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Gegen den Trend: RoboVM verabschiedet sich von Open Source

Die Hersteller des Cross-Plattform-Entwicklungswerkzeugs verabschieden sich vom Open-Source-Modell. Es habe ihnen mehr genommen als gegeben, schreibt die Firma, die kurz zuvor von Xamarin übernommen wurde.

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Gegen den Trend: RoboVM verabschiedet sich von Open Source

Das Cross-Plattform-Entwicklungswerkzeug RoboVM ist keine Open Source mehr? Auf einige Fragen im Forum nach der verschwundenen Open-Source-Version von RoboVM antwortete Mario Zechner von RoboVM mit einer deutlichen Ansage: Über die letzten Monate habe die Konkurrenz das Vertrauen seiner Firma missbraucht und den Open-Source-Code in ihre kommerziellen Produkte integriert. Im Gegenzug habe RoboVM praktisch keine brauchbaren externen Beiträge zum Projekt erhalten.

Details, welche Mitbewerber welche Codeteile genutzt haben sollen, nennt Zeichner nicht. RoboVM bietet ein Werkzeug zur plattformübergreifenden Entwicklung von Apps für iOS und Android auf Java. Ein offensichtlicher Konkurrent ist Xamarin, deren Entwicklungsumgebung dieselben Plattformen bedient, allerdings mit C#. Die Werkzeuge beider Hersteller erzeugen native Apps, die das jeweilige UI nutzen – anders als bei Oracles Java-Bemühungen.

Vorige Woche hatte Xamarin den Mitbewerber übernommen. So möchte die neue Mutter die große Anzahl von Java-Entwicklern erreichen. In der Erklärung zur Übernahme heißt es: "Würde Xamarin eine Java-Lösung von Grund auf entwickeln, sähe sie wie RoboVM aus, weil deren Macher denselben, auf native Apps ausgelegten Ansatz verwenden."

Auch wenn die Übernahme vermutlich kaum der direkte Grund für die Abwendung vom Open-Source-Modell ist, gibt es doch gewisse Parallelitäten: Xamarin wurde von den Initiatoren des quelloffenen Mono-Projekts gegründet. Die mobilen Ableger davon für Android und iOS vertreibt der Hersteller inzwischen nur unter kommerzieller Lizenz – und ist damit überaus erfolgreich.

RoboVMs Abkehr vom Open-Source-Konzept erfolgte schleichend. Version 1.6 war beim Schreiben dieses Artikels die letzte Version, die der Hersteller auf GitHub veröffentlicht hatte. Version 1.8 ist die letzte mit der GPL-Lizenzdatei; sie soll laut Zechner bald offen verfügbar sein. Alle folgenden Releases werden ausschließlich kommerziell erfolgen. Für das stille Vorgehen entschuldigt sich Zechner: "Wir hätten es ankündigen sollen, als die Änderung klar war. Als kleines Unternehmen mit sechs Mitarbeitern müssen wir noch das ein oder andere über Kommunikation lernen".

Trotz der neuen Strategie, stehe die schwedische Firma grundsätzlich hinter Open Source "Jedes Mitglied unseres kleinen Teams ist mindestens an einem Open-Source-Projekt beteiligt. OSS liegt uns am Herzen". RoboVM fährt mit der Ankündigung gegen den aktuellen Trend, dass große Internetfirmen regelmäßig weitere zuvor hauseigene Werkzeuge im Source veröffentlichen. (rme)