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Hadoop-Pionier MapR steht vor dem Aus

Ausbleibende Kaufaufträge sowie eine akute Finanzierungslücke könnten das Management von MapR Technologies zur Geschäftsaufgabe zwingen.

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MapR Technologies zählt neben den kürzlich fusionierten Unternehmen Cloudera und Hortonworks zu den Pionieren der Big-Data-Technik Hadoop. Akute finanzielle Engpässe haben das Management nun zur Entlassung von 122 Mitarbeitern veranlasst, wie CEO John Schroeder im Rahmen einer nach den kalifornischen Gesetzen der Worker Adjustment and Retraining Notification (WARN) vorgeschriebenen Ankündigung bekannt gegeben hat. Unerwartet aufgeschobene Kaufentscheidungen seitens mehrerer Kunden seien zumindest teilweise für eine schlechte Geschäftsentwicklung im ersten Quartal des laufenden Jahres mit verantwortlich gewesen, betonte Schroeder.

Angesichts einer akuten Finanzierungslücke – MapR hatte zuletzt 2017 rund 56 Millionen US-Dollar von Investoren einsammeln können – waren rasche Maßnahmen zur Kostensenkung unvermeidlich. Von den Entlassungen betroffene Mitarbeiter stammen vor allem aus dem Sales-Bereich. Deren Aufgaben will MapR künftig an Vertriebs- und Integrationspartner auslagern. Produktentwicklung, Support sowie Professional Services will das Unternehmen auch weiterhin aus eigener Kraft erbringen, wie das Management in einer öffentlichen Erklärung gegenüber Kunden versichert. Darüber hinaus verfolge MapR verschiedene strategische Optionen, die eine Weiterführung des Geschäftsbetriebs nach einer Neustrukturierung ermöglichen sollen.

Das seit 2008 als Top-Level-Projekt der Apache Foundation verfügbare Hadoop-Framework hatte als skalierbare und auf günstiger Cluster-Hardware einsetzbare Software zur Verarbeitung großer Datenmengen den Hype um Big Data maßgeblich mitbestimmt. Nach der Gründung 2009 hatte sich MapR Technologies – der Firmenname lehnt sich an den Hadoop zugrundeliegenden MapReduce-Algorithmus von Google an – mit einer eigenen Variante des Hadoop Distributed File System (HDFS) engagiert und vom Boom der quelloffenen Big-Data-Anwendungen profitieren können. Insgesamt 280 Millionen US-Dollar an Investitionen hat MapR seither insgesamt einwerben können – auf dem Höhepunkt des Hypes vor etwa fünf Jahren erreichte der Marktwert des Unternehmens rund eine Milliarde US-Dollar. Hauptkonkurrent Cloudera brachte es gar auf mehr als vier Milliarden US-Dollar.

Wie von zahlreichen Analysten prognostiziert erwies sich der klassische Hadoop-Markt aber als eine zu kleine Nische für die wachsende Zahl von Wettbewerbern. Neben dem grundlegenden Problem, mit Open-Source-Software ein tragfähiges kommerzielles Geschäftsmodell zu etablieren, sahen sich insbesondere Cloudera, Hortonworks und MapR durch neue alternative Big-Data-Ansätze von Cloud-Providern bedrängt, die Microservices, Container-Technologie und Orchestrierungswerkzeuge wie Kubernetes nutzen. Cloudera und Hortonworks begegneten diesem Wandel durch eine Fusion unter dem Motto "Edge to AI". Auf Basis einer Enterprise-Data-Cloud soll eine Plattform für Unternehmenskunden entstehen, die IoT-Streaming-Applikationen, Data Engineering, Cloud-natives Data Warehousing sowie KI- und ML-Anwendungen sowohl in hybriden wie auch Multi-Cloud-Deployments zusammenführt.

Die MapR Data Platform.

(Bild: MapR Technologies)

MapR reagierte auf diesen Vorstoß mit dem Ausbau der eigenen Data Platform um erweiterte Serviceangebote, die einen Fokus darauf legen, hybride Machine-Learning-, Cloud-, Container- und IoT-Anwendungen aufzusetzen, ohne die Synchronisierung zwischen der Cloud und dem klassischen Rechenzentrum zu vernachlässigen. Dabei vertraut die MapR-Führung auf die in vielen Unternehmen noch immer in großer Zahl im Einsatz befindlichen Legacy-Anwendungen, die noch an Cloud-Architekturen angepasst werden müssen. Aus Sicht des Produktmanagements sei außerdem nicht davon auszugehen, dass sämtliche unternehmensrelevanten Daten vollständig in die Cloud ausgelagert würden. Für alle On-Premise vorgehaltenen Daten empfehle sich Hadoop nach wie vor als kostengünstige und vergleichsweise flexibel anpassbare Speicheroption.

Ob sich diese Einschätzung als richtig erweist und auch potenzielle Geldgeber überzeugen kann, MapR mit strategischen Investitionen weiterhin zu finanzieren, werden die von CEO Schroeder angesprochenen Initiativen noch zeigen müssen. (map)