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Entwickler-Konferenz WeAreDevelopers in Deutschland gestartet

Mit Namen wie Garry Kasparov, John Romero und Rasmus Lerdorf lockt die zweitägige Veranstaltung tausende Entwickler auf das Berliner Messegelände.

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(Bild: Herbert Braun / heise online)

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Erstmals wagt sich die österreichische Jobvermittlungsplattform WeAreDevelopers mit ihrer Entwicklerkonferenz nach Deutschland. Der WeAreDevelopers World Congress 2019 fährt seit Donnerstag zwei Tage lang große Namen auf, bringt weit über hundert Sessions, die sich auf acht Tracks verteilen, und lockt damit mehrere tausend Entwickler auf das Berliner Messegelände.

Ziel der Veranstaltung ist es, Entwickler und Unternehmen zusammenzubringen, sagen die WeAreDeveloper-Gründer Sead Ahmetovic und Benjamin Ruschin. Für Berlin entschieden sich die beiden, weil es einer der wichtigsten Tech-Hubs in Europa sowie ein offener und liberaler Ort ist.

Die Veranstaltungen von WeAreDevelopers gruppieren sich lose in die Bereiche "Constructing Worlds", "Controlling Complexity", "Applying Disruption", "Unchaining Engineering" und "Coding Society". Daneben gibt es auf der "Executive Stage" Vorträge, die sich eher an Entscheider als an Entwickler richten. Ein Ausstellungsbereich und Workshops runden das Angebot ab. Berliner Partner des österreichischen Unternehmens ist die FactoryBerlin, ein Startup-Accelerator und Co-Working-Space.

Zu Beginn sprach der langjährige Schachweltmeister Garry Kasparow über die Zukunft kreativer Menschen in einer Welt intelligenter Maschinen. Obwohl Kasparow 1997 sensationell ein Match gegen den Schachcomputer Deep Blue verlor, sorgt er sich nicht über die Folgen des Wandels durch immer fähigere Künstliche Intelligenz (KI) – für problematisch hält er eher die Angst und übertriebene Regulierung, durch die vor allem Europa international zurückfällt. Kasparow spricht lieber von "Augmented Intelligence" und plädiert für Pragmatismus.

Digitalisierungs-Staatsministerin Dorothee Bär schwänzte für ihre Rede vor dem Kongress eigens eine Bundestagssitzung. Sie wünschte sich, dass Entwickler mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, und betonte die besondere Rolle Berlins in der deutschen IT-Branche. Offenbar sorgt sie sich vor einem Brain Drain: Die hier lebenden Entwickler bat sie zu bleiben und die anderen, hierher zu ziehen.

Die größte Fangemeinde zog der Spieleentwickler John Romero an, der insbesondere durch die Entwicklung von "Doom" berühmt wurde. Sein Vortrag führte in die Mitte der 90er-Jahre, als Romeros Studio id Software mit "Quake" 3D-Grafik auf ein neues Level brachte – allerdings um den Preis, dass die zermürbende Entwicklung das Team auseinanderbrachte und Romero sein Unternehmen verließ.

Ebenso wie Kasparow stellte sich Romero später Herausforderern aus dem Publikum: Während Kasparow ein kleines Schach-Simultan an zehn Brettern gab (Ergebnis: 10:0), durften Besucher gegen Romero im Doom-Deathmatch antreten.

Vermutlich jeder Zuhörer im riesigen Saal der Main Stage nutzt regelmäßig die Dienste des von Joel Spolsky gegründeten Unternehmens: die Frage-Antwort-Plattform Stack Overflow. Spolsky sprach sich dafür aus, mit Antworten auf konkrete Entwicklerfragen klassische Dokumentation zu ersetzen: "Niemand will eine Dokumentation schreiben, niemand will sie lesen." Um Stack Overflow nützlich zu halten, bedarf es jedoch einiger Regeln, die nicht jeder sofort einsieht, etwa "Frage nichts, was eine Antwort vom Umfang eines Buches erfordert". Spolsky forderte das Publikum auf, Entwicklerinnen aktiv willkommen zu heißen, denn anders als die große Mehrheit zu sein, macht es anstrengend, eine Plattform zu nutzen.

Bekanntester Name des zweiten Veranstaltungstages am Freitag ist Rasmus Lerdorf, der auf 25 Jahre PHP zurückschaut. Eine Neuauflage für 2020 in Berlin ist geplant, zuvor steht Ende November in Wien der "Vienna Congress" von WeAreDevelopers an. (Herbert Braun) / (olb)