weiterhin inhouse im US-Amerikanischen Embarcadero-Team. Im Gegensatz zur IDE sei der Compiler ein Alleinstellungsmerkmal und eine wichtige Grundlage für die Zukunft der Sprache. Diese Zukunft sieht Popov verstärkt auf der Linux-Plattform. Zwar plant das Unternehmen keine IDE für das Betriebssystem, aber der Delphi-Compiler für Linux sei als wichtigster nächster Schritt geplant und soll auf jeden Fall Bestandteil des nächsten großen Release werden. Embarcadero will damit Delphi zu einer stärkeren Präsenz auf Servern verhelfen. Im Mai hatte Embarcadero RAD Server veröffentlicht, der derzeit nur auf Windows-Systemen läuft, aber künftig ebenfalls unter Linux arbeiten soll.

Nach der künftigen Release-Strategie gefragt, meinte Popov, dass seine Team anders vorgehen wolle als die vorherigen Verantwortlichen. So wolle man jährlich nur noch eine Hauptversion herausbringen, die durch kleine Updates ergänzt werde. Es sei jedoch durchaus möglich, dass trotz des Berlin-Releases vom April dieses Jahr noch eine weitere Version herauskommt. Durch die Schließung des spanischen Büros werde es kaum zu Verzögerungen kommen, sondern man würde in den nächsten drei bis vier Monaten produktiver sein als zuvor.

Strategie für Gurock und TestRail

Idera hatte kurz nach Bekanntwerden der Entlassungen in Spanien die Übernahme der deutschen Firma Gurock bekanntgegeben. Deren Kernprodukt TestRail ist eine Testmanagement-Software, die besser zu den Entwicklerwerkzeugen Embarcaderos passt als zu den Datenbank-Tools der Mutter. heise Developer wollte wissen, wie sich Atanas Popov die Zukunft Gurocks vorstellt und was es mit dem Versprechen auf sich habe, dass alle Mitarbeiter an Bord bleiben.

Gurock soll laut Popov zumindest anfangs so weiterarbeiten wie bisher. Man liebe bei Idera die Gurock-Brüder und die effiziente Art, wie sie ihre Arbeit verrichten. Es sei beeindruckend, was sie mit dem kleinen Team auf die Beine gestellt hätten. Daher wolle man daran nichts ändern. Eine Auslagerung in externe Firmen sei somit kein Thema, aber man könne sich vorstellen, dass diese das Kernteam unterstützen.

Kurzfristig sei nicht geplant, dass Gurock Bestandteil von Embarcadero werde, aber natürlich passten sie dort am besten hin. Mittelfristig könnten sie somit Bestandteil der von Embarcadero vertretenen DevOps-Gruppe innerhalb Ideras werden, aber konkrete Pläne gäbe es noch nicht. (rme)