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Erste Beta für Qt 5.0 erschienen

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Die Qt-Entwickler haben inmitten ihres vollständigen "Umzugs" von Nokia zu Digia und der dadurch entstandenen Verzögerungen die ursprünglich schon für Juni 2012 angekündigte Beta-Version von Qt 5.0 veröffentlicht. Die Beta für das erste "größere" Release seit sieben Jahren wartet mit einer Reihe neuer Features auf. Das Wichtigste darunter dürfte die neue offene Architektur für das Projekt sein, mit der die Hoffnung auf schnelleres Entwickeln und Testen verknüpft wird. Im eigentlichen Code-Bereich liegt der Fokus auf besseren Designtools für Benutzeroberflächen und einer höhere Rendering-Geschwindigkeit für eine flüssigere Bedienung von Anwendungen.

In funktionaler Hinsicht hat sich beim C++-Framework ebenfalls einiges getan. Eine neue Version von Qt Quick (dem UI-Toolkit auf Basis von QML, JavaScript und CSS) ist zu einem wesentlichen Bestandteil des Frameworks geworden. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Scenegraph-Komponente gelegt, die für Qt Quick anscheinend optimiert wurden und die Integration von OpenGL-Inhalten wie Shader-Effekte und -Partikel erlaubt.

Die Unterstützung von JavaScript und QML in Qt Quick haben die in das unabhängige Modul Qt QML ausgelagert, das auch durch die Verwendung der JavaScript-Engine V8 an Geschwindigkeit zulegen soll. Die Webkit API hat sich gegenüber Qt 4.x nicht groß geändert, soll jedoch ebenfalls in Sachen Geschwindigkeit gewonnen haben und ein paar neue Features für Weboberflächen bieten. Die Entwickler planen, das WebKit-Modul in "Qt Webkit Widgets" umzubenennen und eine auf WebKit2 beruhende QML-Komponente einzuführen.

Einige nützliche Verbesserungen bringt auch Qt Core mit. Die neue Klasse QStandardPaths beispielsweise liefert einer Anwendung das Standardverzeichnis für Dateien. Ein JSON-Parser ist hinzugekommen, zusammen mit einem geschwindigkeitsoptimierten Binär-Format für das Datenformat. Die MIME-Typ-Erkennung hat sich offenbar verbessert und eine Perl-kompatible Engine für reguläre Ausdrücke wurde ebenfalls ergänzt. Für Signal-/Slot-Verbindungen, dem Kernkonzept des Qt-Paradigmas, gibt es eine neue Syntaxprüfung während des Kompilierens, und einige Datenstrukturen sind umgeschrieben worden. Dazu gibt es C++11-Unterstützung dort, wo es, so die Entwickler, sinnvoll sei.

Weitere Neuerungen sind der Einzug von OpenGL in Qt GUI, die Unterstützung von DNS-Lookups und das Entfallen der Klassen QHttp und QFtp in Qt Network sowie die Verschiebung der Qt GUI Widgets in die neue Qt-Widgets-Bibliothek. Qt 3D ist zu einem Add-on-Modul geworden, passend zur Qt-Location-Bibliothek, die mit der Auskoppelung aus Qt Mobile selbst ein Add-on-Modul geworden war.

Weitere Informationen zu den neuen Features in der Qt 5-Beta sind im Wiki zu finden. Eine detaillierte Auflistung der Änderungen und Neuerungen gibt es im Gitorious-Repository des Qt-Projekts. Die Binaries für Linux, Ubuntu 11.10 und 12.04, Mac OS X und Windows stehen neben dem Quellcode auf der Website des Projekts zur Verfügung, wie auch die Dokumentation für das unter der LPGL 2.1 lizenzierte Toolkit. Das finale Release von Qt 5 soll im November 2012 erscheinen. (Harald M. Genauck) / (ane)