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Jenkins-Transformation: Der Butler erhält "Superkräfte"

Im Rahmen der ersten europäischen DevOps World gibt CloudBees-CEO Sacha Labourey einen Ausblick auf die Zukunft von Jenkins und Jenkins X.

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Jenkins-Transformation: Der Butler erhält "Superkräfte"

Der Continuous-Integration-Server (CI) Jenkins hat sich in gut 15 Jahren in zahlreichen DevOps-Teams und -Projekten bewährt. Dabei seien, nach dem ursprünglichen Ein-Team-pro-Instanz-Ansatz von Jenkins, jedoch viele Inseln von Continuous Integration mit unzähligen Plug-ins entstanden, die nie dafür ausgelegt waren, übergreifend zusammenzuarbeiten, wie Sacha Labourey, CEO von CloudBees, in seiner Keynote zur Jenkins World eingesteht.

Entwicklerteams sehen sich zum Teil mit einem chaotischen, "furchterregenden" Szenario konfrontiert, das nicht nur CloudBees-Mitarbeiter und Jenkins-Anwender gerne als "Frankenstein-Jenkins" bezeichnen. Dem haben Labourey, Jenkins-Erfinder Kohsuke Kawaguchi und das gesamte CloudBees-Team den Kampf angesagt und eine umfassende Transformation eingeleitet, die den CI-Server durch fünf "Superkräfte"-Projekte rüsten soll: Jenkins X, Cloud Native Jenkins, Configuration as Code, Jenkins Evergreen und Jenkins Pipeline (inklusive Blue Ocean).

Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Transformation ist Labourey zufolge aber, die Organisation des Unternehmens und die Mitarbeiter für eine DevOps-zentrierte Vorgehensweise vorzubereiten und die notwendigen Voraussetzungen für deren Umsetzung zu schaffen. Hier sieht Labourey vor allem das Management in der Verantwortung. "Engagierte Entwickler können den DevOps-Gedanken im Unternehmen noch so aktiv vorantreiben, wenn die Führung nicht aktiv dahintersteht, die Prinzipien und Methoden unternehmensweit durchzusetzen, wird die Transformation nicht gelingen", erklärt der CloudBees-CEO im Gespräch mit heise Developer.

Labourey baut dazu auf Change Agents – Entwickler und Jenkins-Nutzer –, die den Wandel abteilungsübergreifend im Unternehmen aber auch in der gesamten Community vorantreiben. Dafür will der CloudBees-Chef auch die von Investoren zur Jahresmitte eingeworbenen 62 Millionen US-Dollar Risikokapital einsetzen. Die Change Agents sollen Bewusstsein für das Problem schaffen, dass sich zwar auch durch den Einsatz einer Armada von Jenkins-Entwicklern beziehungsweise -Admins lösen ließe. Dieser quantitative Ansatz führe aber in die Sackgasse. Stattdessen präferiert Labourey den Aufbau einer skalierbaren Infrastruktur, die sich einfach und komfortabel übergreifend verwalten lässt und die sich auf die Bedürfnisse der jeweiligen Organisation anpassen lässt – unabhängig davon, welche Strategie das Unternehmen verfolgt: On-premise, Hybrid-Cloud oder komplett in der Cloud.

Der CloudBees-CEO lässt aber auch keinen Zweifel aufkommen, dass die Zukunft von Jenkins primär in der Cloud liegt: "Die Cloud ist überall und sie lässt sich einfach und kostengünstig nutzen. Schließlich bietet sie mit ihrer inhärenten Flexibilität, die besten Voraussetzungen für das Deployment."

Die neue Cloud-Native-Version von Jenkins ist gezielt darauf ausgelegt, die Skalierbarkeit, Flexibilität und verbrauchsabhängig optimierten Kostenvorteile von Cloud-Deployments bestmöglich auszunutzen. Während Labourey einräumt, dass derzeit noch gut 50 Prozent aller Anwender Jenkins On-premise einsetzen, soll die jüngst gegründete Cloud-Native-SIG das Projekt in enger Kooperation mit Microsoft und Google aktiv vorantreiben.

Während Cloud Native Jenkins das klassische Modell des CI-Servers weitestgehend unabhängig von den Einschränkungen klassischer Betriebssysteme in die Cloud-Welt übertragen soll, geht Jenkins X darüber hinaus und schafft eine Plattform für beschleunigtes Deployment von Applikationen in Kubernetes. Jenkins X steht Developern als Kubernetes-native CI/CD-Plattform bereit, um Cloud-native-Anwendungen zu entwickeln, ohne sich in den Details der komplexen Konfiguration von Kubernetes-Clustern zu verlieren.

Unterstützung erhalten Jenkins-X-Anwender durch eine Reihe von Tools, darunter Kubernetes/Prow, Knative, Istio sowie den Container-Image-Builder Skaffold und den Applikationspaketierer Helm. Jenkins X bietet darüber hinaus die Möglichkeit, neue Modelle wie Serverless Computing oder GitOps zu adaptieren. Unternehmen, die eine Multi-Cloud-Strategie anstreben, erhalten über Jenkins X außerdem Zugriff auf eine Vielzahl von Plattformen, von AWS und Microsoft Azure über Google Cloud Platform bis zu Red Hat OpenShift, Pivotal Cloud Foundry und VMware Cloud.

Mehr Infos

Jenkins auf der Continuous Lifecycle

Die vom 13. bis 16. November in Mannheim stattfindende Continuous Lifecycle bietet Vorträge und Workshops zum Thema Jenkins.

Neben Cloud Native Jenkins und Jenkins X sollen die "Superkräfte"-Projekte Configuration as Code, Jenkins Evergreen und Jenkins Pipeline den Transformationsprozess unterstützen. Configuration as Code bietet konsistente, wiederverwendbare Jenkins-Konfigurationen, die sich auf vertraute Art und Weise als Code bearbeiten lassen. Es soll Entwicklern die Arbeit erleichtern, wenn es um Versionskontrolle, die Überprüfung von Pull Requests, das Ausrollen von Deployments oder auch das Management der Konfigurationseinstellungen und Plug-ins geht.

Auf dem Weg zu CI as a Service baut Jenkins Evergreen den CI-Server zu einer Appliance aus, die sich binnen weniger Minuten installieren und in Betrieb nehmen lässt. Mit Evergreen lässt sich darüber hinaus das automatisierte Einspielen von Updates konfigurieren. Zum Integrieren von Software Delivery Pipelines steht Anwendern die Plug-in-Sammlung Jenkins Pipelines zur Verfügung. Um diesen Prozess weiter zu vereinfachen, wird CloudBees den grafischen Pipeline-Editor Blue Ocean zu einem integralen Bestandteil von Jenkins Pipeline machen und nicht länger als separates Projekt weiterführen.

Unterdessen können sich die Verantwortlichen bei CloudBees über den anhaltenden Erfolg ihres CI/CD-Portfolios freuen. Labourey zufolge sei die Community in den zurückliegenden 12 Monaten um mehr als 24 Prozent gewachsen, auf derzeit über 192.000 aktive Installationen. Eine Datanyze-Studie sieht Jenkins als das bevorzugte Tool in 68 Prozent aller Continuous-Delivery-Projekten. Dahinter stehen weltweit rund 15 Millionen Jenkins-Entwickler, wie die Analysten von Evans Data im Rahmen ihrer Untersuchung Global DeveloperPopulation and Demographics Study ermittelt haben. (map)