Kommentar zu PHP 7: Wie Phönix aus der Asche

Wie sind Status quo und Zukunft der Skriptsprache infolge des PHP-7-Release einzuschätzen? Laut PHP-Entwickler Stefan Priebsch hat die Erfolgsgeschichte von PHP gerade erst begonnen.

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Was hat man PHP in den letzten Jahren nicht alles nachgesagt: Den Zenith überschritten, schon lange nicht mehr sexy, überhaupt ein chaotisches Projekt, im dem es von Inkonsistenzen nur so wimmelt und das es nicht schafft, alte Zöpfe endlich abzuschneiden. Auf der anderen Seite ist PHP nach wie vor eine der beliebtesten und meistverwendeten Programmiersprachen und – je nachdem, wen man fragt – der Motor für rund 70 Prozent aller Websites weltweit.

Nachdem PHP dieses Jahr seinen zwanzigsten Geburtstag feiern durfte, gab es nun auch noch Nachwuchs. Nach acht Release Candidates wurde diese Woche PHP 7 getagged und erschien am 3. Dezember 2015 offiziell. PHP 7 mag von allen PHP-Releases bisher die bewegteste Vergangenheit haben. Der Versuch, ein Unicode-basiertes PHP 6 zu schaffen, schlug fehl, weshalb man die "verbrannte" Versionsnummer nun lieber übersprang. Von der Version 5 gab es immerhin sieben Minor-Versionen. Die wichtigste davon war PHP 5.3, das die für PHP 6 geplanten Features wie Namensräume enthielt, nur eben nicht auf Unicode basierte.

Ein Kommentar von Stefan Priebsch

Stefan Priebsch hilft als Consultant, Trainer und Coach dabei, erfolgreich Software zu entwickeln. Der Diplom-Informatiker ist Mitgründer von thePHP.cc, Hochschuldozent und Co-Autor des Buchs "PHP 7 explained".

Es mag den Anschein haben, dass den PHP-Entwicklern der Mut fehlte, in der 5er-Serie einige längst als unerwünscht markierte Sünden aus der PHP-4-Vergangenheit aus der Sprache zu entfernen. In der Tat aber legte das PHP-Projekt schon immer großen Wert auf Rückwärtskompatibilität und entschied sich daher im Zweifel lieber einmal zu oft dafür, eine Merkwürdigkeit nicht aus der Sprache zu entfernen. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass die Architektur und der technische Unterbau von PHP schon ein wenig in die Jahre gekommen waren. Das machte es schwer für neue Kontributoren, sich einzufinden, und bestimmte Erweiterungen der Sprache waren auf der vorhandenen technischen Basis schlichtweg nicht umsetzbar.

Als Facebook vor einigen Jahren zuerst mit HipHop und dann mit HHVM eine alternative Ausführungsumgebung für PHP schuf, wurden dadurch die Weichen in Richtung PHP 7 gestellt. Es war geradezu demonstriert worden, dass man sogar eine vollständige Neuentwicklung "kompatibel genug" zu PHP machen konnte. Zudem beeindrucken Facebooks Bemühungen durch eine erheblich bessere Performance und geringeren Ressourcenverbrauch als PHP selbst.

Konkurrenz belebt das Geschäft, und es wäre ja gelacht, wenn nur Facebook ein verbessertes PHP bauen könnte. Also hat man PHP gewissermaßen neu erfunden und für PHP 7 mit einem technisch vollständig überarbeiteten, zeitgemäßen Unterbau versehen. Natürlich bringt das einige Brüche in der Rückwärtskompatibilität mit sich, bietet aber eine stabile Basis für eine Zukunft, in der Änderungen und Erweiterungen an der Sprache deutlich einfacher umzusetzen sind, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Die Erfolgsgeschichte von PHP hat gerade erst begonnen, denke ich. Herzlichen Glückwunsch an das PHP-Projekt. Ein schöneres Geschenk kann man sich zum zwanzigsten Geburtstag kaum vorstellen. (ane)