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HPE-Micro-Focus-Fusion: Ein neuer alter ALM-Riese – oder der Sieg von Open Source

Für vergleichsweise wenig Geld landen etliche einst dominierende Werkzeuge des Application Lifecycle Management unter einem gemeinsamen Dach. Dabei stammt der mittlerweile bedeutendere Stack von der Open-Source-Community.

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Das britische Softwareunternehmen Micro Focus und HPE schließen sich in diversen Softwarebereichen zusammen, die der IT-Konzern aus Palo Alto nicht mehr zu seinem Kerngeschäft zählt. Insbesondere eine Sache macht diese Ausgründung auch für die Softwareentwicklung interessant. Sie ist Sinnbild für die sich seit Jahren abzeichnende Konsolidierung des ALM-Markts (Application Lifecycle Management).

Eine Einschätzung von Alexander Neumann

Alexander Neumann ist seit sieben Jahren Redakteur von heise Developer und organisiert darüber hinaus mehrere erfolgreiche Entwicklerveranstaltungen.

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Egal wie sich die Kooperation letztlich gestaltet, es sei erst mal nur daran erinnert, welche (einstige) ALM-Größen unter dem neuen Dach firmieren: Mercury Interactive, Borland (also auch StarTeam, Caliber und Silk), Autonomy, Compuware, Serena und HP selbst. Das liest sich schon wie das "Who's who" des noch vor zehn bis fünfzehn Jahren übergroßen Markts konkurrierender ALM-Suites, hier seien natürlich noch IBM und Microsoft hinzugerechnet.

Ohne dass derzeit absehbar ist, wie mit den Marken und Produkten unter der neuen Micro-Focus-Führung verfahren wird, kulminiert hierin, was vor etwa einer Dekade seinen Anfang nahm. Damals dominierten kommerzielle ALM-Stacks die Szene, die ganz bewusst siloartig und mit wenigen Integrationen zur Konkurrenz gestaltet waren, um die guten Erträge auch noch auf Jahre hinaus im eigenen Haus zu halten.

Seitdem hat sich jedoch der ALM-Markt massiv verändert. Vor allem die Popularität von agilen Entwicklungsprozessen und Open-Source-Werkzeugen sowie die zunehmend bessere Verzahnung ebendieser haben gewaltigen Druck auf diese siloartigen ALM-Stacks ausgeübt. Denn ihre Hersteller konnten nicht mit der Innovationsfreude der Open-Source-Community mithalten, die unter Schlagworten wie Continuous Integration, Continuous Delivery, Agile ALM und DevOps bis heute für einen deutlich beschleunigteren Entwicklungsprozess steht.

Die "Großen" haben natürlich auf die Wünsche nach mehr Agilität und Open Source reagiert. Integration hieß das neue Zauberwort – und auch hier nahmen Open-Source-Werkzeuge wieder einen gewichtigen Part ein. Auf einmal waren die einstigen Silos in der Lage, sich mit gefühlt allem zu integrieren. Versehen mit den entsprechenden Labels machte sich das auch im Marketing gut. Doch geschah das alles zu spät. Mit der zunehmend steigenden Qualität quelloffener Produktivwerkzeuge wie Git, Jenkins, Maven, xUnit, Chef, Puppet oder neuerdings Docker sowie deren Verzahnung untereinander besteht für Unternehmen gar keine große Notwendigkeit mehr, sich an nur einen Hersteller zu binden.

Zwar werden die zunehmend modernisierten ALM-Riesen auch weiterhin eine Rolle gerade in großen Unternehmen und hier vor allem bei Legacy-Systemen spielen, gerade bei Neuentwicklungen dürfte der Bedarf immer geringer werden, sich auf diese zumeist schwerfälligen Schlachtschiffe einzulassen. Das erklärt auch den vergleichsweise geringen Preis, den Micro Focus in die neue Unternehmung eingebracht hat. (ane)