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JVM-Sprachen: 10 Jahre Scala

Am 20. Januar 2004 gab das Scala-Team die Verfügbarkeit der ersten Implementierung ihrer Sprache bekannt. Mittlerweile wird sie von Diensten wie Twitter genutzt und Version 2.10 ist aktuell.

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Rechnet man von der ersten offiziell zugänglichen Umsetzung von Scala aus, konnte die Sprache nun ihren zehnten Geburtstag feiern. Schon etwa drei Jahre zuvor begann Martin Odersky, der zu der Zeit gerade beim École Polytechnique Fédérale de Lausanne angefangen hatte, mit ihrer Entwicklung und versuchte dabei, Aspekte funktionaler und objektorientierter Programmierung zu kombinieren. Zu Oderskys früheren Arbeiten zählte unter anderem Suns Java-Compiler javac und Generic Java.

Zum Jubiläum hat sich Odersky mit einer Nachricht bei den vielen Unterstützern der letzten Jahre bedankt. Er sei davon überwältigt, wie sie es zusammen schaffen konnten, aus einer Sprache aus der Forschung ein Werkzeug für die tägliche Programmierung zu entwickeln. Besonders da man sich nicht auf eine große Organisation im Hintergrund stützen konnte, sondern alles aus der Kraft motivierter Helfer entstanden sei.

Der ursprünglichen Version für die Java Virtual Machine folgte schnell eine zweite für das .NET-Framework. Die Abhängigkeiten zur JVM wuchsen jedoch mit der Zeit und da wohl seit nun etwa einem Jahr kein Entwickler mehr explizit mit der .NET-Variante betraut ist, soll das zugehörige Backend laut Typesafe-Mitarbeiter Jason Zaugg in Version 2.11 aus der Distribution entfernt werden.

Scalas akademischen Hintergrund lässt sich schwer verbergen, sodass etwa Mathematiker gut mit ihr auskommen sollten. Auszeichnende Merkmale sind unter anderem ihr mächtiges Typ-System und die im Vergleich zu Java sehr ausgeprägte syntaktische Vielfalt, die jedoch nicht in allen Fällen für einen verständlicheren Code sorgt. Wie andere Java-Alternativen nutzt Scala First-class-Funktionen, wodurch sich Funktionen wie normale Objekte weiterreichen und ablegen lassen. Während der Entwicklung gab es immer wieder Brüche in der Kompatibilität des Binärcodes, was Odersky allerdings damit begründet, dass für eine weitere Verbesserung der Leistung ein gewisses Maß an Flexibilität notwendig sei.

Trotz der häufig mit ihr assoziierten Komplexität kommt Scala mittlerweile in großen Projekten wie Twitter und LinkedIn zum Einsatz und mit dem 2011 gegründeten Unternehmen Typsafe gibt es entsprechenden kommerziellen Support. Auch das Ökosystem ist mittlerweile mit einigem an Literatur, Frameworks wie Play und Akka und Konferenzen gut aufgestellt. Darüber hinaus hat die Sprache auch Spuren in Java hinterlassen: So ist das Lambda-Feature der kommenden Version 8 wohl auf Scala zurückzuführen.

Vor knapp einem Jahr veröffentlichten die Entwickler Scala 2.10, die Arbeiten an Version 2.11 haben schon sieben Meilensteine hervorgebracht, wobei der letzte vor zwei Monaten erschien und ein erster fertiger Release Candidate für den 14. Februar geplant ist.


Siehe dazu auch auf heise Developer:

(jul)