Menü
Developer

Entwicklungsumgebung RAD Studio 10.3 erweitert Delphi

Das neu herausgegeben Release bietet zudem eine überarbeite Nutzerschnittstelle und verbesserte Autovervollständigung für C++.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 97 Beiträge
Entwicklungsumgebung RAD Studio 10.3 erweitert Delphi

Embarcadero hat RAD Studio, Delphi und C++Builder in Version 10.3 veröffentlicht. Mit dem Beinamen des Tools setzen die Entwicklungsumgebungen die Weltreise fort: Nach Seattle (10), Berlin (10.1) und Tokyo (10.2) folgt nun Rio. Die Versionierung in der Nachkommastelle ist ebenfalls Tradition, sodass 10.3 ein Major Release ist, das sowohl für C++- als auch für Delphi-Entwickler Neuerungen an Bord hat und gleichzeitig optisch überarbeitet daherkommt.

Der Win32-Compiler für C++ setzt jetzt standardmäßig auf C++17 für alle Projekte, die älteren Varianten C++14, C++11 und C++98/03 sind jedoch weiterhin über Project Options | C++ Compiler verfügbar. RAD Studio und C++Builder verwenden zudem nun per Default einen Clang-basierten Compiler. Dieser ermöglicht nicht nur C++17, sondern soll auch für verbesserte Autovervollständigung sorgen, da er auf das 2016 eingeführte Language Server Protocol setzt, das unter anderem auch Visual Studio Code, die Eclipse IDE, Atom, Emacs und vim verwenden. Für Win64 haben die Macher die C++-Math-Funktionen durch performantere Varianten neu implementiert, die im Schnitt doppelt so schnell arbeiten sollen.

Delphi-Entwickler finden gleich zwei größere Neuerungen in RAD Studio und Delphi. Zum einen lassen sich nun Variablen inline deklarieren. Bisher mussten alle Variablen und Konstanten in einem var- beziehungsweise const-Block vor der Funktion, Methode oder Prozedur stehen. Mit Version 10.3 können Entwickler sie innerhalb des Codes deklarieren und ihnen wie in anderen Sprachen dabei direkt einen Wert zuweisen. Variablen lassen sich ebenso in verschachtelten Codeblöcken deklarieren, worauf sie nur innerhalb des jeweiligen Blocks sichtbar sind.

Für Inline-Variablen dürfen Entwickler auf Typinferenz setzen, also auf Typangaben verzichten. Delphi ermittelt wie andere Programmiersprachen den Typ aus dem Wert der Zuweisung. Erwähnenswert ist zudem, dass C++ und Delphi nun ein kompatibles Application Binary Interface (ABI) haben, was das Zusammenspiel verbessern soll.

Optisch folgen die Entwicklungsumgebungen dem Trend anderer IDEs und bieten wahlweise ein Dark- und ein Light-Theme. Entwickler können neuerdings während der Installation auswählen, welche Komponenten sie in der UI benötigen. Zudem soll das Hauptfenster nun übersichtlicher sein. Insgesamt habe man sich an der Oberfläche anderer Entwicklungsumgebungen wie Visual Studio orientiert, meinte Atanas Popov, General Manager of Application Development Tools Business bei Embarcadero, im Gespräch mit heise Developer.

Die Entwicklungsumgebung wirkt übersichtlicher und bietet Light- und Dark-Themes.

(Bild: Embarcadero)

Die Visual Component Library (VCL) bietet ein ImageList-Element für High-DPI-Displays. Außerdem skalieren VCL-Anwendungen nun korrekt beim Verwenden mehrere Monitore mit unterschiedlicher DPI-Skalierung.

RAD Studio ist mit dem aktuellen Release wieder auf dem vom Google Play Store geforderten API-Level 26, nachdem es im August hinterherhinkte. Außerdem bietet Delphi nun Anbindung für das mit API-Level 23 erweiterte Android Permission Model. In RAD Studio 10.3 lassen sich native und FireMonkey-Steuerelemente besser kombinieren, sodass unter anderem erstere nicht letztere überdecken, wenn sie im selben Formular sind. Schließlich verwenden native Elemente standardmäßig Material Design auf Android ab Version 5.0. Entwickler für Apples Mobilplattform können nun iOS 12 als Zielplattform angeben.

Weitere Neuerungen wie die erweiterten Datenbankfunktionen lassen sich der offiziellen Ankündigung entnehmen. Seit Juli sind Delphi und C++ auch als kostenfreie Community-Edition verfügbar. Außerdem bietet Embarcadero neuerdings wahlweise ein Abomodell für C++Builder. Entwickler können aber nach wie vor eine Kauflizenz erwerben. (rme)