GitHub kauft npm – eine Beleuchtung der Übernahme aus persönlicher Perspektive

Microsoft kaufte im Juni 2018 GitHub, und nun verleibt sich GitHub npm ein. Was bedeutet das für die JavaScript-Gemeinde?

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(Bild: Blackboard/Shutterstock.com)

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Als ich 1989 meinen ersten Kontakt zu Computern hatte, war ich elf Jahre alt. Anders als bei vielen meiner Freunde fand mein Einstieg aber nicht über einen Heimcomputer wie den C64 oder einen Amiga statt, sondern direkt über einen PC, der mit MS-DOS 3.3 ausgestattet war. Die einzigen beiden Anwendungen, die mir darauf zur Verfügung standen, waren GW-BASIC und Works 1.0 für DOS. Gemeinsam mit meinem Vater habe ich mir GW-BASIC erarbeitet, was mich langfristig und nachhaltig für das Programmieren begeistert hat.

Auch durch Works habe ich eine Menge gelernt: die Grundlagen von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenbank. Besonders beeindruckt hat mich damals, dass es ein in Works integriertes Lernprogramm gab, das mit viel Liebe zum Detail den Umgang mit Works und seinen verschiedenen Bestandteilen erklärt hat. Ein so schön und aufwendig gestaltetes Lernprogramm habe ich nie wieder in einer Consumer-Anwendung erlebt.

Eine kritische Betrachtung von Golo Roden

Golo Roden ist Gründer und CTO von the native web. Er berät Unternehmen zu Technologien und Architekturen im Web- und Cloud-Umfeld, unter anderem zu TypeScript, Node.js, React, CQRS, Event-Sourcing und Domain-Driven Design (DDD). Er schreibt regelmäßig für Fachzeitschriften und spricht auf Konferenzen im In- und Ausland.

Nach und nach lernte ich auch den Umgang mit dem Betriebssystem. Ich lernte den Umgang mit Batch-Dateien, mit der config.sys und mit anderen, aus meiner damaligen Sicht, fortgeschrittenen Konzepten von MS-DOS. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass MS-DOS, GW-BASIC und Works die perfekte Grundlage für mich waren, um meiner Neugier etwas zu bieten und um zugleich etwas zu lernen. Diese Anwendungen haben mich nachhaltig geprägt und mein erstes Bild von Microsoft gelegt: Microsoft war für mich, als angehender Teenager, ein in höchstem Maße bewundernswertes Unternehmen.

Zehn Jahre später, im Jahr 2000, begann ich mein Studium der Informatik. Als Schüler hatte ich mich zuvor außer mit Basic mit C++ und Assembler beschäftigt, aber ich war auf der Suche nach einer Sprache, welche die Einfachheit von Basic mit der Leistungsfähigkeit von C++ verband. Von der Universität war Java als primäre Sprache vorgegeben, was mich aber wenig begeistern konnte.

2001 stieß ich endlich auf eine (Vorabversion einer) Sprache, die mich in beiden Aspekten überzeugte: C#. Die Sprache war viel einfacher und konsistenter aufgebaut als C++, aber weitaus mächtiger als Basic. Mit .NET als grundlegender Plattform war es zudem möglich, verschiedenartigste Anwendungen auf einem gemeinsamen Unterbau zu entwickeln. Das, was Java immer nur versprochen hatte, schien mit .NET Wirklichkeit zu werden.

Die nächsten zehn Jahre beschäftigte ich mich also mit der .NET-Welt, vor allem mit der Webentwicklung auf Basis von ASP.NET. Aus Windows NT wurde Windows 2000, auf Windows 2000 folgten XP und Vista, und schließlich Windows 7. In all der Zeit habe ich mich niemals ernsthaft gefragt, auf eine andere Plattform zu wechseln: Ich war weiterhin zufrieden mit Microsoft.

Doch wieder zehn Jahre später kamen mir Zweifel, ob ich den eingeschlagenen Pfad weiterhin verfolgen sollte. Die Weiterentwicklung von ASP.NET war ins Stocken geraten: Zwar gab es mit ASP.NET MVC seit 2009 einen neuen Ansatz, doch wirklich gefallen hat er mir nicht. Auch die Entwicklung von Windows 8 gefiel mir nicht – ganz zu schweigen von dem mehr als enttäuschenden Auftritt von Windows Phone 7. Auf einmal fühlte ich mich zunehmend weniger zu Hause auf der Microsoft-Plattform.

In den Jahren 2010 und 2011 wurde ich von Microsoft zwar aufgrund meines unabhängigen Engagements in der Community als MVP für C# ausgezeichnet, gleichzeitig wurde ich aber darauf hingewiesen, dass meine zunehmend kritischen Äußerungen zu Windows 8 und Windows Phone 7 auf Twitter einen Konflikt darstellen könnten.

