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Goodbye JavaOne! Wie 20 Jahre Geschichte einfach wegexpandiert werden

Oracle verabschiedet sich von der JavaOne und kündigt mit der Oracle Code One eine neue Konferenz für Entwickler an. Für unseren Autor, den in der Java-Szene schon seit Jahren umtriebigen Markus Eisele, kommt das gar nicht mehr so überraschend.

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Goodbye JavaOne! Wie 20 Jahre Geschichte einfach wegexpandiert werden

Schon in den letzten beiden Jahren war ich als Teilnehmer der jährlichen Java-Show irgendwie sicher, dass Veränderungen kommen würden. Zuerst wollte Oracle mehr über die eigenen Produkte und nicht nur über Java-Themen ohne kommerziellen Hintergrund reden. Dann ist im letzten Jahr die Taylor Street und damit der zentrale Treffpunkt der Community den Kürzungen zum Opfer gefallen.

Das in den ersten Jahren nach der Sun-Übernahme noch überschwängliche Blau in den Straßen von San Francisco war schon lange Oracles übermächtigem Rot gewichen. Trotzdem fand die JavaOne jedes Jahr wieder statt (und das schon seit 1996) – allen Gerüchten und Veränderungen zum Trotz. Bis dieses Jahr. Wer sich noch mal die letzte JavaOne-Website anschauen mag, der muss nun schon der Wayback Machine im Internet bedienen. Ersatzlos, beinahe kommentarlos wegexpandiert und in die Oracle Code One umdefiniert. Dazu zählen übrigens auch die Aufzeichnungen der Vorträge der vergangenen JavaOne-Ausgaben – alle weg.

Ein Kommentar von Markus Eisele

Markus ist Java Champion, früheres Mitglied der Java EE 7 Expert Group, Begründer von JavaLand und bekannter Sprecher auf internationalen Konferenzen sowie anerkannter Experte für Enterprise Java. Er arbeitet als Direktor Developer Advocacy für Lightbend, Inc.

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Aus Marketing-Sicht muss ich uneingeschränkt meinen Hut ziehen. Ein gekonnter Coup und eine noch brillantere Kommunikationsstruktur. Statt sie einfach abzukündigen, wurde sie erweitert, um eine noch viel bessere und schönere Veranstaltung zu werden. Quasi nebenbei wurde sie halt umbenannt. Aber eigentlich ist es ja noch die JavaOne. Nur größer.

Was tatsächlich von der JavaOne bleibt, ist überschaubar. Drei von insgesamt 11 Tracks haben einen expliziten Java-Bezug. "Core Java Platform" wird dabei der spannendste sein. Hier werden hoffentlich weiterhin Größen wie Mark Reinhold und Brian Goetz die Chance erhalten, über die aufgestauten Neuerungen der zwei JDK-Versionen pro Jahr zu berichten.

Im Track zu "Java Server-Side Development and Microservices" hofft man Sprecher aus dem Umfeld von Jakarta EE und MicroProfile locken zu können. Nachdem sukzessive die vormals Java EE genannten Spezifikationen zur Eclipse Foundation umziehen, wo MicroProfile ebenfalls sein Zuhause gefunden hat, ist es fraglich, ob es demnächst für Server-Side Java nicht viel eher eine EclipseCon sein wird, die die richtigen Inhalte bietet.

Abgerundet wird alles mit dem "Java Ecosystem Track". Hier ist Platz für den traurigen Rest. Oh, ich hätte beinahe noch die beiden Java-Keynotes vergessen. Die werden weiterhin offeriert. Java behält seine Keynotes.

Bei vier Tagen mit optimistisch gesehen zehn Sessions pro Track werden wohl nicht mehr als rund 120 Vorträge zusammenkommen. Das war mal viel mehr. Einen Community-Tag wird es wohl auch nicht mehr geben. Die hier nicht genannten acht Tracks drehen sich alle um zeitgemäße Buzzwords der Technologie-Konferenzszene. So scheint Oracles Erwartungshaltung zu sein, dass es in diesen sehr viel mehr polyglott zugeht. Hier fallen Namen von Programmiersprachen wie Go, Rust, Python, JavaScript und R.

Der Preis soll der gleiche bleiben, genauso die Vortragsformate. Nur Panels will Oracle wohl nicht mehr sehen. Die wirken ja auch immer so schrecklich polarisierend. Das braucht wirklich niemand auf einer Oracle-Veranstaltung. Diesbezügliche Nachfragen der Java Champions sind im Übrigen erst mal auf taube Ohren gestoßen.

Natürlich nicht. Denn irgendwie war die Luft aus der JavaOne raus. Vermutlich waren auch die Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren nicht gerade gestiegen. Der Wechsel zurück ins Moscone Center im letzten Jahr hatte auch nicht die richtige Wende gebracht. Doch für die Java-Community war die Konferenz das jährliche Familientreffen und eben mehr als nur eine Konferenz. Vielmehr war sie so etwas wie der sichtbare Beweis, dass sich Oracle um die Programmierplattform und das Ökosystem nachhaltig kümmert.

Das Trademark "Java" hat namensgleiche Konferenzen vielfach erfolgreich verhindert. Nur mit Aufwand und Geschick war es einzelnen Veranstaltungen wie "mein Ziehkind" JavaLand möglich, die Wortmarke "Java" im Titel zu führen. So war die JavaOne einzigartig. Die Oracle Code One wird nun eine unter vielen sein, und sie wird noch mehr um ihr Profil kämpfen müssen als die vielen anderen IT-Konferenzen in San Francisco.

Bisher hat nur IBM es geschafft, mit der Index etwas ganz Neues und vor allem Großes aus dem Boden zu stampfen. Hier hat man es leider versäumt, einen Java-Schwerpunkt zu legen. Es wäre perfektes Timing gewesen. Zumindest hat die Index versucht, sich um die verschiedenen Communitys zu kümmern und eben keine Herstellerkonferenz zu sein. Neben einem offenen und firmenübergreifenden Programmkomitee und ohne Vorgaben für Vortragsinhalte oder Themen.

Ob der Code One das auch gelingt? Ob das wohl überhaupt ein Ziel ist? Ein kurzer Blick auf die namensverwandte Konferenzserie Oracle Code und deren Inhalte in den einzelnen Städten lässt Böses ahnen. Oracle JET ist ja noch Open Source, bei anderen Talks geht‘s da schon näher an Oracles Produkte und Angebote.

Es hätte sicherlich Möglichkeiten und Wege gegeben, die JavaOne in ihrer separaten Rolle beizubehalten. Angefangen mit Gesundschrumpfen und vielleicht sogar der Trennung von der Open World bis hin zu neuen Konzepten und ein wenig weniger korporativen Vorgaben. Offensichtlich war das einfach nicht das Ziel. Irgendwie ist es auch nachvollziehbar, nachdem OpenJDK und Java EE ja auch freigelassen werden. Warum sich noch um Java kümmern? Ich wünsche Oracle eine erfolgreiche Code One. Nach vielen Jahren als Speaker und Programmkomiteemitglied werde ich dieses Jahr nicht mehr zu Verfügung stehen. (Markus Eisele) / (ane)