Menü
Developer

Java auf dem Client: iJUG kritisiert Oracles vage Roadmap

Die vollzogenen Änderungen bedeuten für den Verbund deutschsprachiger JUGs nicht das Ende von Client-Java, sondern allein einen notwendigen technischen Umbau.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 53 Beiträge
Java auf dem Client: iJUG kritisiert Oracles vage Roadmap

Der Interessenverbund der Java User Groups (iJUG) hat sich kritisch zu Oracles Roadmap hinsichtlich der Zukunft von Java auf dem Client geäußert. Diese hatte der Konzern im März 2018 in einem Whitepaper abgesteckt. Leider blieben viele Fragen offen beziehungsweise die getroffenen Aussagen ließen viel Raum für Diskussionen und wilde Spekulationen, heißt es in einer der Redaktion vorliegenden Pressemitteilung, die wiederum als Stellungnahme einiger Mitglieder des iJUG verstanden werden soll. Einige Autoren hätten Oracles Aussagen bereits als das Ende von Java auf dem Client interpretiert.

Die Kernpunkte des Whitepapers sind, dass Applets und Java-Webstart nicht mehr unterstützt sowie das JavaFX-Framework zum Erstellen plattformübergreifender Java-Applikationen nicht mehr in Oracles JRE/JDK enthalten sein, sondern separat zur Verfügung gestellt werden. Die GUI-Toolkits AWT und Swing finden hingegen weiterhin Unterstützung.

Insbesondere bei den Aussagen zu AWT und Swing gäbe es für den iJUG viel Raum für Interpretationen. So heißt es, dass es noch Support bis 2022 geben solle, aber es bleibe auch völlig offen, wie die Pläne in der Zeit danach seien. Unklar sei auch, was Oracle hier unter Support verstehe. Offen sei, ob es noch Weiterentwicklungen und Anpassungen geben werde oder nur noch reine Fehlerbehebungen, die schon in der Vergangenheit nicht die höchste Priorität gehabt hätten und oft Jahre dauerten oder sogar bis heute offen seien.

Klarer ist die Situation wohl bei Applets, Webstart und JavaFX. Sie sind in den Vorabversionen des JDK 11 nicht mehr enthalten. Und bei JavaFX sieht die Perspektive vor allem dank der Firma Gluon mittlerweile gut aus. Ein separates SDK steht als Vorabversion zur Verfügung und funktioniert anscheinend sowohl mit dem OpenJDK10/11ea als auch Oracle JDK11ea. Eine Kurzanleitung, wie damit zu verfahren ist, findet sich auf einer von Gluon bereitgestellten Website. Darüber hinaus gibt es eine Testversion, um JavaFX einfach als Maven- beziehungsweise Gradle-Dependency in ein Projekt einzubinden.

Die Unterstützung für Maven und Gradle befindet sich derzeit noch in der Entwicklung, sieht aber laut den iJUG-Vertretern vielversprechend aus. Außerdem gibt es inzwischen ein von Gluon bereitgestelltes offizielles Mirror des OpenJFX-Projekts auf GitHub. Im einfachsten Fall lässt sich damit anscheinend ein JavaFX-SDK des aktuellen Entwicklungszweigs auf Linux oder macOS mit dem Befehl ./gradlew --continue clean build in weniger als zehn Minuten erzeugen (unter Windows ist offenbar etwas mehr Arbeit zum Aufsetzen der Entwicklungsumgebung erforderlich).

Oracle hat im Whitepaper verdeutlicht, dass der Trend bei Java auf dem Client in Richtung von Installer-Bundles gehe, die bereits ihre eigene Runtime-Umgebung mitbringen. Von Kunden erwartet man, dass sich eine Applikation reibungslos über einen Installer installieren lasse beziehungsweise das sogar aus einem der gängigen App-Stores möglich sei, ohne dass dazu vorher ein separates Java-JRE installiert werden müsse. Deswegen ist der Abschied von Applets und Webstart laut iJUG zu verschmerzen.

In diesem Zusammenhang wird es jedoch als äußerst schade angesehen, dass zusammen mit JavaFX auch der javapackager aus dem JDK11 verschwunden ist, der genau solche Installer-Bundles bauen konnte, aber nicht in dem separaten SDK enthalten sein wird. Stattdessen ist ein neuer jpackager für das JDK geplant, der aber wohl noch nicht für das JDK 11 zur Verfügung stehen wird, sondern erst in einer späteren Version. Hier entsteht demnach für den iJUG eine unschöne Lücke im JDK 11.

Als Fazit zieht der iJUG, dass die angekündigten und teilweise bereits vollzogenen Änderungen keineswegs das Ende von Java auf dem Client, sondern lediglich einen notwendigen technologischen Umbau bedeuten. Offen bleibe jedoch weiterhin die Frage, wie viele Ressourcen Oracle gewillt sei, in Zukunft noch in die Java-Client-Techniken zu investieren, oder ob sich die Community langsam darauf einstellen müsse, auf eigenen Beinen zu stehen.

Gerade diese Unsicherheit hat einige Firmen offenbar veranlasst, aktiv zu werden. Am 20. September 2018 findet daher in München bei der Carl Zeiss Meditec ein JavaFX-Anwendertreffen statt, bei dem es um die Zukunft von JavaFX nach 2022 gehen soll, denn ab dann wird JavaFX von Oracle nur noch über kommerziellen Support durch Bugfixes unterstützt. Zu diesem Treffen sind Vertreter von Firmen eingeladen, die JavaFX-Anwendungen mit einem hohen Investitionsvolumen entwickelt haben und diese Entwicklung weiter verfolgen möchten.

Siehe dazu auf heise Developer:

(ane)