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FSF äußert sich zu den GitHub-Nutzungsbedingungen

Nachdem es einigen Wirbel um die geänderten Nutzungsbedingungen von GitHub gab, äußert sich nun mit der Free Software Foundation ein Verfechter der Copyleft-Lizenzen.

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Seitdem der Versionsverwaltungsdienst GitHub Ende Februar die Nutzungsbedingungen angepasst hat, hat es einigen Wirbel um die Auswirkungen auf Copyleft-Lizenzen gegeben. Nun äußerst sich mit der Free Software Foundation quasi die Schöpferin dieser Art der Lizenzierung in Form von GNU GPL (General Public License). Wer nun eine herbe Kritik aufgrund der Neuerungen erwartet, den überrascht der gemäßigte Tonfall des Blogbeitrags.

Er betrachtet vor allem die fraglichen Sektionen D.4 und D.5, die heise Developer bereits genauer beleuchtet hat. Beide Sektionen scheinen auf den ersten Blick den Vorgaben von GPL und ähnlichen Lizenzen zu widersprechen, gewähren sie doch unter anderem GitHub das Recht, bei Aktualisierungen der Website die Inhalte der Nutzer zu speichern und gelegentlich davon Kopien zu machen. Das könnte die Rechte und Sicherheiten der Lizenzen verletzen, zumal die Kopien nicht explizit deren schützenden Richtlinien unterliegen.

Aber Donald Robertson, Licensing and Compliance Manager bei der FSF und Verfasser des Blogbeitrags, argumentiert, dass Lizenzen wie die GNU GPL bereits die notwendige Erlaubnis zum Anfertigen, Nutzen und Verändern lokaler Kopien einer Arbeit gewähren. Ob die neuen Nutzungsbedingungen etwas darüber hinaus verlangen, sei nicht ganz klar. Der Großteil der Neuerungen würde durchaus zu den Copyleft-Vorgaben passen, während einzelne Worte wie "teilen" und "verteilen" so verstanden werden könnten, dass sie sich nicht mit den Richtlinien der GPL vertragen.

Ähnlich verhalte es sich mit Sektion D.5, die allen anderen GitHub-Nutzern Zugriff auf die Inhalte gewährt. Auch hier sei nicht klar, ob GitHub damit mehr verlangt, als es in der GPL und ähnlichen Lizenzen festgeschrieben sei. Robertson kommt zu dem Schluss, dass sich die neuen Nutzungsbedingungen nicht wesentlich von den vorherigen zu unterscheiden scheinen.

Unter dem Strich sind die Neuerungen nach Ansicht Robertsons und der FSF wohl nicht so tragisch, wie einige andere Nutzer es betrachten und gleich nach der Änderung ihre Projekte von GitHub entfernten. Robertson äußert jedoch sehr wohl Verständnis für die Bedenken, da die Bedingung schlicht schwer zu interpretieren seien, was aber ein grundsätzliches Problem von Nutzungsbedingungen sei.

Andererseits hat die FSF ohnehin keine hohe Meinung von GitHub. Bei einer Gegenüberstellung der Versionsverwaltungsdienste GitHub, SourceForge, GitLab und GNU Savannah nach ethischen Aspekten erhalten die ersten beiden Kandidaten die schlechteste Bewertung F, die mit einer deutschen 6 vergleichbar ist. Savannah erhält wenig überraschend die Bestnote A (1). GitLab befindet sich mit einem C (3) im Mittelfeld. Allerdings lohnt sich eine genauere Betrachtung der Begründungen: Ein wichtiger Aspekt für das schlechte Abschneiden von GitHub ist die Verwendung des proprietären JavaScript, was einige Entwickler vermutlich mehr stört als andere. (rme)