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Kommentar: Java EE ist am Ende

Was sich einst so zuversichtlich anhörte, wurde zum steten Ringen – mit dem Ergebnis, dass die Zukunft von Jakarta EE nun ungewiss erscheint.

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Nun ist es also soweit: Java EE ist am Ende. Seit Oracle 2017 angekündigt hatte, Java EE in die Hände der Eclipse Foundation zu legen, haben beide Seiten intensiv um ein Abkommen über die Nutzung von Oracles Eigentum durch die Community gerungen. Vergeblich: Der Kampf wurde abgebrochen, nachdem die Foundation nun blutend am Boden liegt. Nun stehen beide Parteien also vor einem Scherbenhaufen, wie sich dem aktuellen Blog-Beitrag von Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, entnehmen lässt.

Ein Kommentar von Markus Karg

Markus Karg bezeichnet sich als Java-Guru mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der professionellen Softwareentwicklung. Er bereiste die ganze Welt der IT, angefangen bei Sinclairs großartigem ZX Spectrum 48K, Commodores 4040, über S/370, PCs seit dem legendären XT, CP/M, VM/ESA, DOS, Windows, OS/2 WARP, Linux zu Android und iOS ... und immer noch ist die Programmierung seine Leidenschaft – und Java ist seine Lieblingsdroge.

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Jeder hat zwar seine Position durchgesetzt, gewonnen hat jedoch niemand: Oracle bekommt weder Lizenzgebühren noch Extrawürste noch mehr Kunden, weder Geld noch Macht. Die Eclipse Foundation besitzt nun neben den Quellen für die APIs die bislang lizenzgeschützten TCKs, und mit viel Glück bald auch die Spezifikationsdokumente für die meisten in Java EE zusammengefassten APIs. Doch weiterentwickeln darf sie all das nicht, da ihr das Recht zur Nutzung der Marke "Java EE" fehlt.

Nun ist der Plan, einfach alles umzubenennen, von "Java" nach "Jakarta" – inklusive der Package-Namen. Damit sind aber alle bestehenden Anwendungen auf einen Schlag inkompatibel, müssen umgeschrieben und neu kompiliert werden, sonst laufen sie nicht mehr mit Jakarta EE. Wer macht das schon? Wer entscheidet sich nach dieser Schlacht noch, einen Euro in eine Technik zu stecken, die nach mehr als einem Jahrzehnt und vielen Jahren des Stillstands – erinnert sei nur an den ewigen Verzug von Java EE 8 – nun nicht mehr "Java" heißen darf und deren Zukunft juristisch so umstritten ist?

Dann doch lieber Java EE sterben lassen und neue Features nur noch im ebenfalls bei Eclipse gehosteten Konkurrenzprojekt MicroProfile einziehen lassen, wie Red Hats Vordenker Mark Little schreibt, – mit ebenfalls ungewisser Zukunft und gleichsam inkompatibel? Oder ganz pragmatisch mit einem proprietären Produkt weitermachen, sich in Vendor-Lock-in begeben und warten, bis sein Hersteller irgendwann den Support einstellt? Oder gleich ganz die Plattform wechseln, aber was ist – ganz ehrlich – tatsächlich in der Gesamtkostenrechnung besser als Java?

Wie auch immer – mit Java EE geht es definitiv nicht mehr weiter. Oracle hat es wieder einmal erfolgreich geschafft, eines seiner prominentesten Assets zu vernichten, wie zuvor schon bei Solaris, der Sun-Hardware, dem CI-Server Hudson oder OpenOffice. Man fragt sich durchaus, was der Gigant glaubt, damit zu erreichen. Der Unmut der Anwender jedenfalls ist durch diese Praxis gesichert, und wütende Kunden sind schlechte Kunden. Es bleibt daher spannend zu sehen, ob und wie die Nutzerverbände, in Deutschland allen voran DOAG und iJUG, reagieren werden.

Siehe dazu auf heise Developer:

(Markus Karg) / (ane)