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GitLab legt Mitarbeitern einen Maulkorb an und nimmt ihn gleich wieder ab

Der Plattformanbieter verbietet politische Gespräche, nur um sie nach Kritik wieder zu erlauben. Auch beim Umgang mit Geschäftskunden ändert sich der Tenor.

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(Bild: GitLab)

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GitLab, Anbieter der gleichnamigen Softwareplattform, hatte bereits vor drei Wochen seine Firmenrichtlinien dahingehend geändert, dass es Mitarbeitern nicht gestattet war, über Politik auf der Arbeit zu sprechen.

Außerdem nahm das Unternehmen Änderungen an einem Passus vor, der sich um die Aufnahme von Kunden dreht: "Wir machen Geschäfte mit Kunden, auch wenn sie nicht den Werten unserer Firma entsprechen", hieß es. Nachdem der Sachverhalt durch eine Berichterstattung von The Register publik wurde, rudert GitLab nun zurück.

GitLab nimmt Änderungen an seinen Firmen- und Strategiedokumenten über Merges in einem dafür vorgesehenen Repository vor. Mitgründer und derzeitiger CEO Sid Sijbrandij schlug vor drei Wochen Änderungen vor die – ohne erforderliche Zustimmung – Einzug in die Dokumente enthielt. Sijbrandij sprach in der Merge Request von der Aufnahme von Gründen, warum das Unternehmen Kunden nicht aufgrund moralischer Werte ausschließen würde. Diese lauteten wie folgt:

  1. GitLabs Mission ist es, dass jeder mitwirken kann. Es gibt einen Code of Conduct für Beiträge, das Unternehmen möchte aber so eng mit jedem zusammenarbeiten wie möglich.
  2. GitLab spricht nicht über Politik auf der Arbeit und Entscheidungen darüber, ob man einen Kunden aufnehmen möchte, könnten politisch werden.
  3. Effizienz ist einer der Werte von GitLab, und das Überprüfen von Kunden könnte viel Zeit in Anspruch nehmen und ablenken.
  4. Die Entscheidung stimme mit der MIT-Open-Source-Lizenz überein: "Diskriminiere nicht gegen bestimmte Geschäftsfelder."

GitLab reagierte mit diesen Änderungen möglicherweise auf Kontroversen, die eine Reihe an Tech-Unternehmen in jüngster Zeit durchlaufen mussten. Der Entwickler von DevOps-Werkzeugen Chef hat nach Protesten seinen Vertrag mit der US-Einwanderungsbehörde auslaufen lassen, während GitHub-CEO Nat Friedman sich zwar von der Behörde distanziert, die Geschäfte aber weiter laufen sollen.

Der Aufruhr in den sozialen Medien und nach dem Merge Request war nach publik werden der Änderungen groß. Wohl so groß, dass GitLab nun öffentlich zurückrudert. Todd Barr, Chief Marketing Officer von GitLab, hat die entsprechenden Passus in einer weiteren Merge Request revidiert. Der Abschnitt spricht nun davon, dass GitLab sich sehr wohl dafür entscheiden könnte, nicht mit bestimmten Unternehmen zusammenzuarbeiten. Genauer gesagt, wenn diese Firmen

  • illegales Verhalten an den Tag legen,
  • abfällige Bemerkungen oder Drohungen gegen die GitLab-Community aussprechen, und/oder
  • Gewalt oder Diskriminierung gegen rechtlich geschützte Gruppen fördern.

Auch den Absatz bezüglich politischen Diskussionen auf der Arbeit hat Barr überarbeitet. Dort heißt es nun, dass GitLab "generell nicht über Religion und Politik in öffentlichen Foren spricht, da die Gefahr zu groß ist, Menschen auszugrenzen, die eine Minderheitsmeinung haben. Es ist allerdings akzeptabel, über diese Themen in sozialen Situationen wie beim Kaffee oder in persönlichen Treffen mit Mitarbeitern zu sprechen. Mitarbeiter sollten sich allerdings möglichen kulturellen Befindlichkeiten bewusst sein."

[Update, 5.11.19]: Ein Leser hat die Redaktion darauf hingewiesen, dass GitLab politische Gespräche bereits seit mehreren Jahren nicht auf der Arbeit gestattet hat, und dies lediglich als Argument für den Umgang mit Kunden herangezogen hat. An der darauffolgenden negativen Reaktion und der folglichen Änderung des Passus ändert dies jedoch nichts. (bbo)