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Herber Schlag für Delphi: Embarcadero schließt spanischen Entwicklungsstandort

Am spanische Entwicklungszentrum arbeiteten 80 Menschen unter anderem an der IDE und der Delphi Runtime Library, aber auch an den IoT-, Datenbank und Bluetooth-Komponenten. Die Zukunft der Entwickler-Tools ist fraglich.

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Embarcadero hat sein spanisches Entwicklungszentrum geschlossen, und offensichtlich verlieren alle 80 dort Beschäftigten damit ihren Job. Gleichzeitig bedeutet die Schließung einen weiteren herben Schlag für Delphi, dessen Zukunft immer ungewisser wird. Im Februar hatte mit Allen Bauer der Chefentwickler der Delphi-Entwicklungsumgebung das Unternehmen verlassen.

Das geschlossenen Büro konzentrierte seine Entwicklung laut Allen Bauers Kommentar auf Google+ vor allem auf die IDE-, die Delphi Runtime Library, GetIT, Installer, Datenbanken, Bluetooth-Komponenten, IoT und Qualitätssicherung. "Es war eine wunderbare, engagierte, begeisterte Gruppe von Leuten. Sie waren lernbegierig und haben ihre Arbeit geliebt. Diese Entwicklung macht mich tieftraurig", meint Bauer.

Dennoch überrasche ihn die Schließung nicht wirklich. Bauer beklagt, dass die neuen Besitzer nicht verstünden, wie sie Development-Tools weiterentwickeln und managen müssten. Im Oktober 2015 hatte mit Idera ein Hersteller von Datenbankwerkzeugen Embarcadero übernommen. Schon damals stellten sich Softwareentwickler die Frage, wie die neue Mutter mit dem Borland-Erbe umgeht, das aus Delphi, C++ Builder und dem daraus gewachsenen RAD Studio besteht.

Idera übernahm Embarcaderos Datenbank-Tools ins eigene Portfolio, und Embarcadero wurde zu einer eigenständigen Tochterfirma mit der Verantwortung für die Entwicklerwerkzeuge. heise Developer sprach damals mit deren General Manager Atanas Popov, der zusicherte, dass die Tools eine strategische Roadmap bekämen und eine sichere Zukunft hätten. Er wollte die Bedenken zerstreuen, dass sich die Vergangenheit wiederhole: Borland hatte die Werkzeuge im Zuge des Wandels zur ALM-Firma (Application Lifecycle Management) in die Tochter CodeGear ausgegliedert und schließlich an Embarcadero verkauft.

Zwar gab es im April neue Versionen von Delphi, C++ Builder und RAD Studio, aber die Neuerungen hielten sich eher in Grenzen, wie auch der kleine Versionsschritt von 10 auf 10.1 nahelegt. Die Schließung des spanischen Büros stellt die Zukunft der Tools erneut in Frage. (rme)