Facebook bietet einen öffentlichen NTP-Dienst auf Basis von chrony an

Facebook setzt künftig auf chrony als Grundlage für sein Network Time Protocol, um die Genauigkeit von 10 Millisekunden auf 100 Mikrosekunden zu verbessern.

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(Bild: TY Lim/Shutterstock.com)

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Facebook hat bekanntgegeben, seinen NTP-Server (Network Time Protocol) von ntpd auf chrony umzustellen. Der Grund dafür ist eine versprochene Erhöhung der Genauigkeit von 10 Millisekunden auf 100 Mikrosekunden. Das Unternehmen erhofft sich dadurch ein besseres Zusammenspiel der eigenen Server in ihren Datenzentren, die auf die Zeitgenauigkeit angewiesen sind, um die Reihenfolge von Transaktionen festzulegen. Chrony bildet auch die Grundlage für Facebooks neuen öffentlichen NTP-Dienst unter time.facebook.com.

Facebooks NTP-Angebot setzt sich aus vier Layern zusammen, die Facebook intern als Stratum bezeichnet. Stratum 0 besteht aus Satelliten mit äußert genauen Atomuhren aus einem globalen Navigationssatellitensystem wie GPS, GLONASS oder Galileo. Als nächstes Layer (Stratum 1) dient eine Atomuhr von Facebook, die sich mit dem System synchronisiert. Stratum 2 ist ein Pool aus NTP-Servern, die sich mit Stratum-1-Geräten synchronisieren. Auf dieser Ebene findet das sogenannte Leap-Second Smearing statt, eine Methode zum Umverteilen der Schaltsekunde. Das letzte Stratum (3) ist eine Gruppe von Servern, die die "geschmierte" Zeit erhalten und Schaltsekunden ignorieren.

Da die Rotation der Erde nicht immer konstant abläuft, ist es erforderlich, von Zeit zu Zeit sogenannte Schaltsekunden hinzuzufügen oder zu entfernen. Für Menschen ist dieser Unterschied nicht gravierend, für Computer und Server hingegen schon. Google setzt dafür in seinem NTP-Server beispielsweise auf eine Technik, die die Schaltsekunde über eine gewisse Zeitperiode "schmiert". Beispielsweise sind dadurch die einzelnen Sekunden an einem Tag mit einer Schaltsekunde ganz geringfügig länger, als sie es normalerweise wären. Dadurch kommt es zu einem Ausgleich, der für Computer tragfähig bleibt.

Sowohl ntpd als auch chrony liefern Annäherungen an die eigentliche Zeit. Wer es ganz genau wissen will, kommt so oder so um externe Geräte mit GNSS-Receivern und einer Atomuhr nicht herum. Facebook hat beide Alternativen allerdings Tests in verschiedenen Szenarien unterzogen, bei denen chrony wohl deutlich besser abgeschnitten hat. Das war auch der Grund, warum Facebook nun einen öffentlichen NTP-Dienst anbietet.

Für den Dienst stellt Facebook unter time1.facebook.com, time2.facebook.com, time3.facebook.com, time4.facebook.com und time5.facebook.com fünf Endpunkte für Nutzer zur Verfügung, die geografisch andere Endpunkte besitzen. Dadurch soll sich die Zuverlässigkeit für Nutzer noch einmal erhöhen.

Weitere Informationen zu Facebooks neuem Angebot finden sich im Engineering-Blog von Facebook. (bbo)