Meine Enttäuschung und das aus meiner Sicht fehlende Verständnis für Kritik zusammengenommen haben leider zu einem unschönen Bruch geführt. Für mich war sich Microsoft damals zu sicher, das Richtige zu machen – und hat dabei die Realität völlig verkannt. Ich erinnere mich noch gut an den Auftritt von Steve Ballmer, in dem er das iPhone verlacht hat als ein völlig untaugliches Gerät, das zu teuer sei und ohne Hardwaretasten ohnehin keine Chance habe. Doch Hochmut kommt bekanntermaßen vor dem Fall.

So wie ich mich von Microsoft und .NET abgewendet habe, erging es vielen anderen. Die Community, in der ich mich damals so wohlgefühlt habe, zerbrach. Microsoft hat dazu leider viel beigetragen.

Meine neue Heimat fand ich auf macOS mit Node.js. Die Entscheidung, auf diese beiden Plattformen zu wechseln, hat sich für mich wie eine Befreiung angefühlt: Auf einmal konnte ich viel "leichtgewichtiger" und mit weniger Einschränkungen entwickeln. Ein Besuch auf der Node.js Conference Italy im Jahr 2011 zeigte mir schließlich endgültig auf, was ich bis dahin vermisst hatte:

"Die Konferenz war erfüllt von einer energiegeladenen, konstruktiven und in die Zukunft gerichteten Atmosphäre. [...] Die Community um Node.js glänzt dabei durch ihr ausgesprochen hohes Engagement und die Energie, sich zu begeistern, einzusetzen und etwas Neues zu erschaffen."

Die Beschäftigung mit Node.js führte ganz automatisch dazu, mich auch mit npm und mehr mit Open Source im Allgemeinen zu beschäftigen. Ich begann, Softwareentwicklung viel stärker als eine gemeinsame Aktivität anzusehen, als eine gemeinsame Aktivität von Menschen mit der gleichen Motivation und den gleichen Zielen. In diesem Zusammenhang bin ich dann auch auf GitHub gestoßen. Deren Slogan, "Social Coding", klingt zunächst nach einer netten und wohlklingenden Aussage für das Marketing. Doch tatsächlich halte ich es bei GitHub für eine ernstgemeinte Aussage, denn Software wird nicht alleine, sondern gemeinsam im Team entwickelt.

Und genau das ist es, was GitHub perfektioniert hat: Die Zusammenarbeit in virtuellen Teams, die aus Leuten bestehen, die sich über Code austauschen. Für mich war GitHub ein positiver, kreativer Ort für ebensolche Menschen, an dem ich die Atmosphäre der erwähnten Node.js-Konferenz in digitaler Form spüren konnte.

Seitdem sind wieder zehn Jahre vergangen. In der Zwischenzeit ist Steve Ballmer als CEO von Microsoft zurückgetreten und hat das Unternehmen sogar gänzlich verlassen. Als sein Nachfolger ist Satya Nadella 2014 angetreten, der Microsoft weg von "Devices" hin zu "Services" entwickelt. Wie sehr er sich von seinem Vorgänger unterscheidet, zeigt sich daran, dass er den Konzern nach und nach geöffnet hat: Er hat verstanden, dass die Rolle von Windows zukünftig nicht mehr die gleiche sein wird, in einer Welt, in der klassische Desktop-PCs zunehmend von mobilen Endgeräten ersetzt werden.

Damit Azure erfolgreich sein kann, darf es Microsoft nicht mehr wichtig sein, ob die auf Azure laufenden Anwendungen in .NET oder einer anderen Technologie geschrieben sind. Es darf Microsoft noch nicht einmal mehr wichtig sein, ob Windows als Betriebssystem zum Einsatz kommt, denn ein Kunde auf Azure, der eine virtuelle Maschine auf Basis von Linux betreibt, ist besser als kein Kunde. Auch die neue Offenheit von .NET lässt sich nur so erklären: Wenn .NET im Verhältnis zu anderen Technologien langfristig bestehen soll, funktioniert das nur noch mit einer offenen Community.

Daher war es nur naheliegend, dass Microsoft im Juni 2018 GitHub gekauft hat. Damals war ich sehr skeptisch, denn allen Anzeichen zum Trotz war ich mir nicht sicher, ob Microsoft den neuen, offenen Ansatz wirklich ernst meinte. Seither haben sich meine Befürchtungen glücklicherweise nicht bestätigt – im Gegenteil. Microsoft hat GitHub als eigenständige Plattform mit einer eigenständigen Kultur bestehen lassen, sie aber spürbar vorangetrieben. GitHub ist heute, mit Microsoft im Rücken, eine bessere Plattform als zuvor.