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Im Porträt: Felix Krause – Entwickler von fastlane

heise Developer stellt in unregelmäßiger Folge wichtige und bekannte Entwickler vor. Den Auftakt macht Felix Krause, Entwickler von fastlane, einer Software zur Automatisierung des Deployments von iOS- und Android-Apps.

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Trotz seiner gerade mal 23 Jahre kann Felix Krause schon auf eine beachtliche Karriere als Softwareentwickler zurückblicken. So nahm er bereits mit 15 Jahren für Österreich an den Robotikweltmeisterschaften in Singapur teil. Damals war er in der Wiener Neustadt im Gymnasium und in der Höheren Technischen Leahranstalt und probierte sich früh als Programmierer von Apps für das iPhone – darunter eine für die erfolgreiche Fahrradroutensammlung Bikemap. Fast schon logisch, dass seine Begeisterung fürs Programmieren in ein Studium an der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt Wiener Neustadt mündete, das er 2015 mit dem Bachelor an der University of Central Lancashire absolvierte.

Bei der Entwicklung von Apps (etwa Product Hunt, Mindnode sowie Wunderlist) schon während des Studiums störten Krause das aufwendige Veröffentlichen von iPhone-Apps im App Store mit Aufgaben wie Vorbereitung der Screenshots, Hochladen der App et cetera. Wie vielen anderen Entwicklerkollegen missfiel ihm vor allem, dass man viele Dinge manuell durchführen musste – und das immer und immer wieder. So machte er sich an die Arbeit, eine Software zu schreiben, die diesen Prozess radikal vereinfachen sollte. Die von ihm entwickelte Open-Source-Software namens fastlane reduzierte das Verfahren dann tatsächlich auf einen Klick, ab dann dauern App-Store-Updates nur noch wenige Minuten. Es handelt sich dabei um die zuvor zeitaufwendigen Aufgaben wie das Erstellen von Screenshots, den Umgang mit Code-Signing und die Freigabe der Apps.

Das nahm 2014 seinen Anfang und bestimmte Krauses berufliches Leben bis in die Gegenwart hinein. Denn dass er mit fastlane offensichtlich die richtige Kerbe getroffen hatte, verdeutlichen Statistiken auf GitHub, wo das Projekt von Beginn an beheimatet ist. Innerhalb kürzester Zeit kam es dort auf mehr als tausend "Stars". Damit verbunden folgten schon sehr bald eine schiere Menge an Pull Requests und Anfragen, die Krause als einzigen Maintainer des Softwareprojekts zunehmend an seine Grenzen stießen ließ. Auf der anderen Seite stehen offenbar mehr als sechs Millionen Entwicklerstunden, die sich bis heute durch fastlane einsparen lassen haben. Setzt man 2080 Arbeitsstunden im Jahr voraus, entspricht das 2880 Entwicklerjahren.

Im Sommer 2015 bekundete dann glücklicherweise der Mikroblogging-Dienst Twitter Interesse, fastlane zu "übernehmen". Krause ging auf das Angebot ein und siedelte nach San Francisco über – ein früher Wunsch, einmal in der IT-Hochburg Kalifornien beziehungsweise im Silicon Valley zu arbeiten, ging damit in Erfüllung.

fastlane wurde Teil von Twitter Fabric, einer modularen Entwicklungsplattform zum Erstellen von Mobilanwendungen, die 2014 vorgestellt worden war. Durch den Wechsel zu Twitter konnte das Projekt wachsen, sodass zwischenzeitlich vier Entwickler vollberuflich in die Entwicklung von fastlane involviert waren. Lag der Fokus initial auf iOS als Plattform, konnte Krause noch 2015 ankündigen, dass die Software nunauch für die Android-Entwicklung genutzt werden könne. Andere Themen, die das fastlane-Team bei Twitter angehen konnte, waren eine Webapp zum Erstellen einer fastlane-Konfiguration, Plug-ins, um die Software zu erweitern, 2-Faktor-Authentifizierung und einiges andere mehr.

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Wer Felix Krause persönlich treffen möchte, hat dazu auf der WeAreDevelopers-Konferenz die Gelegenheit, die am 11. und 12. Mai in Wien stattfindet. Er wird dort von seinen Erfahrungen beim Skalieren seines Open-Source-Projekts berichten.

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Anfang dieses Jahres hat Google dann jedoch die Fabric-Produkte übernommen. So kam es für Krause zum erneuten Jobwechsel. Seit Anfang März arbeitet er für den Internetkonzern und mit ihm sein Team, das mittlerweile auf fünf Ingenieure angewachsen ist. Fabric soll in Googles Entwicklungsplattform Firebase aufgehen. Es gibt zwischen Fabric und Firebase zwar etliche Gemeinsamkeiten, bei denen es nun zur Konsolidierung kommen dürfte. Diese betreffen aber nicht fastlane, für das es kein Pendant in Googles Portfolio gibt.

Für Krause schließt sich mit der Anstellung bei Google ein Kreis. Denn schon 2010 besuchte er den Google-Campus während eines Familienurlaubs und fasste damals den Entschluss, einmal hier arbeiten zu wollen. Sein fastlane-Projekt, das mittlerweile auf über 12.000 Commits, 14.800 GitHub-Stars und mehr als 500 Contributoren kommt und zu den 25 aktivsten Open-Source-Projekten auf GitHub zählt, hat es möglich gemacht. (ane)