Menü

Google I/O: Googles Bekenntnis zu Kotlin

Die Programmiersprache soll die erste Wahl für Android-Entwickler werden, von denen laut Google über die Hälfte bereits Kotlin verwenden.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 41 Beiträge

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von

Auf der Google I/O 2019 hat Google einige Ankündigungen verlauten lassen, die vor allem für Android-Entwickler interessant sind. So soll Kotlin nun die bevorzugte Programmiersprache für das mobile Betriebssystem werden. Außerdem erhält die Komponentensammlung Jetpack deutlichen Zuwachs. Darüber hinaus gibt es ein frisches Beta-Release von Android Studio und Ergänzungen für die Bereiche App Bundles und Machine Learning.

Vor zwei Jahren bekannte sich Google auf der Google I/O 2017 offiziell zu Kotlin als Programmiersprache für Android. Die Umsetzung für die Plattform war naheliegend, da sich Kotlin- ebenso wie Java-Code für die JVM kompilieren lässt. Die Integration in Android Studio 3.0 war der erste große Schritt in die Richtung. Dass die Entwicklungsumgebung auf IntelliJ IDEA aufbaut, das ebenso vom tschechischen Toolhersteller JetBrains stammt wie Kotlin, vereinfachte die Integration seinerzeit. Inzwischen verwenden laut Google über die Hälfte der professionellen Android-Entwickler Kotlin. Außerdem erfreut sich die Programmiersprache weiterhin wachsender Beliebtheit. Den Namen hat sie von einer Insel westlich der russischen Stadt Sankt Petersburg, wo die ursprüngliche Hauptentwicklung von Kotlin stattfand.

Auf der diesjährigen Entwicklermesse verkündete Google nun, dass Kotlin künftig nicht mehr nur neben Java existieren, sondern die bevorzugte Programmiersprache werden soll. Der Internetriese empfiehlt Entwicklern, neue Projekte in Kotlin zu starten, da damit häufig für dieselbe Funktionalität weniger Code als in Java nötig ist. Google will die Werkzeuge und Dokumentation für Kotlin-Entwickler in Zusammenarbeit mit JetBrains und der im Oktober 2018 gegründeten Kotlin Foundation verbessern. Außerdem wird es zusätzliche Trainings und unter dem Titel Kotlin/Everywhere eine Reihe von Community-Events geben.

Kotlin/Everywhere heißt das von Google und JetBrains initiierte Programm mit Community-Events.

Google stellte Jetpack erstmals auf der Google I/O 2018 vor. Die Komponenten sollen Entwicklern vor allem Standardaufgaben abnehmen und Boilerplate-Code verringern. Im Lauf des letzten Jahres kamen beständig neue Komponenten hinzu, unter anderem erreichte zuletzt im März der WorkManager zum Verwalten von Hintergrund-Tasks den stabilen Versionsstand 1.0. Auch für Jetpack gilt künftig, dass neue Libraries zunehmend zunächst in Kotlin erscheinen sollen.

Auf der diesjährigen I/O-Konferenz kündigte Google sechs neue Libraries an, die zunächst als Alpha-Varianten verfügbar sind. Außerdem erhalten fünf Bibliotheken Beta-Status. Als ein Highlight der Neuerungen hob das Team CameraX hervor, das die Entwicklung von Kamera-Apps vereinfachen soll. Die Library bietet Anbindung an Funktionen wie Zoom, HDR oder Nachtmodus. CameraX ist rückwärtskompatibel bis Android L und bietet für Entwickler Migrationshilfen für Anwendungen, die bisher auf die Camera-API von Android setzen.

Promotion-Video für CameraX (Quelle: Android Developers)

Eine weiterer Neuzugang in Jetpack ist das Toolkit Compose zum Erstellen von Nutzerschnittstellen. Es setzt auf Kotlin und verwendet ein reaktives Programmiermodell. Dabei bleibt es zu den herkömmlichen Android-Views kompatibel, sodass Entwickler beide Ansätze kombinieren können. Derzeit befindet sich das deklarative Toolkit in einer frühen Prä-Alpha-Phase, und die APIs sind noch nicht vollständig.

Im Rahmen der Konferenz hat Google auch die Beta von Android Studio 3.5 angekündigt, das vor allem zahlreiche Verbesserungen unter der Haube mitbringt. Die Stabilisierungen und Optimierungen sind eine Konsequenz des im November angekündigten und mit Android Studio 3.3 anfänglich umgesetzten Project Marble. Android Studio 3.5 soll unter anderem den Speicher für große Projekte besser verwalten und die CPU-Nutzung verbessern.

Die erstmals in Android Studio 2.0 eingeführte Instant Run-Funktion haben die Entwickler vollständig neu geschrieben, und der Nachfolger läuft unter dem Namen Apply Changes. Konkret finden Entwickler für den Neustart einer App drei unterschiedliche Buttons in der Entwicklungsumgebung:

  • Run überträgt alle Änderungen und startet die komplette App neu,
  • Apply Changes versucht die Änderungen im Code und an den Ressourcen zu übertragen und nur die aktuelle Aktivität neu zu starten, nicht jedoch die vollständige App und
  • Apply Code Changes geht noch einen Schritt weiter und überträgt nur die Codeänderungen, verzichtet aber auf einen Neustart in jeglicher Form.

Android Studio 3.5 kennt drei unterschiedliche Optionen für das Einpflegen von Codeänderungen.

(Bild: Google)

Zu den weiteren für Android-Entwickler nennenswerten Neuerungen von der Google I/O gehört, dass die sogenannten Dynamic Feature Modules für Android App Bundle nun die Betaphase verlassen haben. Entwickler können damit festlegen, welche Teile einer App sie für konkrete Endgeräte anbieten, auf der Grundlage der Ausstattung des Smartphones beziehungsweise dem Land des Nutzers. Durch den Verzicht auf Module, die das Endgerät nicht verwendet, lässt sich die App-Größe reduzieren.

Auch im Bereich der Neural Networks API (NNAPI) gibt es einige Neuerungen. So lassen sich nun deutlich mehr Machine-Learning-Modelle als bisher ohne Umwandlung oder Änderungen beschleunigen, da die Zahl der Operatoren von 38 auf 90 gestiegen ist. Entwickler können zudem steuern, welche Hardware wie neuromorphe Prozessoren (NPUs) für bestimmte Beschleunigungsfunktionen zum Einsatz kommt.

Weitere für Entwickler relevante Ankündigungen und Neuerungen der I/O lassen sich dem Android-Developer-Blog entnehmen.

Die Google I/O in 12 Minuten zusammengefasst. (Quelle: Google)

(rme)