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GitHub eckt mit neuen Nutzungsbedingungen an

Seit etwas mehr als einer Woche gelten für GitHub neue Nutzungsbedingungen. Einige Stellen lassen mittlerweile die Open-Source-Szene aufschrecken, denn offensichtlich lassen sich damit Bestimmungen von Copyleft-Lizenzen umgehen.

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GitHub eckt mit neuen Nutzungsbedingungen an

Am 28. Februar sind neue Nutzungsbedingungen für den Projekt-Hosting-Dienst GitHub in Kraft getreten. Zuvor hatte das hinter dem Service stehende gleichnamige Unternehmen für einen recht kurzen Zeitraum einen ersten Entwurf zur Diskussion gestellt, ohne dass es hierzu offenbar viel kritisches Feedback gegeben hatte. Seitdem nun die neuen Terms of Service (ToS) gelten, mehren sich die Reaktionen derer, die durch die neuen ToS die Unvereinbarkeit mit einigen freien Softwarelizenzen sehen.

Ihr Aufhänger ist im Bereich D, insbesondere unter D.4 zu finden, wo es sinngemäß heißt, dass Nutzer GitHub das Recht gewähren müssen, bei Aktualisierungen der Website und um den Betrieb aufrechtzuerhalten die Inhalte der Nutzer zu speichern, anzuzeigen und gelegentlich davon Kopien zu machen. Unter D.5 heißt es weiter, dass Nutzer jedem anderen Benutzer von GitHub eine nicht exklusive, umfassend gültige Lizenz für den Zugriff auf ihre Inhalte über den GitHub-Service sowie die Nutzung, Darstellung und Ausführung der Inhalte sowie die Vervielfältigung der Inhalte ausschließlich auf GitHub gewähren, wie es durch die Funktionen von GitHub erlaubt ist.

Problematisch gestaltet sich auch Punkt D.7, der verlangt, auf irgendwelche Attributrechte der hochgeladenen Inhalte zu verzichten. Dadurch werden Inhalte problematisch, die auf der Arbeit anderer Personen basieren. Das ist der Fall bei allen Lizenzen, die eine Zuordnung zum Urheber erfordern (z. B. Creative Commons Attribution und BSD). Derjenige, der den Inhalt hochlädt, hätte nicht die Rechte, GitHub diese Lizenz zu gewähren, sodass das Hochladen eines solchen Projektes als nicht rechtmäßig einzuschätzen ist.

Die daraus resultierenden Bedenken einiger Open-Source-Entwickler sind, dass die neuen Nutzungsbedingungen Bestimmungen von Copyleft-Lizenzen wie der GNU General Public License (GPL) widersprechen. Diese legen aufgrund striktem Urheberrechtsschutz fest, dass Quellcode verwendet, modifiziert und weitergegeben werden darf, solange sämtliche Änderungen und Weiterentwicklungen unter der gleichen Lizenz als freie Software weitergegeben werden ("Copyleft"). Eine Weitergabe in Binärform setzt voraus, dass der Quellcode entweder beiliegt oder jederzeit zur Verfügung steht. Dass nun gemäß den neuen Terms of Service Inhalte reproduziert werden dürfen, ohne dass man ausdrücklich Rücksicht auf die ursprüngliche Lizenz nehmen muss, legt die Annahme nah, dass sich die Copyleft-Klauseln mancher Lizenzen umgehen lassen.

Drastisch formuliert es Joey Hess, Entwickler der Software git-annex: "Die neuen ToS sind möglicherweise sehr schlecht für Open-Source-Software mit Copyleft-Lizenzen. Womöglich kastrieren sie diese komplett, sodass GPL-lizenzierte Software auf GitHub ein implizit BSD-ähnliches Lizenzgebaren annehmen." Hess' Reaktion darauf war es, seine Inhalte auf GitHub zu entfernen. Mit der Entscheidung ist er nicht alleine, doch gibt es auch andere Stimmen, die GitHubs Änderungen nachvollziehen können. So sieht Debian-Entwickler Jonathan McDowell die Änderungen darin begründet, dass GitHub sie nur vollzogen habe, um die Daten selbst rechtmäßig verarbeiten zu dürfen, zumal es unter D.5 keinen Passus gebe, der es erlaube, Inhalte außerhalb von GitHub zu reproduzieren.

Da jedoch GitHub ein privat geführtes Unternehmen ist, auf das Nutzer keinen Einfluss haben, bewegt man sich womöglich in einer Grauzone, insbesondere wo sich die definierten Services allein auf "Anwendungen, Software, Produkte und Services von GitHub" beziehen. Der Begriff "Services" beschränkt sich daher nicht auf den aktuellen Dienstleistungsumfang. GitHub könnte sich demnach das Recht nehmen, einige Bestimmungen von Lizenzen zu umgehen.

Es scheint so, als ob Anwender derzeit darauf vertrauen müssen, dass sich GitHub der Rolle als weltweit wichtigste Repository-Plattform bewusst ist und die Nutzungsbedingungen nicht mit der Absicht geändert hat, Bestimmungen gewisser Lizenzen außer Kraft zu setzen. Zwar ist GitHub nicht unbedingt als Copyleft-freundlicher Dienst bekannt, das muss jedoch nicht bedeuten, dass der Dienstbetreiber auf Basis der neuen Nutzungsbedingungen gleich Schindluder treiben wird. Wem das zu unsicher ist, der kann es beispielsweise mit dem Konkurrenten GitLab probieren, der in den GNU Ethical Criteria for Code Repositories im letzten Jahr deutlich besser abgeschnitten hat als GitHub.

heise Developer hat GitHub vor Tagen um eine Stellungnahme gebeten – die lapidare Antwort darauf war, dass sich das Unternehmen dazu nicht äußern möchte. An anderer Stelle ist die Redaktion auf eine nur bedingt aussagekräftigere Ausnahme gestoßen, nach der man zuversichtlich sei, dass die neuen ToS den besten Bedürfnissen der Community dienten, und das Feedback der Nutzer sehr ernst nehme. (ane)