Jakarta EE: Eclipse Foundation übernimmt die Verantwortung für Enterprise Java

Optimierungen für Microservice-Architekturen und eine tiefere Integration von Kubernetes, Docker & Co. für Cloud-Native-Applikationen stehen auf der Community-Wunschliste für künftige Enterprise-Java-Versionen.

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Java-EE-Nachfolger: EE4J nimmt Gestalt an

Ab sofort tritt Jakarta EE offiziell die Nachfolge von Java EE 8 an – unter der Regie und Lizenzierung durch die Eclipse Foundation. Für den Neustart in eine Zukunft ohne die direkte Kontrolle von Oracle bildet Java EE 8 einschließlich sämtlicher Spezifikationen, Referenzimplentierungen (RI), Technology Compatibility Kits (TCK) sowie der Dokumentation die Basis. Unter dem von der Community gewählten Namen Jakarta EE sollen die Standards künftig "agiler, flexibler und offener" weiterentwickelt werden, wie Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, nun bekannt gab.

Entwicklern wie auch Anwendern von Java-Enterprise-Applikationen will die Open-Source-Organisation eine klare strategische Perspektive geben: Mit dem Start von Jakarta EE werden Microservices und Cloud Native Java zu einem Kernbereich der Weiterentwicklungsbemühungen. Dabei soll die Community – darunter vor allem auch Eclipse-Projekte wie MicroProfile und mittlerweile auch das OpenJDK – im Rahmen eines neuen Governance-Modells stärker eingebunden werden, um die Prozesse auch anbieterunabhängiger als bisher zu gestalten.

Über 1800 Java-Entwickler weltweit hatten sich im März an einer Umfrage der Eclipse Foundation beteiligt und ihre konkreten Erwartungen an Standards und Funktionen künftiger Jakarta-EE-Versionen kundgetan. Microservices und eine bessere Integration von Container-Deployment-Techniken wie Kubernetes zählen demnach zu den Top-Prioritäten auf dem Weg zu Cloud Native Java.

Neues Logo und neuer Name für den Java-EE-Nachfolger. (Bild: Eclipse Foundation)

Aktuell betreiben nur einige Pioniere unter den Umfrageteilnehmern Java-Applikationen in der Cloud – rund die Hälfte der Befragten gab an, erst ein Fünftel ihrer Anwendungen liefen in der Cloud. In den kommenden zwei Jahren soll der Anteil aber auf über 60 Prozent wachsen. Neben der Integration von Kubernetes, Docker & Co. wird dafür entscheidend sein, Jakarta EE effizienter und flexibler zum Bau von Microservices nutzen zu können. Darüber hinaus wünschen sich die Umfrageteilnehmer einen insgesamt beschleunigten Entwicklungsprozess mit häufigeren Releases und einer rascheren Einführung neuer Funktionen.

Eine detaillierte Roadmap ist noch in Arbeit, für den Applikationsserver Glassfish, der nun auch seine Heimat unter dem Eclipse-Dach bekommen soll, kündigt die Foundation aber bereits zwei neue Versionen innerhalb des laufenden Jahres an. Als erstes Release sämtlicher nun unter dem Dach der Eclipse Foundation angesiedelten EE4J-Top-Level-Projekte soll im dritten Quartal Glassfish 5.1 erscheinen. Diese Version wird noch offiziell für Java EE 8 zertifiziert sein. Im vierten Quartal soll dann Glassfish 5.2 den neuen Spezifizierungsprozess für Jakarta EE 8 absolviert haben.

Am Java Community Process (JCP) zur Steuerung der Weiterentwicklung der Enterprise-Version von Java wird die Eclipse Foundation grundsätzlich festhalten. Allerdings soll das Governance-Modell unter der Verantwortung der Jakarta EE Working Group (vormals: Eclipse EE.next Working Group) – frei von der Kontrolle durch Oracle – künftig anbieterneutral allen Beteiligten offenstehen.

Um die Community dabei noch stärker in die Spezifizierungs- und Entwicklungsprozesse einzubinden, baut die Jakarta EE Working Group bekannte Hürden des JCP ab. So stehen ab sofort auch Open-Source-Projekte wie Jersey und der Applikationsserver Glassfish allen Interessierten offen. In der Vergangenheit war dafür ein Oracle Contributor Agreement erforderlich, künftig genügt das anbieterneutrale Eclipse Contributor Agreement, um sich aktiv per Pull Request in die Entwicklung von EE4J-Projekten auf GitHub einzubringen. Details zur Struktur und den Aufgaben der Jakarta EE Working Group sind in der im Februar verabschiedeten Charta zusammengefasst.

Damit sich die Programmiersprache und die Enterprise-Plattform möglichst harmonisch weiterentwickeln, sollen die Freigabezyklen neuer Versionen aneinander angepasst werden. Ein konkreter Fahrplan für Jakarta EE ist bisher noch nicht verabschiedet, er soll in Abstimmung mit den Communities flankierender Projekte wie OpenJDK und insbesondere MicroProfile erfolgen.

Der Start von Jakarta EE markiert offiziell Oracles Rückzug aus der Entwicklung der Enterprise-Java-Plattform. Während die Lizenzrechte bis Java EE 8 bei dem Unternehmen verbleiben, stehen alle künftigen Standards und Techniken von Jakarta EE lizenzrechtlich unter der Verantwortung der Eclipse Foundation. Aus Sicht der Entwickler-Community eröffnet sich damit die Chance, die Enterprise-Version von Java in Eigenregie gestalten zu können – ohne den Einfluss mächtiger Anbieterunternehmen. Dass Java für Oracle offenbar an Bedeutung verliert, zeigt sich auch an der Neuausrichtung der JavaOne-Konferenz – sie ist jetzt Geschichte. Als Oracle Code One setzt die Veranstaltung künftig andere Schwerpunkte.

Siehe dazu auf heise Developer: