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GitLab rudert auch bei der geplanten Telemetrie zurück

Nach Protesten von Nutzern nimmt GitLab davon Abstand, das Anwenderverhalten in seinen Diensten mit dem Pendo-Service nachverfolgen zu wollen.

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(Bild: GitLab)

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In einem Blogbeitrag unter dem Titel "Update on free software and telemetry" hatte GitLabs Vice President of Products, Scott Williamson, am 10. Oktober angekündigt, künftig das Nutzerverhalten nachvollziehen und analysieren zu wollen – mithilfe eines Telemetriedienstes. Bei den GitLab-Nutzern stieß die Ankündigung auf wenig Gegenliebe, obwohl das Unternehmen die Einhaltung von Datenschutzstandards sowie Unterstützung der Do-Not-Track-(DNT)-Funktionen in Web-Browsern versprach. In einem Update des Blogbeitrags ruderte Sid Sijbrandij, Mitgründer und CEO von GitLab, nun zurück: aufgrund des "beträchtlichen" Feedbacks von Kunden, Anwendern und der Community habe das Unternehmen die angekündigten Maßnahmen bereits wieder gestrichen, bevor sie in Kraft getreten seien.

Der Vorstoß habe offenbar den Nerv der Community getroffen, räumte Sijbrandij ein und entschuldigte sich für diesen "Fehler". GitLab verpflichte sich daher auch, in seinen Produkten keine Telemetrie zu implementieren, die Nutzungsdaten an einen externen Produktanalysedienst sendet, versprach der CEO. Die Pläne hatten ursprünglich vorgesehen, das SaaS-Angebot auf GitLab.com sowie die proprietären Self-Managed-Packages (Starter, Premium und Ultimate) mit zusätzlichen JavaScript-Snippets zu versehen. Die Snippets – darunter proprietäre wie auch Open Source – sollten sowohl mit GitLab als auch dem Telemetriedienst eines Drittanbieters interagieren, um im Hinblick auf die Verbesserung der User Experience Informationen über das Nutzerverhalten zu sammeln.

Um dabei eine möglichst datenschutzkonforme Vorgehensweise zu gewährleisten, sollte der nach SOC-2 (Service Organization Control 2) zertifizierte Telemetriedienst Pendo zum Einsatz kommen und Anwendern per DNT-Mechanismus im Browser die Freiheit eingeräumt werden, ein Tracking abzulehnen. Allein die Aussicht, dass Daten "unkontrolliert" aus ihren Installationen abfließen könnten, hat offenbar aber zahlreiche GitLab-Nutzer auf die Barrikaden gehen lassen. Insbesondere äußerten jene Anwender Bedenken, die schon aus Sorge vor der Datenkrake Microsoft GitHub kritischer betrachteten.

Der Vorstoß von GitLab hat es offensichtlich Fingerspitzengefühl und eine angemessene Kommunikation vermissen lassen, wie auch CEO Sijbrandij eingesteht: "Unser Hauptfehler war, dass wir unseren eigenen Kernwerten zur Zusammenarbeit nicht gerecht wurden, indem wir unsere Anwender, Kunden und die Community in die Strategiediskussion einbezogen haben – und das tut mir wirklich leid." Das Unternehmen wolle daher nun einen neuen Entwurf zur Analyse des Nutzerverhaltens ausarbeiten, der frühzeitig zur Diskussion gestellt werden soll, bevor irgendwelche Änderungen in Kraft treten.

GitLab tritt mit der Telemetrie-Initiative binnen weniger Wochen bereits zum zweiten Mal in ein Fettnäpfchen. Im September hatte der Plattformbetreiber einen Vorstoß unternommen, auch dann eine Zusammenarbeit mit Kunden zu suchen, wenn diese möglicherweise nicht die Werte von GitLab vertreten. In diesem Zusammenhang erinnerte das Unternehmen die eigenen Mitarbeiter außerdem an die bestehende Firmenrichtlinie, sich während der Arbeit nicht in politische Diskussionen zu verstricken. Angesichts dieser Forderungen sah sich GitLab mit einem Aufruhr konfrontiert, der das Unternehmen zu einem Kurswechsel zwang.

[Update, 5.11.19]: Auf den Hinweis eines Lesers hin hat die Redaktion den letzten Absatz dahingehend klarer formuliert, dass GitLab politische Gespräche auf der Arbeit bereits seit mehreren Jahren nicht gestattet, und dies nun lediglich als Argument für den Umgang mit Kunden herangezogen hat. (map)